Masskrug-Aktion der OVB-Heimatzeitungen

Was unsere Politiker wirklich stemmen können

von Redaktion

Beim Masskrug-Stemmen auf Einladung der OVB-Heimatzeitungen zeigten die Landtagskandidaten von CSU, SPD, Freien Wählern, Grünen, FDP, Bayernpartei, AfD, ÖDP und Piraten, dass sie starke Vertreter ihrer Parteien sind. Und selbst in Wahlkampfzeiten die Politik nicht bierernst nehmen – nicht einmal im Auerbräu-Biergarten auf dem Herbstfest.

Rosenheim – Nur vier der 20 geladenen Landtagskandidaten – Franz Bergmüller (AfD), Christian Peiker und Klaus Weber von den Linken sowie Profesor. Dr. Hartmut Ernst von den Piraten – waren der Einladung auf die Wiesn nicht gefolgt. Alle anderen bewiesen Mut zum Risiko: Denn keiner wusste, welche Gaudi ihn erwartete. Die OVB-Redaktion hatte im Vorfeld nur eins verraten: Die beiden Direktkandidaten in den Stimmkreisen Rosenheim West und Ost müssen in einem Wettkampf antreten, der Politik und Herbstfest verbindet. „Eine Art Gladiatorenkampf?“, vermutete Leonhard Hinterholzer von den Grünen. Sein Vorschlag – „raufen wir es aus“ – stieß zwar auf großes Gelächter, musste jedoch zur Erleichterung von Florian Weber von der Bayernpartei am Mittagstisch in der Auerbräu-Festhalle nicht in die Tat umgesetzt werden. „Ich bin bei allen sitzenden Disziplinen dabei, wenn es sportlich wird, muss der Helmut ran“, übergab Weber nach einer letzten Prise Schnupftabak zur Beruhigung der Nerven die Verantwortung schnell an seinen Parteikollegen Freund.

Andrea Hagenauer legte mit 13 Krügen die Messlatte vor

Andrea Hagenauer, Bedienung bei Auerbräu, zeigte den Wettkämpfern, worum es ging: möglichst viele Masskrüge stemmen und mit ihnen eine Runde um den Stehtisch des Wiesntreffs im Biergarten absolvieren – ohne viel des süffigen Gebräus aus dem Glas zu pritscheln. 13 Krüge schafft die 34-Jährige auf einmal – ein kleines Wunder angesichts der zierlichen Figur der Fischbachauerin mit dem blonden Pferdeschwanz, die so gar nicht dem Klischee einer kräftigen Festzeltbedienung entspricht. Doch es komme nicht unbedingt auf Muckis, sondern eher auf die richtige Technik an, erläuterte Andrea Hagenauer den Landtagsdirektkandidaten: „Ineinanderschieben und stapeln“, heißt das Patentrezept der Verwaltungsfachangestellten, die heuer im sechsten Jahr in der Auerbräu-Festhalle bedient.

Die Kandidaten, die auf ihren Spuren wandelten, mussten jedoch noch eine Zusatzaufgabe stemmen: Denn das OVB hatte die Krüge mit Banderolen umspannt, auf denen politische Themen standen: Jetzt hieß es bei der Auswahl der Krüge Prioritäten setzen – eine politische Alltagstugend.

Ihr Können in diesem Bereich mussten – naturgemäß – vor allem die beiden reinen Frauenteams beweisen. Die SPD und die Freien Wähler haben in der Region Rosenheim jeweils zwei weibliche Direktkandidaten für den Landtag nominiert. „Des pack ma“, gab Mary Fischer, Freie Wähler, selbstbewusst als Kommando aus. Die Mehrzahl der Bedienungen auf der Wiesn sei schließlich auch weiblich. Nur vier der 13 Krüge, die Andrea Hagenauer vorgelegt hatte, ließ die Rimstingerin stehen. Bei ihrer Runde um den Thekentisch geriet sie zwar kurz gefährlich in Rückenlage, bewältigte die Aufgabe – angefeuert von Parteikollegin Christine Degenhart – jedoch mit Bravour. Auch die SPD-Kandidatinnen ließen sich nicht unterkriegen: Britta Promann musste sieben Krüge stehen lassen („mehr schaff ich wirklich nicht“). Sie absolvierte die Ehrenrunde, unterstützt von Alexandra Burgmaier, dafür wie eine Königin dahinschreitend mit erhobenem Haupte.

Schnell waren sich die meisten Teams einig, welche Krüge sie aussortieren. Die CSU, vertreten durch die Landtagsabgeordneten und -kandidaten Otto Lederer und Klaus Stöttner, hatte anders als viele andere Parteien nicht die Qual der Wahl: Lederer packte sich zwölf der 13 Krüge: Nur der, der dem Thema Klimaschutz gewidmet war, blieb stehen. Lederer erntete für diese Kraftanstrengung fairen Applaus des politischen Gegners.

Schwerer tat sich Leonhard Hinterholzer von den Grünen, der sich elf Krüge vor die Brust nahm – und gemeinsam mit Parteikollege Martin Knobel um jedes Thema rang. Die beiden ließen sich Zeit mit der Entscheidung und debattierten engagiert, was SPD-Kandidatin Alexandra Burgmaier zu einer kleinen Spitze verführte: „Wenn jeder so herumscheißelt, kommen wir heute nicht mehr zu einer Brotzeit.“

Dr. Olaf Krüger von der Piratenpartei hatte keinen Partner für Diskussionen. Er musste als Alleinunterhalter antreten. „Das stemmen wir“, feuerte er sich halt einfach selber an – und lief gleich mit zehn Krügen eine Ehrenrunde für seinen fehlenden Parteikollegen mit. Ludwig Maier von der ÖDP nahm die Herausforderung an und ließ ebenfalls nur drei Krüge stehen. Mit zehn lagen auch Andreas Winhart (AfD) und Helmut Freund von der Bayernpartei im guten Durchschnitt der Herrenteams. Martin Hagen von der FDP stemmte neun Krüge.

Damit qualifizierte er sich allerdings nicht beim Talentscout des Tages, Festwirt Andreas Schmidt, der mit den Leistungen beim Schnellkurs im Masskrug-Stemmen sehr zufrieden war. „Alle, die mehr als zehn geschafft haben, können sich bei uns bewerben“, gab er gemeinsam mit Tilo Ruttmann und Thomas Frank von der Auerbräu-Geschäftsleitung als Motto aus. Naturtalent Otto Lederer freute sich sichtlich über das Jobangebot: Jetzt könne er der Landtagswahl ganz gelassen entgegen schauen, betonte er grinsend.

Wie bei einem richtigen bayerischen Wettkampf folgte auch diesmal auf die Praxisprüfung der Theorieteil. Alle Direktkandidaten füllten einen OVB-Fragebogen aus mit drei Bitten um Stellungnahmen zum wichtigsten Fest der Region, der Wiesn.

Die Antworten lesen Sie auf der nächsten Seite. Weitere Bilder und Videos finden Sie auf www.facebook.com/ovb.heimatzeitungen.

Klimaschutz kein Topthema mehr

Beim Wettkampf zeigte sich, dass ein Thema mehr und mehr in den Hintergrund rückt: der Klimaschutz. Nur Grüne und ÖDP sortierten den Masskrug, der sich dieser Thematik widmete, verständlicherweise nicht aus. Auch die ÖPNV-Förderung steht nicht so sehr im Fokus, wie man es angesichts der bekanntlich schlechten Busverbindungen in der Region vermutet hätte. Vielleicht vertrauen die Kandidaten darauf, dass das in Auftrag gegebene ÖPNV-Gutachten Ergebnisse liefern wird. duc

Aussortiert und priorisiert

13 Themenkrüge hatte die OVB-Redaktion ausgewählt: Asylpolitik, Digitalisierung, Familienpolitik, Infrastruktur (Brennerbasistunnel, A8-Ausbau), Innere Sicherheit, Klimawandel, Landwirtschaft, ÖPNV, Pflegenotstand, Schule und Bildung, solide Finanzen, Tourismus und Wohnungsbau.

Die Ergebnisse der Wettkämpfer:

CSU: Otto Lederer, zwölf Krüge, aussortiert: Klimaschutz.

SPD: Britta Promann, sechs Krüge, aussortiert: Klimaschutz, Schule und Bildung, Asylpolitik, Digitalisierung, Landwirtschaft, solide Finanzen, Innere Sicherheit.

Grüne: Leonhard Hinterholzer, elf Krüge, aussortiert: Innere Sicherheit, Familienpolitik.

Freie Wähler: Mary Fischer, neun Krüge, aussortiert: Klimaschutz, solide Finanzen, Asylpolitik, Innere Sicherheit.

FDP: Martin Hagen, neun Krüge, aussortiert: ÖPNV, Klimaschutz, Tourismusförderung, Infrastruktur .

Bayernpartei: Helmut Freund, zehn Krüge, aussortiert: Klimaschutz, ÖPNV, Asylpolitik.

AfD: Andreas Winhart, zehn Krüge, aussortiert: Klimaschutz, ÖPNV, Digitalisierung.

ÖDP: Ludwig Maier, zehn Krüge, aussortiert: Digitalisierung, Tourismus, innere Sicherheit.

Piratenpartei: Dr. Olaf Krüger, zehn Krüge, aussortiert: Familienpolitik, Klimaschutz, Wohnungsbau. duc

Artikel 1 von 11