Rosenheim/Landkreis – Das Schneechaos nimmt kein Ende. Diplom-Meteorologe Dominik Jung erwartet im Alpenraum weiterhin Schnee in Rekordhöhe und warnt: „Das könnte in einer Katastrophe enden.“ Während in einigen Nachbarlandkreisen wie Miesbach (Katastrophenfall ausgelöst), Traunstein (ganze Gemeinden versanken im Schnee) und Berchtesgadener Land (Lawinenabgang bei Markt Schellenberg) weiterhin großes Chaos und Ausnahmezustand herrscht, sind Stadt und Landkreis Rosenheim bislang von größeren Tragödien weitgehend verschont geblieben.
Bereits am Wochenende hatte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit Sitz in Rosenheim 358 Verkehrsunfälle in ihrem Zuständigkeitsbereich registriert – mit leider nicht immer glimpflichen Ausgang. Drei Schwerverletzte und drei Tote waren zu beklagen.
Gestern blieben trotz der neuerlichen Schneefälle größere Unfälle aus. Auf der A8 und einer Kreisstraße bei Albaching blieb es bei Blechschäden. In den frühen Morgenstunden waren auf der A8 zwischen Bergen und Grabenstätt, Fahrtrichtung Salzburg, zwei Lkw von der Fahrbahn abgekommen. Ein Bergeunternehmen zog die beiden „Brummis“ wieder auf die Straße. Verletzt wurde niemand, das Bilden einer Rettungsgasse funktionierte jedoch nach Angaben der Einsatzkräfte abermals nicht.
Auch beim Unfall auf der RO42 in Aign bei Albaching wurde niemand verletzt. Es musste jedoch ebenfalls ein Bergefahrzeug anrücken. Ein Lkw-Fahrer hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war in einer leichten Linkskurve in die Wiese geschleudert. Mit schwerem Gerät wurde der Lkw wieder auf die Straße gezogen.
Deutlich schlimmer als den Raum Rosenheim hingegen erwischte es die Landkreise Miesbach und Bad Tölz. Wegen der erhöhten Lawinengefahr waren in Bad Tölz-Wolfratshausen am Mittwoch immer noch zahlreiche Straßen gesperrt. Auch auf den Bahnstrecken kam es zu erhöhten Ausfällen. Sowohl beim Meridian, als auch bei der Bahn können weiterhin einige Züge witterungsbedingt nicht fahren. Teilweise musste die Feuerwehr sogar Lebensmittel liefern, um die Versorgung für die nächsten Tage sicherzustellen. In Berchtesgaden brachten Soldaten des Gebirgsjäger-Bataillons 232 Schüler in Sicherheit, die nach einer Straßensperre festsaßen.
In den bayerischen Alpen gaben die Behörden die zweithöchste Lawinenwarnstufe aus. Forstministerin Michaela Kaniber warnt vor hoher Schneebruchgefahr: „Viele Bäume können im Moment unter der hohen Schneelast jederzeit umkippen oder zusammenbrechen“. Deshalb werden Menschen gebeten, Wälder und Bäume tunlichst zu meiden (siehe Interview rechts).
Die Meterologen um Dominik Jung können jedoch keine Entwarnung geben: „Bis Montagmorgen werden in den Alpen noch einmal 1,5 bis zwei Meter Neuschnee erwartet.“
Aufgrund der Schneemassen kommt es jetzt auch im Kreis Rosenheim zu Schulsausfällen. Nachdem im Kreis Traunstein viele Schulen bis einschließlich Freitag geschlossen bleiben, traf es nun auch Prien und Feldkirchen-Westerham (siehe Kasten.
Aktuell nicht in Gefahr ist der Biathlon-Weltcup, der am Dienstag in Ruhpolding startet. „Wir stehen vor einer großen logistischen Herausforderung und suchen nach wie vor helfende Hände, um die Schneemassen in den kommenden Tagen bis zum Beginn der Veranstaltung zu beseitigen“, bittet Engelbert Schweiger, Leiter der Chiemgau Arena, um Unterstützung. Die Helfer sollen sich einfach in der Chiemgau Arena, am besten mit eigener Schaufel, im Betriebshof melden.