Bad Endorf – Helmut Markwort ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Medienlandschaft. Der Journalist und Medienmanager war 17 Jahre lang Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus und besetzte zahlreiche Führungspositionen in Firmen des Burda-Imperiums. Auf Einladung des Lions-Clubs Bad Endorf sprach er im Kultursaal der Chiemgau Thermen über „Die Macht der Medien“. Club-Mitglied Klaus Müller, den mit Markwort eine 60-jährige Freundschaft verbindet, hatte ihn als Referent gewonnen. Hildegard Dorn-Petersen, die Präsidentin des Lions-Club Bad Endorf, konnte neben Bürgermeisterin Doris Laban zahlreiche Clubmitglieder und interessierte Zuhörer begrüßen.
„Das Rein und Raus ist das große Spiel“, erklärte Markwort. Gerade Politiker würden aktiv um die Aufmerksamkeit der Medien werben, um bekannter zu werden oder ihre Ansichten zu verbreiten. Bei Krisen oder Skandalen werde von ihnen dann aber versucht, den eigenen Namen aus den Schlagzeilen herauszuhalten.
Am Beispiel der „Tagesschau“ skizzierte Markwort, wie die Auswahl der Themen stattfindet. „Der Kampf um die Sendung ist gewaltig“, sagte er. Mehr als 700 Meldungen von Korrespondenten aus der ganzen Welt gingen dort täglich ein. Die Redaktion reduziere diese dann auf lediglich 15 Themen.
Auch wenn sie von seriösen Journalisten angestrebt wird: Markwort betonte, dass es auch in den Qualitätsmedien keine echte Objektivität gebe. Dazu erörterte er die schwierige Aufgabe für Reporter, die Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. Nähe sei grundsätzlich erstrebenswert, um Exklusivgeschichten zu bekommen. Auch vielen Politikern sei daran gelegen, die Medien zu beeinflussen. Sie steckten einem Reporter etwa Hintergrundinformationen zu. Markwort erzählte, dass ihm von einem namhaften Politiker das „Du“ angeboten wurde. „Alle Politiker wissen, wie man die Macht der Medien nutzt“, so der Journalist, der bei der Landtagswahl im Herbst für die FDP kandidiert. „Wenn ich eine tolle Geschichte erfahre, dann schreibe ich die und frage nicht so sehr, ob ich instrumentalisiert wurde“, erklärte er. Allerdings müsse man auch die nötige Distanz wahren.
Markwort betonte die Wichtigkeit des fünften Artikels im Grundgesetz, der unter anderem die Meinungs- und Pressefreiheit sichert. Viele Dinge seien von investigativen Reportern aufgedeckt worden. „Doch man muss auch selbstkritisch auf die Branche schauen“, sagte er. Christian Wulff etwa sei von den Medien regelrecht gejagt worden. Markwort erzählte, dass er von einer einstmals guten Beziehung zwischen dem Politiker und der „Bild“-Zeitung wisse. Als dieser aber ablehnte, sein erstes Interview als Bundespräsident mit der „Bild“ zu führen, sei man laut Markwort dort „stinksauer“ gewesen und habe eine Kampagne gestartet. Das Ende dieser „Hetzjagd“: Wulff musste zurücktreten.
Das Beispiel führte Markwort zu seinem nächsten Thema. Wie er berichtete, seien später Meldungen über Wulffs Ehefrau Bettina im Netz aufgetaucht. Sie sei angeblich eine Prostituierte gewesen. „Doch das stimmte nicht“, so Markwort. Eine klassische Falschmeldung, die sich im Netz so stark verbreitete, dass viele dachten, sie sei wahr. Grundsätzlich sei das Internet eine praktische Sache, Marktwort wies aber auch auf dessen Schattenseiten hin. Während im Impressum einer Zeitung steht, wer für die Inhalte haftbar gemacht werden kann, sei im Netz oft nicht einmal der Verfasser einer Meldung zu erkennen.
Den amerikanischen Präsidenten Donald Trump bezeichnete er als einen Politiker, der die klassischen Medien ganz geschickt umgeht. Er habe zunächst versucht, die Presse-Vertreter –er wusste, dass sie mehrheitlich gegen ihn sind – zu beeinflussen. Nun umgehe er die amerikanische Presse systematisch und habe auf Twitter eine Millionen-Gefolgschaft.
In der anschließenden Diskussion beantwortete Markwort unter anderem auch die Frage nach einem Mittel gegen „Fake News“. – „Je weniger wir Zeitung lesen, desto anfälliger sind wir dafür.“ Für ihn als Journalisten zählte nur eines: Fakten, Fakten, Fakten.