„Du bleibst in unseren Herzen“

von Redaktion

Aschau: Mutmaßlicher Unfallfahrer mit Todesopfer gut befreundet

Ein Archivbild von Sternekoch Heinz Winkler aus dem Jahr 2012.

Aschau/Albaching – Das lässt einem den Atem stocken. Im Drama rund um die junge Frau, die in Aschau am frühen Sonntagmorgen tödlich von einem Auto verletzt wurde, kommt eine weitere Facette hinzu: Das Unfallopfer aus Albaching und der mutmaßliche Unfallfahrer haben sich gut gekannt!

„Die beiden waren sehr gut befreundet“, bestätigt eine Bekannte des 27-Jährigen, der als Koch in der Residenz Heinz Winkler arbeitet. Das zeigt auch ein erst am Montag gepostetes Foto auf dem Instagram-Profil des Verdächtigen. Zu sehen ist er dort gemeinsam mit der 23-jährigen stellvertretenden Rezeptionsleiterin von Winkler, dem Opfer des Unfalls. Die beiden tragen Tracht, vermutlich ist das Bild auf einem kleinen Volksfest im Sommer entstanden. Sie umarmen sich, lachen vergnügt in die Kamera. Daneben steht: „Meine (…)! Du bleibst immer in meinem Herzen.“ Garniert ist der Post mit schwarzen Herzen.

Sternekoch Heinz Winkler von der Residenz in Aschau ist tief erschüttert. Noch immer stehe er mit seinem Team unter Schock durch die jüngsten traumatischen Ereignisse.

In dem mutmaßlichen Unfallauto, einem VW Golf, saßen offenbar drei weitere Mitarbeiter von Heinz Winkler. Gegen den mutmaßlichen Fahrer, einen 27-jährigen Koch, stellte der Staatsanwalt Haftantrag. Seither sitzt der junge Mann in Untersuchungshaft.

Laut Polizei stehe der Verdacht des versuchten Totschlags durch Unterlassen, der fahrlässigen Tötung und des unerlaubten Entfernens vom Unfallort im Raum. Dass er bei seiner ersten Vernehmung zugegeben habe, zur Unfallzeit gefahren zu sein, bestätigt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Simon Irger. „Er sagt jedoch, dass er den Zusammenstoß mit dem Unfallopfer nicht bemerkt habe. Doch das werten wir als reine Schutzbehauptung“, erklärt Dr. Oliver Mößner von der Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim.

Rätselhaft bleibt auf alle Fälle, dass das mutmaßliche Unfallauto die junge Frau mit der linken Fahrzeugseite getroffen hat. Beide, Unfallopfer und Fahrzeug, seien in der gleichen Fahrtrichtung unterwegs gewesen. Laut Erinnerungen Aschauer Bürger habe in jener Nacht „Schneechaos“ mit heftigem Schneetreiben geherrscht. Das, so wird vermutet, habe auch die junge Frau möglicherweise veranlasst, auf der geräumten Fahrbahn und nicht auf dem Gehweg in Richtung Aschau zu gehen. Dann wurde sie vom Auto erfasst und zur Seite geschleudert.

Die Ermittlungsgruppe „Schneefall“, der auch ein Spezialfahnder für Unfallflucht angehört, arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Spurenauswertung. Ob das mutmaßliche Unfallauto außer dem verlorenen Ziergitter an weiteren Stellen beschädigt ist, wollte der Pressesprecher der Polizei nicht sagen. „Das ist dann Teil des Verfahrens und gewissermaßen Täterwissen.“

Laut Staatsanwalt wurde ein verkehrsanalytisches Gutachten angefordert, das Erkenntnisse zum genauen Tathergang geben soll. Geklärt werden soll etwa, wie schnell das Fahrzeug unterwegs war.

Das Opfer war mit schwersten Bauch- und Kopfverletzungen schließlich in eine Klinik in Vogtareuth gebracht worden. Dort ist die junge Frau dann verstorben. Wie zu hören war, habe sie wegen der Schwere der Verletzungen keine Chance gehabt. „In ganz Aschau herrscht eine sehr gedrückte Stimmung“, fasst Bürgermeister Peter Solnar die Lage zusammen. „Es ist tragisch. Wir sind alle tief berührt.“ Dieser Unfall gehe nicht spurlos an den Aschauern vorbei.

Sogar der Schnee
wurde eingesammelt

Deshalb sei er auch froh, möglicherweise ein kleines bisschen dazu beigetragen zu haben, Licht in das furchtbare Geschehen gebracht zu haben. Der Bauhof habe in enger Zusammenarbeit mit der Polizei die Unfallstelle genau untersucht. Sogar Schnee sei eingesammelt worden, um nur ja keine möglichen Spuren außer Acht zu lassen. Auf diese Weise sei auch das Autoteil gefunden worden.

In der Residenz herrscht tiefe Trauer. Sternekoch Heinz Winkler weiß, was es heißt, ein Kind zu verlieren. Denn vor rund fünf Jahren ist sein eigener Sohn überraschend gestorben.

Doch er will zusammen mit seinem Team nach vorne schauen. „Arbeiten hilft“, meint er. „Wir müssen zurück zur Normalität finden, es muss ja weitergehen.“ Er plant, intern eine Gedenkstunde für die Verstorbene abzuhalten. „Wir wollen ihr Bild mit einem schwarzen Trauerflor bei uns aufstellen.“ Das zumindest sei man ihr schuldig. Den Eltern könne er nur alle Kraft dieser Welt wünschen, denn der Verlust eines Kindes – auch wenn es bereits erwachsen ist – sei tragisch.

Artikel 4 von 11