Fussball-WM: Kroaten schaffen historischen Finaleinzug

Rosenheim rot-weiß kariert

von Redaktion

Der Weltmeister ist raus, die WM-Euphorie passé – zumindest unter deutschen Fußballfans. Ein anderes Bild zeichnen die Anhänger Kroatiens. Sie erleben gerade ihr eigenes Sommermärchen: lautstark, frenetisch, laut Polizei aber dennoch friedlich.

Rosenheim – Mehrere Hundert Fußballfans in rot-weißen Trikots tummeln sich auf der Münchener Straße in Rosenheim. Für den Verkehr gibt es kein Durchkommen mehr. Rhythmische Trommelschläge hallen von den Häuserzeilen. „Mi Hrvati!“, also „Wir Kroaten!“, hallt es immer wieder durch die Innenstadt. Klein-Zagreb, könnte man meinen. Bengalos hüllen die Umgebung und das rot-weiß kariert erscheinende Menschenmeer in rötliches Licht. Rauchschwaden steigen in den Nachthimmel auf. Auf dem schmalen Vordach eines Bekleidungsgeschäftes schwingt ein Fan eine riesige kroatische Fahne.

„Das war eine super Stimmung“, erzählt Antonija Kotarac aus Bad Aibling, die im Anschluss an den Finaleinzug der kroatischen Nationalmannschaft am Mittwochabend extra nach Rosenheim gefahren ist. Zuerst Autokorso „mit Hupen und aufgedrehter Musik“, dann feiern auf der improvisierten Fan-Meile. „Wir sind so stolz“, sagt Kotarac. „Wir wussten, dass sie es schaffen können.“ Die 24-Jährige muss es wissen, als ehemalige Fußballerin beim FC Bayern und in der Junioren-Nationalmannschaft Kroatiens. Inzwischen verteidigt sie für den TuS Bad Aibling.

Ausgleich durch

Perisic „phänomenal“

Das WM-Halbfinale ihrer Kroaten gegen England hat sie gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden beim Alten Wirt in Großkarolinenfeld verfolgt. „Phänomenal“ fand sie schon den Ausgleich durch Ivan Perisic, schließlich ging es von da an aufwärts. Als dann Mario Manzukic in der 109. Minute zur Führung traf, brachen alle Dämme. „Wir sind so abgegangen, das war Herzrasen pur“, erzählt Kotarac.

Für das Finale gegen Frankreich hat sich die 24-Jährige etwas Besonderes überlegt. „Ich würde gerne nach Kroatien fahren. Nach Zagreb.“ Schließlich dürfte es für viele Spieler der „Goldenen Generation“ um Luka Modric die letzte Chance auf den Titel sein. Wie die Chancen stehen? 50:50, sagt Kotarac. „Das Glück wird entscheiden. Ich denke, die machen das.“

Diese Hoffnung hegt auch Stipe Zaja, 25, Junior-Chef des Restaurants Zagreb Grill in Rosenheim. „Dann schmeckt das Feierabendbier umso besser“, sagt er und lacht. Er wird das wohl wichtigste Spiel in der Geschichte des kroatischen Fußballs aber – wie auch die Partie am Mittwoch – lediglich am Radio verfolgen können. Einen Fernseher gibt es im Zagreb Grill nicht. „Und frei machen geht nicht. Das ist ein Familienbetrieb, da hilft jeder mit.“

Gefreut hat er sich trotzdem – gemeinsam mit den größtenteils deutschen Gästen. „Sie haben alle gesagt, sie drücken uns die Daumen. „Sie haben das auch so gemeint.“ Auch am Final-Sonntag wird sich Zaja einen kleinen Abstecher an die Feiermeile in der Münchner Straße nicht nehmen lassen, sofern die Kroaten gewinnen. „Dann ist hier in Rosenheim ordentlich was los.“

Wohl ähnlich wie am Mittwoch: „Nach Spielende haben sich etwa 700 kroatische Fans am Atrium in der Münchener Straße versammelt. Wir haben die Straße bis etwa 23.30 Uhr gesperrt“, sagt Jürgen Thalmeier, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Eine stolze Feiergemeinde angesichts 834 gemeldeter Kroaten in Rosenheim. Sicher, einige wie Kotarac kamen beispielsweise auch aus Bad Aibling oder Kolbermoor, wo immerhin 202 Kroaten leben. Rosenheimer Feier-Meister sind die Kroaten jedenfalls schon jetzt. Und das ist nicht allein der deutlichen Überzahl gegenüber den 64 Franzosen in der Stadt geschuldet.

Zwischenfälle, so Thalmeier, habe es am Mittwoch nicht gegeben. „Die Menschen waren sehr friedlich.“ Mit Ausnahme einiger Bengalo-Zündler. Trotzdem: „Wenn es beim Finale genauso läuft, sind wir zufrieden.“

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