Nach der RekordHitze droht Starkregen

„Unwetter kaum noch kalkulierbar“

von Redaktion

Buschbrände in Kalifornien oder Australien – das kennt man. Aber ein Flammenmeer am Samerberg? Oder ein lichterloh brennender Heuberg? Für viele ein unvorstellbares Szenario. Dann kam der Jahrhundertsommer 2018. Die Rekordhitze ist nicht das einzige Klima-Phänomen, das den heimischen Einsatzkräften Sorgen macht.

Rosenheim – Sorglos entfachte Lagerfeuer, Funkenflug an der Bahnstrecke, aus der Kontrolle geratene Daxenfeuer, wie zuletzt bei Kiefersfelden: Kritische Momente gab es auch in der Region, größere Flächenbrände sind aber zum Glück ausgeblieben – dank des beherzten Eingreifens der Feuerwehren. „Es gab zahlreiche Einsätze wegen der extremen Trockenheit, die meinen Kollegen einiges abverlangt haben“, zieht der Rosenheimer Kreisbrandrat Richard Schrank eine erste Bilanz.

Wie viel Regen können die Böden jetzt aufnehmen?

Zum Wochenende hin soll es etwas kühler werden, mit Gewittern ist zu rechnen. Damit scheint die größte Waldbrandgefahr zwar gebannt, den Wetterbericht verfolgt Schrank dennoch weiterhin mit Sorge. Wenn der Regen nun zu kräftig ausfällt, kann es zu Überschwemmungen kommen. „Die Böden sind jetzt so trocken, dass sie nichts aufnehmen können“, warnt der Kreisbrandrat mit Blick auf die jüngsten Überflutungen in Tirol. Dort haben vor wenigen Tagen schwere Unwetter mit Starkregen den Ort Schnann ins Chaos gestürzt. Eine riesige Wasser- und Schlammwelle wälzte sich durch das Dorf, die Schäden sind enorm.

„Die Unwetter sind heute kaum noch kalkulierbar“, beobachtet Schrank. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) leiste mit seinen Vorhersagen hervorragende Arbeit, doch zu lokalen Zellenbildungen und Unwettern komme es in Minutenschnelle – so wie am letzten Juli-Samstag am Chiemsee geschehen. Zahlreiche Wassersportler waren dort vom Unwetter überrascht worden und in Seenot geraten (wir berichteten).

Die extreme Dürre in Bayern, die Katastrophe von Athen, die Waldbrände in Schweden oder das gestrige Feuer im Nationalpark Berchtesgadener Land haben indessen deutlich gemacht, wie dringlich es auch im Voralpenraum geworden ist, ein Notfallkonzept zur Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden in der Schublade zu haben. Bayern hat als erstes Bundesland 18 Flughelferstandorte für die Waldbrandbekämpfung eingerichtet. Dort gibt es Spezialgruppen, bestehend aus rund 20 ehrenamtlichen Feuerwehraktiven, die vom Staat mit Gerätschaften bis hin zum 5000 Liter fassenden Wasserbehälter für Löschangriffe aus der Luft ausgestattet werden.

„Waldbrand“ am Samerberg

Eine Spezialeinheit hatte bereits im April zusammen mit heimischen Feuerwehrkräften, Polizei, Bundespolizei und Bergwacht den Ernstfall geprobt. „Waldbrand am Samerberg“ titelte unsere Zeitung nach der spektakulären Großübung. Mehrere Helikopter waren über Roßholzen gekreist und hatten tonnenweise Wasser abgeworfen. Wie Schrank betont, werden große Anstrengungen unternommen, um die sogenannten Waldbrand-Kontingente noch effektiver zu machen. Lastenfliegen. Alarmierung, Einrichtung der Einsatzzentrale mit Führungsteam, Löschwasserbekämpfung mit Spezialfahrzeugen und Hubschrauber-Außenlastbehältern, Versorgung mit Gerät aus der Luft, Transport von Personal – ein Rad muss ins andere greifen.

Denn schon ein Blitzschlag kann genügen, um einen ausgetrockneten Wald in Brand zu setzen. Oder eine achtlos weggeworfene Wasserflasche, wie die Ortswehr Rußdorf (Sachsen) in einem viel beachteten Facebook-Post eindrucksvoll demonstrierte (siehe links). Schon nach 15 Minuten löste die Plastikflasche Feuer aus.

Artikel 8 von 11