Schmiererei auf 1472 Metern Höhe

von Redaktion

Hans-Peter Galland traute seinen Augen nicht, als er auf dem Sulten stand: Das Gipfelkreuz war mit schwarzer Farbe beschmiert. Für ihn ein untragbarer Zustand. Er stieg ab und dann ein zweites Mal auf – diesmal bewaffnet mit Schwamm und Schleifpapier.

Bernau – „Der Sulten ist die größte Erhebung nördlich der Kampenwand: Ein breitgestreckter Berg, der bis auf seine südlichen Wiesen bewaldet ist.“ So heißt es in einer Beschreibung für Bergwanderer. Die Belohnung für den Aufstieg zum 1472 Meter hohen Gipfel: ein wunderbarer Panoramablick auf Kampenwand und Chiemsee.

Diese Impressionen wollte Hans-Peter Galland auch genießen, neben der etwa anderthalbstündigen Bergtour an sich. Oben aber verging ihm das Lachen, als er im Holz des Gipfelkreuzes schwarze „Schmierereien“ entdeckte. Buchstaben und undefinierbare Zeichen waren aufgesprüht und nicht spontan zu entfernen. Also beschloss der Bernauer, am übernächsten Tag zusammen mit einem Freund von der Münchner Berufsfeuerwehr wiederzukommen. Samt Schleifpapier, Schwamm und Co.

Kaum Schmierereien in der Region

„Man kann ja über ein Kreuz denken, was man will. Aber es mit Graffiti zu verunstalten, finde ich unverschämt“, sagt Galland. Seiner Erfahrung nach gipfelten solche Untaten auch schon darin, dass Kreuze abgesägt wurden. Das war allerdings in Richtung Bad Tölzer Berge der Fall, wie der Vorsitzende der Alpenvereinssektion Rosenheim bestätigt. Franz Knarr kann sich nicht erinnern, dass es hier in der Region zu häufigen Schmierereien an Gipfelkreuzen gekommen ist. Die Kreuze, ob aus Holz oder Metall, würden in der Regel gepflegt,etwa von Vereinen oder Privatpersonen. Knarr bringt einen rechtlichen Aspekt in die Geschichte: Auch wenn es moralisch angemessen sei, das Graffiti zu entfernen, sei doch die juristische Seite zu bedenken. Denn: „Wer das Kreuz aufgestellt hat, dem gehört es. Der Besitzer müsste also um Erlaubnis gefragt werden“, sagt Knarr.

Tatsächlich hat Galland viel unternommen, um das herauszufinden. So befragte er unter anderem den Alpenverein in Prien und die Bergwacht aus Wasserburg, die in der Nähe ihre Berghütte hat. Da er selbst der Lawinenkommission „Kampenwand“ angehört, ließ er auch darüber die Kontakte spielen. Das alles brachte aber nichts. Insofern steht er zu seiner Eigeninitiative. „Mich hat schockiert, dass das Geschmiere nicht zufällig geschah“, betont der 70-Jährige. Wer auf den Berg klettere, der packe wohl kaum „unbewusst“ eine Spraydose ein. Also gehe er von Vorsatz aus.

Galland wird Kreuze im Auge behalten

Das Abschleifen des ziemlich verwitterten Holzkreuzes – „es muss mindestens schon 30, 40 Jahre da stehen“ – dauerte zu zweit etwa anderthalb Stunden. Auch künftig wird der Bernauer ein Augenmerk auf dieses und auch andere Kreuze bei seinen Berg- und Skitouren haben. Das erfordere der Respekt, stellt er fest. Wobei er nicht von kirchlichen Aspekten getrieben wird, er selbst gehört keiner Konfession an. Aber: „Wenn ich den Gipfel erreicht habe, dann denke ich schon, Herrgott ist das schön.“

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