Rosenheim – „Abbruch eines Gebäudes und Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses – Vorbescheid, Ludwigsplatz 23-25“, heißt es nüchtern unter Punkt vier auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses in Rosenheim. Doch dahinter steckt ein Vorhaben mit Brisanz. Denn es geht um das 1812 erbaute Schuhhaus, heute das größte zwischen München und Salzburg und in sechster Generation von der bekannten Rosenheimer Kaufmannsfamilie Reindl geleitet.
Jetzt soll das Gebäude mit dem markanten Schieferdach abgerissen und neu erstellt werden. Mehr ist bisher nicht bekannt. Baubewerber Karl-Georg Reindl möchte auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen derzeit nicht Stellung zu Details des Vorhabens nehmen. Er verweist auf die öffentliche Sitzung im Rathaus am Donnerstag, 20. September (17 Uhr).
Eins steht jedoch schon jetzt fest: Das Vorhaben sorgt für Gesprächsstoff – auch, weil eine höhere Bebauung als bisher befürchtet wird. Dann könnte die Blickbeziehung auf das Mittertor, einziges noch erhaltenes Stadttor von Rosenheim, gestört werden, heißt es.
Die Spekulationen in der Bürgerschaft widmen sich vor allem der Frage, ob es überhaupt möglich ist, ein Gebäude aus dem Ensembleschutz des Areals herauszunehmen. Das Haus Ludwigsplatz 23 bis 25 steht zwar als Einzelobjekt nicht in der Denkmalliste. Es gehört aber zum Äußeren Markt – einer Neustadt, die während der Blütezeit Rosenheims als Handelsplatz im Spätmittelalter entstanden ist und heute unter Ensembleschutz steht. Das Schuhhaus Reindl ist deutlich niedriger als die umgebenden Bürgerhäuser am Ludwigsplatz. Markantestes Gebäude in diesem Areal ist zweifelsohne das Mittertor, das am häufigsten fotografierte Denkmal der Stadt und Sitz des Städtischen Museums.
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