Rosenheim/Griesstätt – Die Geburtsstunde verlief unspektakulär. Landrat Wolfgang Berthaler hatte den Wunsch, zur Eröffnung des Erweiterungsbaus des Landratsamtes einen Landkreis-Marsch präsentieren zu können, Kulturreferent Christoph Maier-Gehring stellte den Kontakt her und Diplom-Musiklehrerin Michaela Haindl machte sich wenig später an die Arbeit.
Etwa eineinhalb Jahre nach dem ersten Gespräch erklang das rund dreiminütige Musikstück aus der Feder der 43-jährigen Griesstätterin am 5. Mai dieses Jahres zum ersten Mal (wir berichteten). An jenem Tag wurde der Anbau des Landratsamtes seiner Bestimmung übergeben. Musiker der Blaskapellen Bernau, Kiefersfelden, Vagen und Wasserburg brachten es im Beisein zahlreicher Ehrengäste zu Gehör. Es gab begeisterten Applaus – für das Spiel und das Stück.
Es war wohl eine Art „Vorbelastung“, die den Kulturreferenten an Michaela Haindl denken ließ, als ihn der Landrat mit seiner Vorstellung von einem LandkreisMarsch konfrontierte und darum bat, er möge sich Gedanken machen, wer ein solches Stück schreiben könne. Im Komponieren hat die Diplom-Musiklehrerin in der Tat Erfahrung. Nicht nur, weil sie selber auch Dirigentin ist. Haindl hat beispielsweise bereits 2008 die Festmesse komponiert, die anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Musikkapelle Griesstätt, die sie damals noch dirigierte, gespielt wurde. Dennoch: „Ich war erst mal perplex, als die Anfrage kam“, räumt sie freimütig ein. Gefreut hat sich die Griesstätterin, die auch Vorstandsmitglied im Bezirksmusikverband Inn-Chiemgau ist und der Musikkommission des Musikbundes für Ober- und Niederbayern angehört, über die Anfrage dennoch. „Das ist schon eine Ehre, eine solche Aufgabe übertragen zu bekommen“, sagt sie.
Nur einmal traf sie sich mit dem Landrat und dem Kulturreferenten zu einem Vorgespräch, dann machte sie sich ans Komponieren. Der Auftrag des Landrats war klar. Es sollte ein Marsch sein, der nach Noten ein Spiegelbild des Landkreises ist und Berge, Täler und das Element Wasser beinhaltet. Gelöst hat Haindl die Aufgabe mit einer „ruhigen Melodie“ und einem „Rauf und Runter“ bei den Tönen. „Das symbolisiert Berg und Tal“, erläutert sie ihren Gedankenansatz.
Ein wertvoller Helfer der Komponistin war „Aika“, ihre mittlerweile vier Jahre alte belgische Schäferhündin. Bei ausgedehnten Waldspaziergängen mit ihrem Vierbeiner kam ihr so manch guter Gedanke, der zum Gelingen der Komposition beitrug. „Wir sind zusammen gegangen, und ich habe immer wieder mal einen Melodienansatz gesummt, den ich dann zu Hause zu Papier gebracht und auf dem Klavier gespielt habe“, erinnert sich Haindl.
Etliche Kilometer Waldspaziergänge waren absolviert, ehe die Diplom-Musiklehrerin mit ihrem Werk rundum zufrieden war und die Endfassung stand. Mittlerweile ist das Stück im Internet auch auf Youtube zu hören. Haindl freut sich, dass sie bisher nur positive Resonanz von Musikerkollegen bekommen hat. Die Schonstetter Schlossmusik, die sie mittlerweile dirigiert, hat den Marsch erst kürzlich beim Bezirksmusikfest gespielt und viel Aufmerksamkeit bei der Darbietung erfahren. Wie viele Kapellen ihn bereits im Repertoire haben und wie oft er seit der Uraufführung bereits erklang, weiß die Griesstätterin nicht.
Dass er zu einem festen Bestandteil im Angebot der im Landkreis aktiven Blaskapellen werden könnte, diese Hoffnung hat die Realschullehrerin allerdings schon. Nicht zuletzt, da das Stück ihrer Meinung nach für Blaskapellen ab zwölf Leuten einfach zu spielen ist. „Ich habe die Komposition bewusst so angelegt, dass sie auch Kapellen spielen können, die nicht höchstes Niveau erreichen.“
Ob „Mein Rosenheimer Land“ auch in den Bierhochburgen auf dem Rosenheimer Herbstfest Einzug hält, weiß die 43-Jährige nicht. „Schön wäre das natürlich schon“, gesteht sie freimütig. Und was den angestrebten Vormarsch der Komposition betrifft, wäre es bestimmt nicht von Nachteil, wenn die Kapellmeister auf den Festzeltbühnen allabendlich den Taktstock zu jenem Musikstück erheben, das die Schönheit unserer Heimat nach Noten preist.