Rosenheim – Mehr als 7300 Tage liegt die Gründung der Stiftung des Landkreises Rosenheim für Menschen mit Behinderung nun zurück. An jedem einzelnen dieser Tage lagen Tränen und Freude eng beieinander. Beim Jubiläumsabend im Landratsamt stand ganz klar Letztere im Fokus – das wurde gleich zu Beginn deutlich. Das ABM-Orchester der Stiftung Attl, ABM steht für Attler Bunte Mischung, eröffnete die Feier mit dem Lied „Auf uns“ von Andreas Bourani.
In seinem Grußwort betonte stellvertretender Landrat Josef Huber, wie wichtig die Stiftung für den Landkreis sei. „Sie leistet unbürokratisch und einfach Hilfe, wo sie benötigt wird.“ Bei Menschen in schwierigen Lebenslagen, die das Schicksal schwer getroffen hat, und vor allem dort, wo andere Träger nicht zum Einsatz kommen. Er dankte allen Gründungsmitgliedern, vor allem „dem Soziallandrat der letzten Jahrzehnte“, Dr. Max Gimple.
Es habe sich zwar viel getan in den vergangenen 20 Jahren, es sei jedoch noch mehr möglich. Stiftungsratsvorsitzender Hans Loy hofft, dass Barrierefreiheit in den kommenden 20 Jahren zur Selbstverständlichkeit wird. Das Ziel des Sozialministeriums, dass der Freistaat bis 2023 vollständig barrierefrei ist, hält er jedoch für wenig realistisch. Der Landkreis will jedenfalls seinen Teil zu dessen Erreichen beitragen. Huber sicherte die Unterstützung für weitere Jahre zu. Schließlich sei eine derartige Stiftung auf Spenden angewiesen – bei der heutigen Zinslage mehr denn je.
Zu Gast waren auch drei junge Menschen, denen die Stiftung in jüngster Zeit geholfen hat, und ein Hund. Buffy, eine dreijährige Labrador-Hündin, lebt seit elf Monaten bei Jonas Müller und seiner Familie. Jonas ist Autist. Als seine Mutter Tanja im Internet recherchierte, wurde sie auf die Assistenzhunde aufmerksam. Die Stiftung übernahm rund zwei Drittel der Ausbildungskosten für Buffy. Das habe sich gelohnt: Jonas sei mittlerweile viel ruhiger und traue sich wesentlich mehr zu, erzählte seine Mutter. „Die ganze Familie ist entspannter. Ich hätte nie gedacht, dass ein Hund so viel bewirken kann.“
Georg Hundhammer berichtete leidenschaftlich von seiner Errungenschaft: ein schwarzes Liegerad – ebenfalls von der Stiftung bezahlt. Der 16-Jährige fährt damit am liebsten ums Haus oder über die Feldwege – aber nicht zur Arbeit. „Das ist zu weit“, sagte er mit einem Lächeln. Hundhammer wohnt zwischen Großkarolinenfeld und Bad Aibling, in Attl absolviert er gerade das erste von zwei Berufsbildungsjahren. Diese Zeit dient eigentlich der beruflichen Orientierung. Er weiß aber schon, was er werden will: Koch in der Attler Großküche.
Dritter Gast war Pascal Nagels. Der 36-Jährige aus Bad Aibling ist mehrfacher Teilnehmer bei den Special Olympics in Deutschland und gewann zuletzt bei den Austragungen in Kiel im Mai eine Gold- und eine Bronzemedaille im Bowling. Zuvor war er als Basketballer erfolgreich und holte 2011 mit seiner Mannschaft bei den Sommerspielen in Athen die Silbermedaille. Inzwischen pfeift er Spiele der Handicap-Basketballer in der Region. Die Kosten, die für Bahntickets, Verpflegung und Unterkunft anfallen, übernimmt die Stiftung.
„Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärte Stiftungsratsvorsitzender Hans Loy und fügte mit einem Augenzwinkern an: „Wer nicht weiß, wohin mit seinem übrigen Geld, der kann sich gerne an uns wenden.“