Kabel strapaziert Geduldsfaden

von Redaktion

Im schlimmsten Fall müssen die Frasdorfer und Wildenwarter den Anblick noch sieben Monate ertragen, im besten Fall drei: Das Telefonkabel, das seit über zwei Jahren an der St. 2093 auf Eingrabung wartet (wir berichteten), baumelt erst mal weiter in luftiger Höhe – am Wegkreuz.

Frasdorf – Florian Bauer, Besitzer des Grundstücks, auf dem besagtes Wegkreuz steht, schert sich nicht mehr um das offen in der Landschaft liegende Telefonkabel. Denn: „Man gewöhnt sich an alles“, sagt er. Über den Anblick der Zuleitung bei Schneefall kann er sich sogar amüsieren. „Eine überzuckerte Schlange“, stellte er jüngst fest.

Das Kabel windet sich sinnbildlich wie ein Reptil durch die Wiesenlandschaft bis zu einem Wegkreuz, um das es Telekom-Techniker mehr oder weniger dekorativ gewickelt haben. Noch im Frühjahr hatte es geheißen, das Kupferkabel werde um diese Zeit eingegraben. Der Zielort war und ist letztendlich das Straßenbankett.

Darin hätte das Kabel bereits im Zuge der Sanierungsarbeiten an der Staatsstraße 2093 zwischen Frasdorf und Wildenwart samt Geh- und Radweg im November 2015 verschwinden sollen. Voraussetzung dafür sind mehrere Schritte, unter anderem eine Vermessung, um die privaten und öffentlichen Grundstücksgrenzen abzuklären. Diese Vermessung ist laut der Telekom als Kabel-Besitzer nun abgeschlossen. Auch die nötigen Kaufverträge sind bereits unterschrieben, sodass das Kabel auf öffentlichem Grund und Boden verlaufen kann.

Die jetzige Verzögerung bis ins nächste Jahr hinein erklärt Telekom-Sprecher Dr. Markus Jodl so: „Die Kaufverträge sind noch nicht amtlich vollzogen. Daher ist die Wegesicherung erst gültig, wenn der neue Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist. Dies erfolgt voraussichtlich erst Anfang/Mitte 2019. Erst wenn die rechtlichen Formalitäten erledigt sind, können wir mit dem Bau starten.“

Stefan Tillmann, Sprecher beim Amtsgericht Rosenheim, dem das Grundbuchamt zugeordnet ist, weiß: „Ab Eingang des Antrages zur Eintragung kann es, je nach Einzelfall, ein bis zwei Wochen, aber auch mehrere Monate dauern. Das liegt an den Umständen des konkreten Vorgangs.“ Teilweise seien beispielsweise noch Prüfungen des Gerichts erforderlich. „Einzelne Eintragungen können sehr einfach, aber auch sehr komplex sein.“

Der Bau selbst wird Jodl zufolge zwei bis drei Wochen dauern, „wenn es zu keinen Komplikationen kommt. Es müssen etwa fünf Meter im Bankett verlegt werden, die restliche Verlegung erfolgt in der Wiese und im Seitenstreifen“, erklärt er. Die Gesamtlänge betrage dann etwa 1400 Meter.

Inzwischen erstrahlt der Kabelknoten nahe St. Florian in neuem „Glanz“: Statt der Brotzeittüte, die einst ein Techniker zum Schutz überstülpte, ziert den Knoten seit Monaten eine Regenhaube. Heinrich Rehberg aus Frasdorf hat sie sich genau angesehen: „Modisch schick aus Kunststoff, nicht ganz blickdicht. So lässt sie den Blick auf die Straße und die Kampenwand frei.“ Auch der zweite Knoten in zehn Metern Entfernung sei mit einer solch schmucken Hülle gegen die Witterung gefeit.

Grundstücksbesitzer Florian Bauer hat das Treiben ums Kabel über die Sommermonate hinweg genau beobachtet: Die Landwirte hätten ihre Mäharbeiten in respektvoller Entfernung beendet, um keine Beschädigungen zu verursachen. Beim Mähen der Böschung hätten zudem die Landkreis-Mitarbeiter sorgsam das Kabel beiseite und nach der Arbeit wieder in die alte Position gelegt. Im Gegensatz zum Frühjahr. Damals war es – wie berichtet – wiederholt zu Telefonstörungen gekommen.

In der Gemeinde Frasdorf übt man sich in Gelassenheit. Bauamtsleiter Olaf Hoffmeyer glaubt, dass vor Mitte 2019 wenig passieren wird – eingedenk kommender Wintermonate und Frost. Dann könne ohnehin nicht im Erdreich gearbeitet werden. Bis zum Baustart will er „den Geduldsfaden weiter abwickeln“.

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