755 Euro: AOK will Transportkosten für Kind nicht übernehmen

von Redaktion

Eltern hätten für Verlegung von Rosenheim nach Agatharied zahlen sollen – Krankenkasse lenkt nach Beschwerde ein

Kolbermoor – „Wer mit Turnschuhen in die Berge geht und verunglückt, wird gerettet – kostenlos. Für die Verlegung unseres Sohnes vom Krankenhaus Rosenheim nach Agatharied sollten wir 755 Euro zahlen.“ So ärgert sich der Kolbermoorer Mario Bove, der zusammen mit seiner Frau Sabrina kürzlich die entsprechende Zahlungsaufforderung von der Zentralen Abrechnungsstelle für den Rettungsdienst Bayern bekommen hatte.

Sabrina Bove erinnert sich noch überaus gut an den 17. Juli. Nach dem Mittagsschlaf hatte sie ihr Söhnchen Sebastian, der damals acht Monate war, auf den Arm genommen – „da hat er sich ein paar Mal übergeben.“ Dann wurde er bewusstlos, war weiß im Gesicht und bekam dunkelblaue Lippen. Sie rief ihren Mann und den Notruf. Als das Rote Kreuz eintraf, sei der Bub zwar wieder „da“ gewesen, aber immer noch ohne Reaktionen. Schon da habe der Notarzt gesagt, dass das Klinikum Rosenheim eigentlich voll sei, dass man es wegen der Erstversorgung aber anfahren wolle.

In Rosenheim bekam Sebastian Flüssigkeit zugeführt; seine Werte wurden überprüft. Da bleiben konnte er nicht. „Tut mir leid, wir haben kein Bett frei,“ sagte der Arzt auf der Kinderstation, erinnert sich Sabrina Bove. „Aber in Agatharied wäre eines.“ Also kam der kleine Sebastian mit Blaulicht dorthin; begleitet von seiner Mutter und dem Notarzt. Er wurde stationär aufgenommen, überwacht, und am nächsten Tag wurde ein (unauffälliges EEG) von ihm gemacht. Mit dem Hinweis, dass man ihn beobachten solle, wurde er entlassen. Was genau der Auslöser gewesen war, wurde nicht festgestellt.

Vergangene Woche fand sich dann die Rechnung über den Transport von Rosenheim nach Agatharied in der Post der Boves – 755 Euro. Umgehend habe man bei der Krankenkasse der Familie, der AOK Rosenheim, angerufen. Dort hieß es, man müsse sich ans Klinikum Rosenheim wenden, weil es sich um eine Verlegungsfahrt gehandelt habe. Im Krankenhaus hingegen hieß es, „der Transport war ärztliche Anweisung – die Kasse muss zahlen.“

AOK gewährt Zahlungsaufschub

Nachdem sie den zuständigen Mitarbeiter bei der AOK mehrmals nicht erreichen konnte, schaffte es Sabrina Bove wenigstens, bei der Zentralen Abrechnungsstelle einen „Zahlungsaufschub“ zu bekommen. „Das Geld wäre sonst in zehn Tagen fällig geworden.“ Die Kolbermoorerin ließ zudem nicht locker, schilderte ihr Anliegen auch im Landratsamt Rosenheim und drohte schließlich in der AOK, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. Zufall oder nicht: Am nächsten Tag bekam sie den Anruf von Dr. med. Michael Bayeff-Filloff aus dem Klinikum Rosenheim. Der Facharzt für Chirurgie, Schwerpunkt Unfallchirurgie, ist Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstbereichs Rosenheim und Landesbeauftragter der Ärztlichen Leiter/Rettungsdienst für ganz Bayern. „Die Kosten werden von der AOK übernommen,“ teilte er den überraschten Eltern mit. Er hatte sich der Sache, die für viel Wirbel gesorgt hatte, angenommen in dem „Versuch, das Ganze in die richtigen Bahnen zu lenken“. Denn die Abrechnung nach den Krankentransportrichtlinien sei „nicht ganz einfach“, sie sei eine Wissenschaft für sich. „In so einem komplexen System ist es einfach so, dass eine Rechnungsstellung manchmal auch revidiert werden muss.“

Sabrina Bove: „Wir glauben es noch gar nicht richtig. Mein Mann ist Alleinverdiener – und 755 Euro sind eine Menge Geld. Wir sind enttäuscht vom Gesundheitssystem; wofür zahlen wir die Beiträge?“ Vor allem ärgern sie und ihr Mann sich über den Nervenkrieg, der so mutwillig über die Familie hereingebrochen war.

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