Burgkirchen – „Das sind effektive Kostensenkungen von 17 Prozent“, verdeutlichte Mühldorfs Landrat Georg Huber. Der Haushalt 2017 wurde einstimmig abgeschlossen. Zudem stimmten die Verbandsräte anschließend auch dem Wirtschaftsplan 2019 zu, demzufolge die liquiden Mittel dann um rund acht Millionen Euro sinken werden.
„Wir sind damit auf dem niedrigsten Niveau in Bayern und einem der niedrigsten in Deutschland“, sagte der Verbandsvorsitzende Erwin Schneider, Landrat des Kreises Altötting, im Hinblick auf die Abnahmepreise je Tonne Restmüll. Nach einem früheren Beschluss des ZAS wurden die Entgelte je Tonne angelieferten Mülls nach 20 Euro 2017 nochmals um 10 Euro gesenkt.
Damit belaufen sich die Kosten aktuell auf 78 Euro je Tonne angelieferten Mülls. Niedriger liegt der Preis mit 38 Euro lediglich für den Landkreis Altötting wegen geringerer Transportkosten, sowie für den Landkreis Rosenheim, wo es eine langfristige Vereinbarung über 58 Euro pro Tonne angelieferten Mülls gibt.
Hintergrund der Preissenkungen ist, dass am Standort Burgkirchen nach einem Beschluss aus dem Vorjahr nun doch keine industrielle Vergärungs-/Biogasanlage entstehen soll, für die aber bereits Rücklagen in einer Gesamthöhe von 90 Millionen Euro gebildet worden waren; die Liquidität soll vielmehr wieder auf 40 Millionen Euro reduziert werden.
Zwar erschwert eine Gesetzesänderung seit Oktober 2017 auch die Ausbringung von Schlamm aus Klärwerken auf die Felder. Dennoch scheint eine gesonderte Anlage, um den energiereichen Rohstoff zu verwerten, für den ZAS nicht zweckmäßig. Um den größer werdenden Mengen Nassmülls dennoch Herr zu werden, hat man allerdings bei einer der beiden Brennanlagen in Burgkirchen bereits erfolgreich den „Nassentschlacker“ umgebaut, um beispielsweise Deponiesickerwasser effizienter zu nutzen.
Dies soll im kommenden Jahr auch für die zweite Betriebslinie geschehen, weshalb man beim ZAS davon ausgeht, die hohe Auslastung des Jahres 2017 auch 2019 nicht erreichen zu können, sondern dass sich der Durchsatz eher am Jahr 2018 mit seinen voraussichtlich 228000 Tonnen orientieren wird.
Hintergrund der deutlich gesunkenen Müllmengen sind zunehmende betriebliche Störungen, wie „Rohrreißer“, und nicht zuletzt der Hitzesommer 2018, der die technisch mögliche Abwärme der Verbrennungsanlage weiter gesenkt hat.
„Nach 25 Jahren andauernden Betriebs fallen halt auch mal Reparaturen an, die bis jetzt noch nie nötig waren“, erklärte der technische Betriebsleiter Hubert Bartylla die Situation in der Anlage. So mussten beispielsweise in diesem Jahr einige in Wänden eingelassene Rohre erneuert werden, währenddessen die Anlage still stand.
Nachfragen der Verbandsräte gab es unter anderem bezüglich drastisch gestiegener „Gleiskosten“, die sich mit 475000 Euro von 2016 auf 2017 fast vervierfacht haben. Diese Kosten wurden laut Aussage des kaufmännischen Werkleiters Robert Moser von der InfraServ für Durchfahrten im Werk Gendorf geltend gemacht. Auch in Bezug auf die nicht sinkende Gesamtmenge produzierten Restmülls gab es dennoch eine kurze, aber hitzige Diskussion, die von der Rosenheimer Kreisrätin Anita Fuchs initiiert worden war.
Landrat Heinrich Trapp aus dem Kreis Dingolfing-Landau lieferte eine kuriose Begründung: „Bei den Einrichtungen für Flüchtlinge fällt unglaublich viel Müll an.“ Die entbrannte Diskussion entschärfte der Verbandsvorsitzende Erwin Schneider indem er an die Bürger appellierte, Dinge nicht so einfach wegzuwerfen: „Der ZAS hat definitiv kein Interesse daran, die Müllmenge weiter zu steigern“, betonte Schneider. pbj