Aschau – Es müssen wohl heftige Gewissensbisse gewesen sein, die eine 23-jährige Frau plagten. Schließlich griff sie zum Telefonhörer und teilte der Polizei am Montag mit, dass am Golf ihres Vaters genau jenes Ziergitter fehlt, das von den Ermittlern an der Unfallstelle sichergestellt wurde. Die Puzzleteile der Beamten fügten sich dann rasch zusammen. Es wurde klar, dass die 23-Jährige und ein 22-jähriger Mann mit im Auto saßen, als der 27-Jährige am Sonntagmorgen gegen 3.45 Uhr die junge Frau mit dem Golf erfasste, die sich zu diesem Zeitpunkt zusammen mit einem Begleiter auf dem Heimweg von einem Besuch der Diskothek Eiskeller befand. Der Wagen, mit dem der Unfallfahrer unterwegs war, war auf den Vater der Zeugin zugelassen. Warum sie den 27-Jährigen ans Steuer ließ, ist eine der vielen offenen Fragen, die die Polizei noch klären muss. Wie berichtet, erlag das Opfer nur wenige Stunden nach dem Zusammenprall zwischen Hohen- und Niederaschau im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.
Noch am Sonntag hatte die Polizei die Ermittlungsgruppe „Schneefall“ bei der Kripo Rosenheim eingerichtet, die intensiv nach dem flüchtigen Unfallverursacher fahndete – unter anderem mit einer Fotoveröffentlichung in den Medien, die Anlass für den entscheidenden Anruf war. Das aufgefundene Fahrzeugteil ließ rasch den Schluss zu, dass es sich bei dem flüchtigen Fahrzeug um einen VW Golf, Typ VI, gehandelt haben muss. Noch am Unfalltag überprüften Polizeibeamte 80 Fahrzeuge dieses Typs. Unzählige weitere dieser Überprüfungen hätten in den nächsten Tagen folgen sollen. Am Unfallort wurde darüber hinaus von den Ermittlern großflächig Schnee von der Fahrbahn abgetragen und eingelagert, um später noch kleinste Beweisstücke daraus sondieren zu können.
Wertvolle Hilfe bei der Fahndung leistete auch die Auswertung verschiedener Aufzeichnungen von Videokameras. Sie führten zu den drei Personen, die später zusammen in dem Golf unterwegs waren, der die junge Frau erfasste. Sie hatten sich ebenfalls in der Diskothek aufgehalten, die auch das spätere Opfer und sein Begleiter besucht hatten. Weitere Details zu den Videoauswertungen wollte die Polizei gestern aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht nennen. „Da sind weitere Überprüfungen und Zeugenbefragungen erforderlich“, sagte Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.
Der Unfallfahrer und seine beiden Begleiter wurden noch am Montag festgenommen. Die Beifahrer wurden wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung und versuchter Strafvereitelung angezeigt und nach ihrer Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt,
Der 27-jährige Fahrzeuglenker hat nach Polizeiangaben bei seiner Einvernahme eingeräumt, in jener Nacht am Steuer des Unfallfahrzeugs gesessen zu sein. Der Ermittlungsrichter erließ gegen den Mann, der die deutsche und die rumänische Staatsbürgerschaft besitzt, Haftbefehl.