„Darf ich im Himmel Rad fahren?“ Das hat mich vor geraumer Zeit ein kleiner Bub gefragt, und ich habe ihm geantwortet: „Ganz bestimmt!“ Für ihn ist das unbewusst eine Frage danach gewesen, was wir am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele feiern. Gott nimmt uns in sein Leben hinein in der Ursprünglichkeit seiner Schöpfung, in der Einheit von Seele und Leib. All das, wo wir uns eins fühlen mit ihm, mit unseren Talenten, mit dem, wie wir uns mit und für andere einsetzen können im Einklang der Schöpfung, findet seine Vollendung bei Gott.
Was wir mit dem Fest der Aufnahme Marias in den Himmel feiern, ist nicht ein Einzelereignis in der Vergangenheit, sondern die Zusage Gottes für jeden, der für sein Kommen in diese Welt so offen ist wie Maria. Jesus in uns Fleisch und Blut werden lassen, ihm in seiner Liebe zu den Menschen nachfolgen, mit Leib und Seele sich auf seine Nachfolge machen, das führt uns in den Himmel.
Nicht irgendwann einmal, sondern schon jetzt dürfen wir diesen Himmel erahnen und spüren. Wir können ihn spüren, wenn wir uns auf den Weg machen zu einem Wallfahrtsort, wenn wir die Gemeinschaft des Glaubens feiern und teilen, beispielsweise in Taizé, wenn wir die Sehnsucht unseres Herzens anklingen lassen beim Blick auf eine Kerze oder im Staunen über die Wunder der Natur.
Am tiefsten freilich wird die Erfahrung dieser Ganzheitlichkeit dort, wo wir uns nicht zu schade sind im Dienst am Nächsten, wie ihn uns Jesus bei der Fußwaschung zeigt. Ganz bestimmt gilt dies nicht nur für uns Christen, sondern für alle, die sich von dieser Liebe Gottes mit Leib und Seele anstecken lassen.