Glosse

Die ungefilterte Wahrheit

von Redaktion

Selten in der gut 163-jährigen Geschichte des OVB stand das Erscheinen einer Ausgabe mehr auf der Kippe, als das der heutigen. Schuld ist ein Trauerfall. Nein, keine Sorge, unseren Redakteuren geht es gut. Viel schlimmer: Unsere mindestens 28 Jahre alte Kaffeemaschine hat nach zwei Jahren im Quasi-Dauerbetrieb den Geist aufgegeben.

Das interessiert doch nicht die Bohne, werden Sie sagen. Doch, sage ich, der sich mit zittrigen Händen und blutunterlaufenen Augen durch den Tag gekämpft hat. Doch, sagen die Koffein-Junkies, die an meiner Seite in die Tasten gehauen und dabei nervös an Kaffeebohnen geknabbert haben, wie Wild-West-Cowboys auf einer Prise Kautabak. Doch, sagen auch einige Freunde des Facebook-Auftritts der OVB-Heimatzeitzungen, die mit uns gelitten haben. Eine, ihren Namen möchte ich an dieser Stelle nicht einfach so – Achtung Wortspiel – ungefiltert nennen, hat sogar angeboten, uns eine Kaffeepad-Maschine vorbeizubringen.

Die Kaffeemaschine mag zwar keine Zeitungsseiten füllen (außer den Platz, den diese Glosse in Anspruch nimmt). Dafür war sie für uns bis zu ihrem Ableben gleichermaßen Energiespender, Schreibblockadenlöser, ja, Lebenselixier-Lieferant. Jetzt schauen wir – wie man so schön sagt – mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Wie ein Auto ohne Sprit, ein Bodybuilder ohne Steroide, ein Schweinebraten ohne Soße.

Warum sich diese Glosse dennoch so wunderbar liest? Warum sie diesem herben Verlust zum Trotz mit so sagenhaft viel Humor ja geradezu besticht? Danken Sie unserem Redaktionssekretariat. In jedem Wort, das Sie hier lesen, steckt mindestens ein Tropfen des koffeinhaltigen Zaubertranks aus deren Kaffeemaschine, der uns zumindest vorübergehend den kalten Entzug erspart. Und dann? Das ist reine Spekulation. Oder: Kaffeesatzleserei.

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