Blockabfertigung und grenzkontrolle auf Tiroler Seite

Acht Kilometer Stau auf Autobahn

von Redaktion

Auf der Inntal-Autobahn Stautransparente an grenznahen Brücken sowie LED-Stauwarner auf dem Seitenstreifen, auf der Autobahn München-Salzburg Warnhinweise an den Schilderbrücken. Alles deutete gestern auf das große Verkehrschaos hin. Wie schlimm war es wirklich?

Kiefersfelden – Montag ist Blockabfertigungstag. Stehende Lkw zumindest auf der rechten Spur der Inntal-Autobahn sind quasi vorprogrammiert. Im Extremfall reicht der Rückstau sogar bis auf die Autobahn München-Salzburg zurück. Erst recht in dieser Woche, möchte man meinen. Wegen des anstehenden Treffens der Innenminister der Europäischen Union in Innsbruck führt die Tiroler Landespolizei seit gestern erstmals wieder Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze durch.

Letztere begannen in der Nacht zum Montag um 0 Uhr. „Dabei handelt es sich um Sichtkontrollen“, erklärt ein Sprecher der Tiroler Landespolizei auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Die rechte Fahrspur diente als Kontrollstelle, links und rechts, auf Pannenstreifen und linker Spur, wurde der Verkehr auf 30 km/h verlangsamt. Die Konsequenz: „Wir hatten zwischenzeitlich einen Kilometer Rückstau.“ Ähnlich liest sich auch eine Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, in der von „keinen nennenswerten Verzögerungen“ die Rede ist. Erst gegen Ende der Blockabfertigung habe sich demnach zähflüssiger Verkehr auf beiden Spuren der Inntal-Autobahn eingestellt.

Auch die Blockabfertigung, die wie gewohnt nach Ende des Nachtfahrverbots gegen 5 Uhr startete, ging gestern vergleichsweise glimpflich vonstatten. Zwischen 250 und 300 Lkw pro Stunde durften die deutsch-österreichische Grenze in Richtung Tirol passieren, der Rest musste warten. Dadurch entstand ein Rückstau von rund acht Kilometern Länge auf dem rechten Fahrstreifen. Den linken Streifen und auch die Anschlussstellen hielt die Rosenheimer Verkehrspolizei frei. Gegen 8.35 Uhr, fünf Minuten nachdem die Tiroler ihre Dosierungsmaßnahme beendet hatten, ereignete sich ein leichter Auffahrunfall zwischen zwei Lkw. Der blieb aber ohne Folgen – sowohl für die Fahrzeuglenker, als auch für den Individualverkehr.

Schilder, die vor Stau auf der Autobahn warnen: Für viele Autofahrer Anlass genug, stattdessen auf die Landstraße abzufahren. Zum Leidwesen der grenznahen Gemeinden, deren Hauptverkehrsadern regelmäßig vom Ausweichverkehr blockiert werden. Gestern aber trotz anderslautender Vorzeichen offenbar nicht. „Im Dorf ging es“, sagte Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Wir hatten keinen großen Rückstau.“ Die neue Maßnahme der Tiroler Behörden nimmt der Rathauschef dennoch zum Anlass für Kritik: „Die große Entwicklung ist falsch“, schimpft Gruber. „Statt eines geeinten Europas werden hier wieder Grenzen hochgezogen.“ Die Folgen bekämen Kiefersfelden und die übrigen grenznahen Gemeinden jeden Tag zu spüren. Schließlich wird auch in der Gegenrichtung fleißig kontrolliert.

Ob es im weiteren Wochenverlauf zu Staus kommen wird, so ein Sprecher der Tiroler Landesverkehrsabteilung, sei schwer vorherzusagen. „Das hängt vom Reiseverkehr ab.“ Damit bestehe vor allem am Freitag erhöhtes Stau-Potenzial. Auch auf deutscher Seite wappnen sich die Behörden: Das Lkw-Überholverbot und die zulässige Höchstgeschwindigkeit, Maßnahmen, die sonst nur im Zuge der Blockabfertigungen verhängt werden, bleiben „aus Sicherheitsgründen“ bestehen.

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