Martin Hagen (FDP) über die Zitterpartie, Oppositionsarbeit und die Bürosuche
„Es gab kein Halten mehr“
Rosenheim – Während bei CSU, Grünen, AfD, Freien Wählern und SPD schon nach der ersten Hochrechnung gegen 18 Uhr Klarheit herrschte, musste die FDP bis spät in die Nacht um den Einzug in den Bayerischen Landtag bangen. Wie er den Wahlabend erlebt hat, erzählt FDP-Spitzenkandidat und Kandidat für den Stimmkreis Rosenheim-Ost, Martin Hagen, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Herr Hagen, haben Sie beim Hausmeister des Maximilianeums schon wegen eines Büros angefragt?
(lacht) Nein, wir werden am Mittwoch die Fraktionen konstituieren. Die meisten FDP‘ler, die nun in den Landtag einziehen, sind wie ich Neulinge. Wir werden uns erst einmal ansehen, wie das da organisatorisch vonstatten geht.
Sie mussten am Wahlabend lange bangen. Wann hatte es sich ausgezittert?
Um 1.15 Uhr wussten wir, dass es reichen wird. Zu diesem Zeitpunkt standen wir bei 5,0 Prozent. Mit Moosach und München Land Nord standen noch zwei Stimmkreise aus, in denen wir eher stärker sind, es konnte also nur nach oben gehen.
Und dann?
...gab es kein Halten mehr. Das war in etwa vergleichbar mit einer Fußballmannschaft, die in der Verlängerung gewinnt. Umso schöner.
Wie haben Sie die Stunden zuvor erlebt?
Schon bei der ersten Prognose, bei der wir auf 5,0 Prozent kamen, wussten wir, dass es ein langer Abend wird. Ich hatte nicht groß Zeit mir einen Kopf zu machen, man wird da von Interview zu Interview durchgereicht. Größer war die Anspannung dann nach Mitternacht bei der Wahlparty.
Haben Sie sich inzwischen ausgeschlafen?
Nein, das wird ein 48-stündiger Dauermarathon. Ich habe eine Stunde geschlafen, bin dann zur Bundespressekonferenz mit Christian Lindner nach Berlin geflogen. Später geht es wieder zurück nach München: Sitzungen.
Im Vergleich zur Landtagswahl 2013 hat die FDP um 1,8 Prozent zugelegt. Wie viel davon ist Martin Hagen?
Ich möchte das nicht auf meine Person herunterbrechen. Natürlich steht der Spitzenkandidat immer mehr im Fokus, das war aber eine Teamleistung. Michael Linnerer hat zum Beispiel in Rosenheim-West ein super Ergebnis geholt. Noch deutlicher ist der Erfolg der FDP übrigens in absoluten Zahlen: Im Vergleich zu 2013 haben wir die Zahl der Gesamtstimmen um 70 Prozent gesteigert.
Wie bewerten Sie das Gesamtergebnis der Landtagswahl?
Wir haben tektonische Verschiebungen. Die Volksparteien wurden abgestraft, sie haben zusammen rund 20 Prozent verloren. Das ist auch ein Misstrauensvotum der Wähler gegen die Große Koalition. Und die AfD wird die demokratischen Kräfte vor Herausforderungen stellen. Wir haben jetzt eine vielfältige Opposition, darauf freue ich mich.
Dieser Opposition wird die FDP als kleinste Fraktion angehören...
Wir werden für eine Koalition nicht gebraucht. Der Wählerauftrag heißt Opposition. Da hat bislang ohnehin eine liberale Stimme gefehlt.
Wie wollen Sie die Oppositionsarbeit angehen?
Wir wollen Alternativen aufzeigen und den Finger in die Wunde legen. Ich gehe davon aus, dass die CSU und die Freien Wähler die Regierung stellen werden. Mit den Freien Wählern wird es schwierig Infrastrukturprojekte umzusetzen, sei es die Stromtrasse Suedlink oder die dritte Startbahn für den Münchner Flughafen. Da sind die Freien Wähler ja dagegen. Interview: Bastian Huber