Rosenheim – Über 900 alte Obstbäume wurden im Voralpenland in den Jahren 2015 bis 2017 erfasst und die Sorten nach Möglichkeit registriert. Dennoch: Roman Pröll, der im Landratsamt für das Projekt zuständige Fachberater, sprach im Ausschuss von etwa „200 Obstsorten, die niemand kennt“. Mehr über diese zu erfahren und dem bundesweit zu registrierenden Rückgang beim Streuobst entgegenzuwirken, das ist das Ziel des Projekts. Vor dem Kreisausschuss hatte es bereits der Umweltausschuss befürwortet (wir berichteten).
Pröll geht davon aus, dass das Projekt im Februar 2019 starten kann, die Federführung soll beim Landkreis Rosenheim liegen. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 424000 Euro. Ein Anteil von knapp 80 Prozent wird gefördert – aus Mitteln des Naturschutzfonds (65 Prozent) und des Bezirks Oberbayern (10,3 Prozent). Den Landkreis Rosenheim treffen laut Pröll jährliche Kosten von rund 3350 Euro.
Derzeit ist ein Pomologe zur Bestandserfassung unterwegs. Angedacht ist, eine Halbtagsstelle für das Projektmanagement zu schaffen. Mit dieser Information wartete Pröll auf, als der Pruttinger Bürgermeister Hans Loy (CSU) die Befürchtung äußerte, die örtlichen Gartenbauvereine könnten überfordert sein, wenn ihre Mithilfe bei dem Projekt gebraucht werde. Der Verwaltungsmitarbeiter machte auch klar, dass es Grenzen des Machbaren gibt. „Wir werden nicht alle Sorten erhalten können. Das lohnt sich bei vielen gar nicht.“
Für CSU-Fraktionssprecher Felix Schwaller ist das Projekt dennoch „eine wunderbare Sache, die überfällig und nachhaltig ist“. Dieter Kannengießer, Fraktionssprecher der Parteiunabhängigen im Kreistag, wollte wissen, wie es um die Finanzierung bestellt ist, wenn der Förderzeitraum abgelaufen ist. Eine klare Aussage seitens der Verwaltung gab es dazu bei der Sitzung nicht.
Sepp Hofer, Fraktionssprecher der Freien Wähler, trug den Beschluss zwar mit, störte sich aber einmal mehr daran, dass in heimischen Gärten viel Fallobst einfach unbeachtet verfault. Eine Erkenntnis, die August Voit (CSU) durchaus teilt und schmerzt, das Projekt hält allerdings auch er für sinnvoll. „Wichtig ist, dass sich gesunde und resistente Obstsorten herauskristallisieren.“
Stellvertretender Landrat Josef Huber (CSU), der den erkrankten Amtschef Wolfgang Berthaler vertrat, kann auch unbeachtetem und verfaulendem Obst in Gärten noch eine positive Seite abgewinnen. „Es nutzt den Vögeln im Winter. Und selbst wenn es nur zum Humusaufbau dient, haben zumindest die Würmer etwas davon.“ Huber zeigte sich überzeugt, dass das Gremium „eine gute Sache auf den richtigen Weg gebracht hat“. Er wartete im Kreisausschuss auch gleich noch mit einem Vorschlag auf, wie der Landkreis über die Mittelgewährung hinaus zum Erfolg des Projektes beitragen kann. „Wir sollten zu gegebener Zeit prüfen, ob wir bei der Ausweisung von Ausgleichsflächen den Anbau diverser Obstsorten zur Auflage machen können.“