Die Nachbeben der Landtagswahl werden bei den großen Verlierern noch lange anhalten. Viel zu gravierend ist auch in der Region die Langzeitwirkung der dramatischen Stimmenverluste für SPD und CSU. Da können sie nach der Analyse nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Georg Bamberg warnte seine Partei bereits nach ihrem beschämenden Hickhack zu Beginn des Jahres um eine Regierungsbeteiligung in Berlin eindringlich vor einer „Verzwergung“ – mit Blick auf den Freistaat vergeblich. Die Genossen haben sich hier vom Niveau einer Volks- hin zu einer Splitterpartei entfernt. Ein schleichender Prozess über Jahre hinweg endete am Sonntag in einem beispiellosen Debakel, von dem sich die SPD so schnell nicht erholen wird.
Wenn es auch um die CSU bei Weitem nicht so schlimm steht wie um die Genossen, trifft sie die Wählerwatschn ebenfalls ins Mark. Beide Parteien müssen ihren politischen Kompass neu justieren, um eine weitere Talfahrt zu stoppen. Für die CSU bedeutet dies, ihr wertkonservatives Profil deutlich zu schärfen und bei der anstehenden Regierungsbildung auf keinen Fall mit den Grünen zu flirten. Sie muss sich zudem viel offensiver von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Politikfeldern abgrenzen, auf denen diese einen Schlingerkurs fährt. Das gilt nicht nur für die Flüchtlingspolitik. Die SPD wird jene in ihren Reihen gewaltig einbremsen müssen, die mit ihrem steten Schielen nach links ihre einstigen Wähler aus dem bürgerlichen Lager in Scharen vertreiben.
Ein Heilungsprozess schließt eine personelle Erneuerung an der Basis nicht aus. Hier ist die CSU vom Angebot her eindeutig im Vorteil gegenüber den Genossen. Nicht nur deshalb, weil sie mit Daniel Artmann ein Ass im Ärmel hat, dessen großer Wert für die Partei sich in seiner Gänze erst noch zeigen wird. Wer wie er Mut, eine aufrechte Haltung, klare Worte und Anstand in der Politik verkörpert, auf den kann niemand beim Gestalten der Zukunft verzichten.