Geisterfahrer stirbt

von Redaktion

Auf Inntal-Autobahn: 87-Jähriger kracht frontal in Lkw

Flintsbach – Ein tragisches Ende hat eine Geisterfahrt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf der Inntal-Autobahn genommen. Laut Polizei stieß ein 87-Jähriger in seinem Seat gegen 1.25 Uhr auf Höhe des sogenannten „Gletschergartens“ bei Flintsbach frontal mit einem Lkw zusammen. Der Deutsche, der in Söll in Österreich lebt, war irrtümlicherweise auf der Richtungsfahrbahn Innsbruck in Fahrtrichtung Rosenheim unterwegs gewesen. Er wurde in seinem Fahrzeug eingeklemmt und verstarb noch an der Unfallstelle.

Bild des Grauens

am Unfallort

Mehrere Feuerwehren eilten zum Unfallort – dort bot sich den Einsatzkräften ein Bild des Grauens: Ein demolierter Lkw, ein völlig zerstörter Pkw, überall Trümmer. Viel auszurichten gab es da nicht mehr. „Die Notärztin hatte den Tod bereits festgestellt“, erzählt Werner Tobien, Kommandant der Feuerwehr Fischbach. Ein solcher Anblick ist selbst für erfahrene Rettungskräfte schwer zu verdauen. „Das nimmt einen schon mit und stimmt auch nachdenklich“, sagt Tobien. „Man ist ja schließlich auch selber auf der Autobahn unterwegs.“ Als Kommandant ist Tobien dabei nicht nur für seine eigene, sondern auch für die psychische Verfassung seiner Männer verantwortlich. „Wir schauen uns unsere Leute nach so einem Einsatz genau an und sprechen darüber.“ Diesmal hätten den Anblick aber alle einigermaßen verarbeitet.

Sowohl die Fischbacher als auch ein Großteil der übrigen alarmierten Feuerwehren rückten ohnehin nach kurzer Zeit wieder ab. Zunächst war man nämlich von noch Schlimmerem ausgegangen. „Uns wurde gemeldet, dass ein Omnibus beteiligt ist. Das hat sich zum Glück nicht bestätigt.“

Statt eines möglicherweise voll besetzten Busses traf es bekanntlich „nur“ einen Lkw mit Anhänger. Dessen Fahrer, ein 61-jähriger Kroate, brach sich bei dem Zusammenstoß den Unterarm und wurde ins Krankenhaus gebracht. Als Folge des Unfalls kam es zu Verkehrsbehinderungen: Erst um 5.39 Uhr wurde die Fahrbahn wieder freigegeben.

Am Tag nach dem schweren Unfall sorgt vor allem das Alter des Verunglückten für Diskussionsstoff. Nicht wenige sagen: Muss man in diesem Alter noch Auto fahren? Josef Kugler, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Rosenheim, hält diese Pauschalisierung für falsch. Er ist 81 Jahre alt und fährt selbst noch Auto – wenn auch keine Langstrecken. „Die meisten schweren Unfälle werden von Personen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren verursacht.“ Wenn ältere Menschen Unfälle bauen, seien das meistens nur Blechschäden.

Von einem altersabhängigen Fahrverbot hält Kugler nichts. „Man kann nur an die Senioren appellieren, den Führerschein freiwillig abzugeben.“ Oder die Seniorenkurse der Fahrschulen zu nutzen. Auch der Seniorenbeirat der Stadt hat einst eine solche Maßnahme angeboten. Zwei Stunden Theorie, zwei Stunden Praxis. „Die Resonanz war riesig. Etwa 150 Leute zwischen 60 und 82 haben teilgenommen.“ Das Interesse ist da. Und überhaupt: „Es gibt 80-Jährige, die sind topfit und es gibt 50-Jährige, die sind deppert.“

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