Stephanskirchen – Die Rechnung könnte so einfach sein: Ohne zufriedene Kuh keine Milch, und ohne guten Landwirt keine glückliche Kuh. Die Milchviehhaltung prägt die Landwirtschaft in der Region Rosenheim. Doch sie ist inzwischen eine Wissenschaft für sich – und die Herausforderungen nehmen weiter zu. Um die Landwirte fit für die Zukunft zu machen, organisieren der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern (vlf), Rosenheimer Land, und die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim und Traunstein jährlich den Rosenheimer Milchviehtag.
In einem informativen Programm versorgen sie die Milcherzeuger mit aktuellen Trends und Tipps rund um die Milchviehhaltung. Beim Milchviehtag im Gasthaus Antretter in Stephanskirchen ging es unter anderem um aktuelle Herausforderungen, Fütterung und Personalgewinnung.
Landwirtschaftsdirektor Georg Baumgartner (AELF Rosenheim) betonte den hohen Stellenwert der Milchviehhaltung. Besonders erfreulich sei, dass die Betriebe in der Region sehr stabil seien. Der vlf-Vorsitzende Sepp Grandl sprach aber auch an, wie kapitalintensiv und arbeitsaufwendig der Produktionszweig sei. Milchviehhaltung effizient zu betreiben sei die Herausforderung der Gegenwart und Zukunft.
Peter Dufter vom Fachzentrum Rinderhaltung im AELF Traunstein thematisierte aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die Milcherzeuger im Voralpengebiet. Der heiße Sommer habe sich insbesondere beim Silieren als Problem erwiesen. Denn die Milchsäurebakterien arbeiteten bei Hitze langsamer. Wer nicht geduldig abgewartet hätte, habe Verluste riskiert. Neben einer effizienten Fütterung – auch in Hinblick auf die Düngeverordnung wichtig – skizzierte der Experte Herausforderungen wie die Tierwohl-Diskussion, die Reduzierung von Treibhausgasen und den Schutz der Artenvielfalt durch eine differenzierte Grünlandbewirtschaftung.
Fütterungsberater Otto Kirmaier sprach die Schwierigkeiten bei der Fütterung von TMR an, bei der die verschiedenen Komponenten des Futters in einer Mischung verfüttert werden. Die Herausforderung dabei: Wie schafft man es, die TMR gleichmäßig in die Kuh zu bringen? Denn die Tiere sieben sich zuerst die Feinteile mit dem größten Kraftfuttergehalt heraus. Das rangniedrige Vieh, das später an das Futter darf, bekommt dann nur die groben Teile ab. Der Experte gab Tipps, wie man durch ideale Mahlfeinheit oder Mischreihenfolge die Feinteile an die Holme binden kann.
Der Vortrag von Martin Schütt drehte sich um die Auswahl und Einstellung von Mitarbeitern. Der Referent ist Standortleiter der Maschinenring-Personaldienste und dort für die Vermittlung von Arbeitskräften in die Landwirtschaft und die regionale Wirtschaft zuständig.
Von ihrer informativen Reise nach Holland berichteten die Auszubildenden des AELF Rosenheim, Bernhard Heindl, Johannes Überacker und Christian Tegethoff. Auf der Lehrfahrt des vlf waren sie der Frage nachgegangen, wie die holländischen Milchviehhalter auf die Anforderungen der Düngeverordnung reagieren.re