Stau auf der Autobahn

Tagebuch widerspricht Rechnungshof

von Redaktion

100 Tage lang haben Michael Linnerer und seine Mitstreiter den Verkehrsfluss auf der A8 zwischen Bernau und Piding verfolgt. Die Ergebnisse hat der FDP-Landtagskandidat nun in einem Abschlussbericht zusammengefasst. Kernaussage: Es braucht einen sechsspurigen Autobahnausbau.

Raubling – Was für den Stier das rote Tuch ist, ist für den Raublinger und die rund 450 Mitglieder seiner Facebook-Community die Zahl 26. Diese Menge an Stau-Tagen führt der Bundesrechnungshof als Argument gegen die Sinnhaftigkeit eines sechsspurigen Ausbaus der Autobahn München-Salzburg bis zur österreichischen Grenze an (wir berichteten). Das externe Finanzkontroll-Gremium sieht diesen Bedarf lediglich auf dem Abschnitt vom Inntal-Dreieck bis zum Chiemsee. „Nicht nachvollziehbar“, sagen Linnerer und seine Unterstützer. Schließlich kommt ihr Stau-Tagebuch zu einem ganz anderen Ergebnis: hochgerechnet 139 Stau-Tage pro Jahr zwischen Bernau und Piding.

Wie berichtet, haben Linnerer und die Mitglieder seiner Facebook-Gruppe „Stau- Tagebuch A8 – Rosenheim/ Salzburg“ seit Mitte März dieses Jahres an 100 aufeinanderfolgenden Tagen den jeweiligen Spitzenwert der Fahrtdauer auf der Referenzstrecke Bernau-Piding ausgewertet. Regulärer Zeitbedarf: 27 Minuten. Leichter Stau ab 39 Minuten, Stau ab 43 Minuten.

Als Grundlage diente die Verkehrs-Echtzeitmessung von „Google-Maps“, die mittels Schwarmintelligenz Bewegungsdaten von GPS-Geräten auswertet. Zum Vergleich: Das Bayerische Verkehrsministerium erhebt seine Daten mittels Fahrzeug-Zählungen an zwei Messstellen zwischen Inntal-Dreieck und Staatsgrenze. Die Kritik: „Reines Zählen von Autos ermöglicht keine qualitative Aussage zum Durchfluss auf einer Strecke und somit zu Stau-Tagen“, schreibt Linnerer in seinem Abschlussbericht. Grundlage dieser Erkenntnis ist eine Art Experiment vom 17. April: Während „Google-Maps“ einen erheblichen Stau und einen Zeitbedarf von 75 Minuten meldete, war auf www.bayerninfo.de, dem Online-Service des Bayerischen Verkehrsministeriums, von normalem Verkehrsaufkommen und 33 Minuten Zeitbedarf zu lesen. Die Mitglieder der Community, die selbst auf der Strecke unterwegs waren, bestätigten die Daten von „Google-Maps“.

Entsprechend stehen die Ergebnisse der 100-Tage-Erhebung in deutlichem Gegensatz zur Argumentationsgrundlage des Bundesrechnungshofs. Der spricht von fünf Prozent Stau-Tagen, Linnerer und Co. kommen auf 38 Prozent. „Der Bundesrechnungshof verfälscht erheblich die Kosten-Nutzen-Rechnung“, so der Wortlaut in Linnerers Abschlussbericht. Interessant ist auch, dass von den Stau-Tagen allen voran Berufspendler und Berufskraftfahrer betroffen waren – gut 89 Prozent der Stau-Tage fielen auf Wochentage.

Am 31. Juli wird Linnerer seinen Abschlussbericht an die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig übergeben – verbunden mit der Bitte, das Papier an den Bundesrechnungshof weiterzureichen. An den haben Linnerer und seine Mitstreiter nämlich Forderungen: Zum einen soll die Behörde die tatsächlich gemessenen Daten, also 139 Stau-Tage, als Basis für die Bewertung der Kosten-Nutzen-Rechnung zum sechsspurigen Ausbau verwenden und in Zukunft ihre „veraltete Erfassungsmethodik“ ad acta legen. Zudem fordern sie eine Bewertung des Streckenabschnitts der Autobahn München-Salzburg vom Inntal-Dreieck bis zur österreichischen Staatsgrenze als Ganzes. Anhand der erhobenen Daten soll der Bundesrechnungshof ihrer Meinung nach darüber hinaus eine Empfehlung für einen beschleunigten sechsspurigen Ausbau vom Inntal-Dreieck bis zur Staatsgrenze abgeben und den Ausbau des Standstreifens vom Chiemsee bis zur Staatsgrenze nur als Übergangslösung betrachten.

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