Rosenheim/Landkreis – Regiert die CSU allein weiter? Wer packt die Fünf-Prozent-Hürde? Das sind zwei Kernfragen, um die sich die Wahl am Sonntag, 14. Oktober, dreht.
Aber warum gibt es gleich zwei Rosenheimer Stimmkreise? Warum gehören Feldkirchen-Westerham und Bad Feilnbach zum Stimmkreis Miesbach? Was ist der Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme? Diese Fragen beantworten die OVB-Heimatzeitungen schon jetzt.
Bei der Landtagswahl bildet jeder der sieben bayerischen Bezirke (Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Schwaben, Oberfranken, Unterfranken, Mittelfranken) einen sogenannten Wahlkreis. Die Wahlkreise wiederum sind unterteilt in insgesamt 91 Stimmkreise.
91 schaffen es direkt, 89 über die Liste
So werden von 180 Abgeordneten im Parlament 91 direkt mit der Erststimme in den 91 Stimmkreisen und 89 mit der Zweitstimme über die Bezirkslisten in den sieben Wahlkreisen gewählt.
Aus Gründen der Wahlgerechtigkeit umfasst jeder der 91 Stimmkreise im Schnitt 125000 Einwohner. Weil in Stadt und Landkreis Rosenheim seit Jahrzehnten deutlich mehr Menschen leben, wurden sie in zwei Stimmkreise geteilt: Ost (inklusive Rosenheim) und West. Aufgrund des anhaltenden Zuzugs in der Region – inzwischen wohnen in Stadt und Landkreis Rosenheim fast 320000 Einwohner – kamen die Gemeinden Bad Feilnbach und Feldkirchen-Westerham 2003 zum Stimmkreis Miesbach. Die sogenannte Stimmkreisreform begleiteten heftige Proteste, aber Günther Beckstein, damals Ministerpräsident, blieb eisern – und so machen die rund 19000 Bürger in Feldkirchen-Westerham und Bad Feilnbach auch diesmal ihre Kreuzerl bei den Miesbacher Erststimmenkandidaten.
Für rund 210000 Wahlberechtigte in den zwei Rosenheimer Stimmkreisen geht es neben der Sitzverteilung im Landesparlament auch darum, welche „Rosenheimer“ Kandidaten in den nächsten fünf Jahren ihre Interessen in München vertreten. Derzeit sind dies die drei CSU-Abgeordneten Ilse Aigner (Feldkirchen-Westerham), Klaus Stöttner (Prutting) und Otto Lederer (Tuntenhausen), die alle erneut antreten.
Um die zwei Rosenheimer Direktmandate bewerben sich diesmal 24 Kandidaten – jeweils zwölf in den Stimmkreisen West und Ost. Das sind vier mehr als bei der letzten Landtagswahl im Herbst 2013. Die zwei Stimmkreissieger mit den meisten Erststimmen ziehen direkt ins Parlament ein – vorausgesetzt ihre Partei packt die Fünf-Prozent-Hürde.
29 Listenmandate
für Oberbayern
60 der 180 Landtagsmandate fallen auf Oberbayern, den bevölkerungsstärksten und wichtigsten Wahlkreis. Die 31 Erststimmengewinner in den 31 oberbayerischen Stimmkreisen werden direkt ins Parlament gewählt. Somit bleiben 29 Sitze für weitere 29 Bewerber, die den Sprung in den Landtag über die oberbayerische Wahlkreisliste ihrer Partei schaffen können.
Der Wähler muss bei der Vergabe seiner Zweitstimme die festgelegte Reihenfolge auf der Wahlkreisliste Oberbayern nicht beachten. So kann er mit seinem Kreuz einen Kandidaten nach vorne oder hinten wählen. Als Faustregel gilt jedoch: Je weiter der Bewerber in der Wahlkreisliste Oberbayern vorn ist, umso größer sind seine Chancen auf ein Mandat.
Vier „Rosenheimer“ Spitzenkandidaten
Deshalb rechnen sich neben Seriensieger Klaus Stöttner (seit 2003 im Landtag) und Otto Lederer (seit 2013), die auch diesmal klare Favoriten sind, zahlreiche weitere Rosenheimer Kandidaten gute Chancen aus. Denn gleich vier oberbayerische Spitzenkandidaten kommen diesmal aus dem Kreis Rosenheim, davon drei aus einer Gemeinde: Staatsministerin Ilse Aigner und Franz Bergmüller (AfD) wohnen in Feldkirchen-Westerham, Martin Hagen (FDP) ist dort aufgewachsen. Florian Weber aus Bad Aibling steht auf Platz 1 der Wahlkreisliste der Bayernpartei.
Hinzu kommen mehrere heimische Bewerber mit einstelligen Plätzen auf der Bezirksliste, darunter der Rosenheimer JU-Bezirksvorsitzende Daniel Artmann auf Platz 9 der CSU-Liste.