Ehemaliger VizeBürgermeister soll Gelder Veruntreut haben

Fähr-Affäre: Anklage erhoben

von Redaktion

Hat Chiemsees ehemaliger Vizebürgermeister Josef Neuer als Führer der gemeindlichen Fähre in die eigene Tasche gewirtschaftet? Dieser Frage ist in den vergangenen Monaten die Staatsanwaltschaft Traunstein nachgegangen. Jetzt wurde Anklage erhoben. Der Vorwurf: Untreue.

Chiemsee – Die Gemeinde Chiemsee setzt sich bekanntlich aus drei Inseln zusammen: Frauen-, Herren- und Krautinsel. Entsprechend erfolgt die Versorgung der Bewohner über den Seeweg. Die Verbindung zwischen Fraueninsel und Festland übernimmt die gemeindliche Fähre „Frauenwörth II“ mit Sitz in Gstadt. Sie befördert Lasten aller Art gegen Entgelt. Fährmann war bis zum vergangenen Jahr der damalige Zweite Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee, Josef Neuer, bis er wegen gesundheitlicher Probleme vorübergehend außer Gefecht gesetzt war.

In seiner Abwesenheit musste der Betrieb notdürftig anders organisiert werden. In diesem Zeitraum, das bestätigte Chiemsees Bürgermeister Georg Huber im Januar im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, seien Unregelmäßigkeiten aufgefallen, die in Neuers Verantwortungsbereich liegen. Daraufhin entband die Gemeinde Neuer von seiner Aufgabe als Fährführer und bestimmte einen Nachfolger. Obendrein wurde die Justiz eingeschaltet. In der Folge nahm die Staatsanwaltschaft Traunstein Ermittlungen gegen Neuer auf – wegen Untreue.

In der Zwischenzeit räumte Neuer seinen Posten als Vizebürgermeister und gab sein Mandat als Gemeinderatsmitglied nach 34 Jahren ab. Die Begründung: Das Vertrauensverhältnis habe sich so verändert, dass er sich nicht mehr in der Lage sehe, im Gremium zum Wohle der Gemeinde zu wirken. Mit dem Verdacht der Untreue, das betonte Neuer damals auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen, habe sein Ausscheiden nichts zu tun. Zu den Vorwürfen hielt er sich bedeckt.

Im Februar dieses Jahres hatte die Staatsanwaltschaft über ihren Pressesprecher Björn Pfeiffer verlauten lassen, dass mit der Entscheidung, ob Anklage erhoben wird, relativ zeitnah zu rechnen sei. Inzwischen ist die Entscheidung gefallen. „Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat gegen Herrn Neuer Anklage wegen Untreue zum Amtsgericht Rosenheim erhoben“, sagt Stefan Tillmann, Pressesprecher am Amtsgericht Rosenheim, auf Nachfrage.

Im Zusammenhang mit der Anklage verweist Neuer auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen auf seinen Rechtsanwalt, Michael Vogel aus Traunstein. „Mein Mandant möchte sich gegen den Vorwurf zur Wehr setzen“, heißt es in einem Antwortschreiben der Kanzlei. „Er hat zu keinem Zeitpunkt gegenüber der Gemeinde Chiemsee fehlerhaft abgerechnet.“ Zudem seien seitens der Gemeinde zu keinem Zeitpunkt fehlerhafte Abrechnungen beanstandet worden. Laut Vogel habe die Staatsanwaltschaft vorgeschlagen, die Angelegenheit ohne Hauptverhandlung durch einen Strafbefehl zu erledigen. Das habe Neuer aber abgelehnt, „da er sich keiner Schuld bewusst ist“, so der Wortlaut im Schreiben des Rechtsanwalts.

Entsprechend werden die Vorwürfe nun im Rahmen einer Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim geklärt. Wann, das ist noch offen. „Ein Termin wurde bislang nicht bestimmt“, sagt der Sprecher des Amtsgerichts.

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