Rosenheim – Sorgen bereiten die aktuellen Zahlen vom Arbeitsmarkt der Agentur nicht. Im jüngsten Bericht spricht sie von einem für diese Jahreszeit „üblichen Anstieg“. Neben der Stadt und dem Landkreis Rosenheim ist die Agentur auch für die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wofratshausen zuständig. Zwei Gründe hält Michael Vontra, stellvertretender Agenturleiter, für ausschlaggebend für die aktuelle Entwicklung. Wegen der Ferienzeit in Bayern seien viele Personalentscheider in Urlaub, deswegen komme es nur vereinzelt zu Neueinstellungen. Wie alle Jahre hätten sich außerdem viele Jobsuchende im Alter unter 25 Jahren nach dem Schul- oder Ausbildungsabschluss erst einmal arbeitslos gemeldet.
In der Stadt Rosenheim ist die Beschäftigungslosigkeit im Berichtszeitraum bis zum Stichtag am 13. August im Vergleich zum Juli um 0,3 Prozentpunkte gestiegen – von 3,9 auf 4,2 Prozent. Im August des Vorjahres lag die Quote bei 4,7 Prozent. Im Landkreis stieg die Arbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum von 2,1 auf 2,3 Prozent. Die Statistik wies im August 2017 dagegen noch 2,5 Prozent aus.
Vontra gibt sich optimistisch, „dass der Arbeitsmarkt wieder aufnahmefähig ist“. Seinen Optimismus führt er unter anderem auf „die sehr positive Entwicklung der Anzahl der zu besetzenden Stellen“ zurück. Sie unterstreiche die Dynamik des regionalen Arbeitsmarktes. Seit Jahresbeginn haben die Betriebe im Agenturbezirk 9620 offene Stellen gemeldet, 580 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres im September legt die Agentur ein besonderes Augenmerk auf den Lehrstellenmarkt. Noch immer haben nicht alle Jugendlichen eine passende Lehrstelle gefunden. „Auch einige Betriebe suchen noch händeringend nach dem richtigen Bewerber“, weiß Vontra. Am 13. August registrierte die Arbeitsagentur 460 Bewerber, die noch keine Lehrstelle hatten. Ihnen stehen 1150 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. Die meisten Angebote gibt es noch im Bereich Verkauf (260), in der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung (120) sowie in den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen (100).
„Wir stellen wie schon in den Vorjahren aufgrund des guten Ausbildungsmarktes fest, dass einige Jugendliche sehr lange gewartet haben, bis sie sich überhaupt beworben haben“, sagt der stellvertretende Agenturleiter. Jetzt bemerkten sie, dass die Bewerbungsfrist in einigen Betrieben längst abgeschlossen ist. Wegen des bekannten Mangels an Nachwuchskräften seien viele Jugendliche nicht mehr bereit, sich um eine Lehrstellen-Alternative zu bemühen, wenn es mit dem Wunschberuf nicht klappt. Sie wollten nur ihre „Traumlehrstelle“ antreten. Außerdem gebe es Schulabgänger, die sich in den vergangenen Jahren nicht um eine betriebliche Ausbildung bemüht hätten und jetzt auf die Arbeitsagentur zukämen. „Seid bei der Berufs- und Betriebswahl sowie beim Arbeitsweg flexibel“, appelliert Vontra an die Jugendlichen.
Wer bei der Suche nach einer Lehrstelle Hilfe benötigt, kann sich unter der kostenlosen Servicenummer 0800/4555500 oder per Mail an Rosenheim.berufsberatung@arbeitsagentur.de an die Arbeitsvermittler wenden und einen Termin bei der Berufsberatung vereinbaren. An zwei Tagen – Montag, 3. September, und Donnerstag, 6. September – bietet die Arbeitsagentur auch eine Beratung in ihren Räumen in Rosenheim für Bewerber an, die keinen Termin haben. Die Experten stehen an diesen Tagen zwischen 8 und 12 Uhr sowie zwischen 13 und 16 Uhr für die Jugendlichen zur Verfügung.
Auch an die Betriebe appelliert der stellvertretende Agenturleiter, Jugendlichen eine Chance zu geben. „Es gibt wieder Beispiele, dass sich junge Menschen, die in der Schule nicht so glänzen konnten, im Betrieb sehr positiv entwickeln.“ Vontra erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die Arbeitsagentur bei Bedarf auch die Kosten für Nachhilfeunterricht oder ausbildungsbegleitende Hilfen für Lehrlinge übernehme.