Rosenheim – NHL-Legende Mario Lemieux nahm ihn mit zum Schwimmen, Guy Carbonneau, ehemaliger Trainer der Montreal Canadiens warf ihn aus dem zweiten Stock seines Hauses in den Pool, Sylvain Lefebvre taufte sogar seine Tochter darin. Und auch Torhüter Philipp Grubauer hat der Stanley Cup, der Siegerpokal der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL, einige neue Erfahrungen zu verdanken: Der 26-Jährige ist der erste deutsche Torhüter und auch der erste Rosenheimer beziehungsweise – wenn es ganz genau geht – Schechener, der die Trophäe gewonnen hat. Und: Grubauer dürfte auch der Erste sein, der den Stanley Cup in bayerischer Tracht in die Höhe gestemmt hat.
Präsentation unweit der sportlichen Heimat
Für Grubauer schließt sich mit der Präsentation gestern im Mangfallpark der Kreis. Nur wenige hundert Meter von der Bühne entfernt begann er einst seine eindrucksvolle Karriere. Von der Laufschule bis in den Herren-Bereich durchlief Grubauer alle Mannschaften der Starbulls, ehe er mit 16 Jahren nach Nordamerika in die Ontario Hockey League und schließlich zu den Washington Capitals wechselte. Er weiß, dass er seinen Werdegang nicht zuletzt dem Rosenheimer Eishockey zu verdanken hat. „Ich hoffe, dass ich heute jedem etwas zurückgeben konnte“, sagte er. Dieser Satz bestätigt, was ihm Dritter Starbulls-Vorsitzender Marcus Thaller attestiert hatte, bevor er ihn zum Starbulls-Ehrenmitglied auf Lebenszeit ernannte: „Er ist auf dem Boden geblieben. Ein super Kerl.“ Das würden wohl auch die Nachwuchsspieler der Starbulls unterschreiben, mit denen sich Grubauer vor seinem Auftritt im Mangfallpark traf.
So ganz realisiert hat Grubauer noch immer nicht, dass er zum erlesenen Kreis der Spieler gehört, deren Namen auf dem 15,5 Kilogramm schweren Pokal aus Silber und Nickel verewigt sind. „Es ist immer noch nicht eingesunken, das ist wie ein Traum“, erzählte er auf der Bühne im Gespräch mit Ex-Torhüter und Moderator Patrick Ehelechner. Dabei war der gestrige bei Weitem nicht erste Tag, an dem Grubauer mit dem Stanley Cup unterwegs war. „Wenn ihn Ovi (Alexander Ovechkin, Kapitän der Washington Capitals, Anm. d. Red.) nicht hatte, dann hatte ich ihn“, sagte Grubauer.
Gestern hatte der 26-Jährige den Pokal erstmals für sich alleine – mal abgesehen vom Stanley-Cup-Bodyguard Philip Pritchard, der die Trophäe seit nunmehr 28 Jahren überall hin begleitet, und gestern Vormittag von Nicklas Bäckström aus Schweden nach Rosenheim brachte. Und von den vielen Fans – vorrangig 20 OVB-Leser und 50 Verlosungsgewinner –, die gestern Fotos mit ihrem Helden und dem Pokal machen durften. Eine Resonanz, die Grubauer sichtlich freute: „Danke, dass so viele gekommen sind, und den Tag für mich so geil machen“, sagte er.
Zugeben, der Empfang in Washington, wo rund 600000 Menschen ihre Capitals frenetisch feierten, hatte eine andere Dimension. Trotzdem war der Tag gestern für den 26-Jährigen etwas ganz Besonderes. Auch, weil sich Grubauer – eigentlich ja Schechener – ins Goldene Buch der Stadt Rosenheim eintragen durfte. „Ihre sportlichen Wurzeln liegen in Rosenheim, ihre familiären in Schechen“, sagte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die Grubauer gemeinsam mit Schechens Rathauschef Hans Holzmeier gratulierte.
Tatsächlich für sich alleine dürfte Grubauer den Stanley Cup dann heute Abend haben – so zumindest seine Hoffnung. Ob er den Pokal wie Ovechkin mit ins Bett nehmen wird? „Da muss ich erst die Herren von der ‚Hall of Fame‘ (die Bewacher des Stanley Cups, Anm. d. Red.) fragen“, sagt er und lacht. Morgen jedenfalls soll die Trophäe das Inntal von oben am Berg sehen – sofern es das Wetter zulässt.
Und dann heißt es Abschied nehmen. Sowohl vom Cup – der zieht morgen gemeinsam mit seinen Bewachern weiter nach Russland zu Teamkollge Evgeni Kuznetsov –, als auch endgültig von den Washington Capitals. Grubauer spielt in der kommenden Saison bekanntlich für die Colorado Avalanche. „Das war jetzt eine Art Abschluss für mich.“ Mit den Capitals, nicht mit dem Pokal. Schließlich kommt Grubauer mit seinen 26 Jahren gerade erst ins beste Torhüter-Alter.