Rosenheim/Landkreis – Wer nicht im Schnee stecken blieb, stand im Stau – manche sogar stundenlang. Die Schneefälle in der Nacht haben am Donnerstag auch im Raum Rosenheim den Verkehr weitgehend lahmgelegt.
Besonders traf es die Menschen in und um Bernau. Dort hatte sich nicht nur auf der Autobahn A8 ein Lkw quer gestellt, auch in der Ortsmitte hing ein „Brummi“ fest. Bis die Kolosse mit schwerem Gerät wieder entfernt wurden, dauerte es Stunden.
Geduld war aber fast überall gefragt. Für die vier Kilometer lange Strecke von Großkarolinenfeld bis Westerndorf St. Peter im Norden Rosenheims benötigten viele über eine Stunde. Wer mit dem Auto vom Münchner Süden nach Rosenheim pendelte, saß etwa zweieinhalb Stunden im Wagen – obwohl die Räumdienste überall ihr Bestes gaben.
Da hatten es jene gut, die daheim bleiben konnten. Oder auch nicht: Die Wege und Zufahrten von den Schneebergen zu befreien, war eine kräftezehrende Herkulesarbeit. „Über ein halber Meter Neuschnee über Nacht, so etwas habe ich selten erlebt, und jetzt bin ich richtig geschafft“, sagte ein Bad Aiblinger gegen Mittag den OVB-Heimatzeitungen, als er seine Schneeschaufel endlich in die Ecke stellen konnte. Vermutlich stand sie dort nicht lange, denn es schneite den ganzen Donnerstag weiter.
Wegen der Schneesituation können im Straßenverkehr manche Angebote nicht aufrechterhalten werden. So fährt am kommenden Wochenende kein Nachtbus im Inntal – aus Sicherheitsgründen.
Abgesagt wurde unter anderem das Neujahrskonzert des Bundespolizeiorchesters München, das gestern Abend in der Rosenheimer Pfarrkirche St. Nikolaus stattfinden sollte. Da der starke Schneefall in Stadt und Landkreis Rosenheim laut Wetterprognosen andauert, verzichtet die Bundespolizei – vorerst ersatzlos – auf den Konzerttermin.
Natürlich war auch der Zugverkehr von Meridian und BOB und eingeschränkt. Die Strecke Holzkirchen-Rosenheim konnte in beide Richtungen bedient werden, es kam zu Verspätungen von 30 Minuten – ebenso wie auf den Linien München-Rosenheim-Salzburg und München-Rosenheim-Kufstein. An manchen Bahnhöfen häuften sich solche Mengen an Neuschnee an, dass sie die Infrastruktur blockierten.
Tiefschnee und eisiger Wind machen auch den heimischen Wildtieren zu schaffen. Deshalb forderte Franz Sommer, Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim, die Jäger auf, jetzt an die artgerechte Fütterung zu denken. Ebenso bittet er Wintersportler und Spaziergänger, das Ruhebedürfnis des Wildes zu respektieren und Rücksicht auf die Tiere zu nehmen. Warmblütige Pflanzenfresser wie Rehe, Hirsch und Gams oder Hasen seien derzeit einer extremen Belastung ausgesetzt.