Rosenheim – Es waren unter anderem zwei Zahlen, die Katharina Amelung vom Naturschutzreferat des Landratsamtes Freude bereiten und es den Kreisräten leicht machten, das weitere Engagement des Landkreises für das Projekt zu befürworten. Deutschlandweit sei es zum allerersten Mal gelungen, Jungmuscheln nachzuzüchten. Über 200 konnten heuer in dem Gewässer ausgesetzt werden, das dank verschiedener Renaturierungsmaßnahmen mittlerweile wieder 21 durchgängige Flusskilometer aufweist. 2013 wurde das Biodiversitätsprojekt mit dem Ziel begonnen, den Lebensraum der Bachmuschel in der Murn zu verbessern, seit 2016 wird es als sogenanntes „BayernNetzNatur-Projekt“ weitergeführt.
Amelung verwies darauf, dass die Bachmuschel in Deutschland noch immer vom Aussterben bedroht und durch die Bundesartenschutzverordnung streng geschützt ist. Der aktuelle Bestand an der Murn belaufe sich auf rund 1000 Individuen. Schalenfunde und Aussagen Ortsansässiger deuten laut Amelung jedoch darauf hin, dass der Bestand einmal deutlich höher gewesen sein muss.
Für die Fortführung des Projekts fallen bis 2023 prognostizierte Gesamtkosten von etwa 188000 Euro an. Der Landkreis, der das Projekt nach dem Willen der beiden Gremien federführend weiterbetreiben soll, kann mit einem Zuschuss in Höhe von 75 Prozent aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds rechnen. Weitere zehn Prozent kommen vom Bezirk Oberbayern. Somit verbleibt für den Landkreis ein jährlicher Eigenanteil von knapp 6000 Euro für den Förderzeitraum.
„Wir können hier mit wenig Geld etwas Großartiges leisten“, fasste stellvertretender Landrat Josef Huber (CSU) zusammen und empfahl die Freigabe der Haushaltsmittel. Widerspruch erntete er nicht, von Anita Fuchs (Bündnis 90/Die Grünen) kam dennoch Kritik an der Art und Weise, wie der Landkreis Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinien bei der Gewässerpflege umsetzt. „Da hinken wir hinterher und kommen nicht recht weiter.“ Betrachte man die Hitzeperiode dieses Sommers und ihre Folgen, werde klar, dass sich der Landkreis verstärkt um seine Gewässer kümmern muss.
Amerangs Gemeindeoberhaupt August Voit (CSU), zugleich Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, kam im Zusammenhang mit dem Bachmuschel-Projekt auch auf den Biber zu sprechen. Es sei ein Hauptkritikpunkt der Landwirte, dass das Auftauchen des Bibers das Projekt konterkariere. „Dieses Problem wird totgeschwiegen“, sagte Voit.
Er sprach die Thematik auch vor dem Hintergrund an, dass die Verwaltung die Murn zwar als ein geeignetes Bachmuschel-Habitat einstuft, allerdings auch die Notwendigkeit unterstützender Maßnahmen betont. Hierzu gehören die Reduzierung landwirtschaftlicher Einträge und die Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Gewässers. „Durch die bisher durchgeführten und noch geplanten Maßnahmen kann nicht nur der Lebensraum der Bachmuschel verbessert werden, es profitieren auch weitere Tier- und Pflanzenarten, die im Gewässer leben“, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. So könne langfristig eine Verbesserung der gesamten Wasserqualität erreicht werden.
Stellvertretender Landrat Josef Huber zeigte durchaus Verständnis für Voits Einlassungen. Er sieht den Biber auch nicht mehr akut gefährdet. Der Stand sei bayernweit von 2000 auf mittlerweile 22000 Tiere angestiegen. Dennoch sei das Tier streng geschützt, verwies Huber auf den rechtlichen Rahmen. „Die Entnahme ist ein aufwendiges Verfahren“, entgegnete er der von Voit indirekt formulierten Abschussforderung, sollte eine solche Maßnahme zum Schutz der Bachmuschel erforderlich sein.