In diesem Waldstück bei Holzmann haben Kinder im November 2017 die Frauenleiche entdeckt. Foto Ess
Altenmarkt/Schnaitsee – Dieser Fall, der in seinen Details selbst Hartgesottenen Schauer über den Rücken jagt, sorgt nun bereits zum dritten Mal für Aufsehen: Seit Mitte September galt das Opfer als vermisst, Anhaltspunkte für ein Gewaltverbrechen sah die Polizei damals nicht. Beamte überprüften sämtliche Anlaufadressen und suchten die Alz ab. Sogar ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz – erfolglos. Die Suche nach der vermissten Frau wurde schließlich eingestellt.
Zum zweiten Mal in aller Munde war das Verschwinden der 53-Jährigen rund zwei Monate später. Blieben die Suchaktionen auch erfolglos, brachte Mitte November eine Gruppe spielender Kinder Bewegung in die Ermittlungen. Zufällig. Beim Spielen am Waldrand machten sie einen grausamen Fund, der an ein Horrorfilm-Klischee erinnert: eine Hand, die aus dem Erdreich ragt. Eines der Kinder verständigte daraufhin seinen Vater, der rief die Polizei. Die Ermittler kamen relativ schnell zu der Überzeugung, dass es sich beim Tod der Frau um ein Gewaltverbrechen handelt. In den Fokus rückte der damals 20-jährige Sohn des Opfers, der das Tatgeschehen wenig später einräumte.
Laut Anklageschrift war zwischen dem Angeklagten und seiner psychisch erkrankten Mutter Streit um ihre finanzielle Situation ausgebrochen. Er wollte darüber sprechen, sie weigerte sich und ergriff schließlich die Flucht nach draußen. Das habe der Angeklagte unter Anwendung von Gewalt zu verhindern versucht. Auch um Hilfeschreie zu unterdrücken, soll er seine Mutter rund zwei Minuten lang gewürgt haben. Als sie bewusstlos war, habe er sie zurück ins Haus gebracht. Dort habe er über weitere Schritte nachgedacht.
Da er laut Anklage Zweifel an der Rettung seiner Mutter hegte und eine Konfrontation mit der Polizei fürchtete, verzichtete er auf die Alarmierung des Rettungsdienstes. Stattdessen beschloss er, die 53-Jährige zu töten – zunächst per Genickbruch durch Drehungen des Kopfes. Als das scheiterte, wollte er sie mit einem Hammer erschlagen. Auch dieser Versuch schlug fehl.
Per Textnachricht bat er einen Bekannten, einen heute 20-Jährigen aus Trostberg, um Hilfe. Der im Prozess mitangeklagte junge Mann musste sich ob des Anblicks, der sich ihm bei seiner Ankunft bot – Blutspuren im Haus und die röchelnde, zum Teil in Plastik verpackte Mutter –, zunächst hinlegen. Später, die 53-Jährige war inzwischen verstorben, trafen die beiden Vorkehrungen zur Entsorgung der Leiche. Zunächst packten sie den Körper weiter in Plastikfolie ein, dann luden sie ihn in ein Fahrzeug und suchten im Landkreis Traunstein nach einer geeigneten Stelle zur Ablage der Leiche. Fündig wurden sie schließlich in Schnaitsee, wo sie die Leiche vergruben. Dann kehrten sie ins Haus zurück, um den Tatort zu reinigen.
Der Prozess gegen den 21-Jährigen und seinen 20-jähriger Helfer beginnt um 9 Uhr. Angeklagt sind sie wegen gefährlicher Körperverletzung, schwerer Körperverletzung und Mord beziehungsweise wegen Strafvereitelung und unterlassener Hilfeleistung.