Traunstein – Obwohl im westlichen und südlichen Kreis Landkreis Traunstein am Wochenende bis zu 1750 Einsatzkräfte ihr Bestes gaben, blieb die Situation kritisch. Bei Siegsdorf spitzte sich die Lage am Sonntagnachmittag derart zu, dass eine ganze Wohnanlage evakuiert werden musste.
Auf Anraten der Lawinenwarnkommission löste die Bundeswehr am Samstagvormittag im Bereich Ruhpolding und Reit im Winkl kontrollierte Lawinenabgänge aus – am Masererpass zwischen Unterwössen und Reit im Winkl, zwischen Seehaus und Lödensee (Ruhpolding), am Forstweg von Seegatterl/Campingplatz zur Winklmoosalm (als Skiaufstieg und Langlaufloipe beliebt) sowie zwischen Steinbergalm und Blickneralm.
„Downwash“ per Hubschrauber
Bundeswehr-Hubschrauber wurden auch im Bereich der B305, auf der Autobahn A8 und in Siegsdorf eingesetzt, um mit dem sogenannten „Downwash“ Schnee von den Bäumen zu entfernen. Dabei wird der Wind der Rotorblätter genutzt, um Schnee von den Ästen zu wehen.
Die Zahl der eingesetzten Helfer im Kreis Traunstein erhöhte sich am Sonntag auf 1750, darunter rund 1200 Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein, der zur Unterstützung angeforderten Kontingente der Kreisfeuerwehrverbände Freising, Neuburg-Schrobenhausen und Eichstätt sowie aus dem Land Salzburg und aus Oberösterreich (110 Helfer). Die übrigen Helfer kamen von anderen Hilfsorganisationen (THW, BRK, Malteser, DLRG, Bergwacht und Wasserwacht) und von der Bundeswehr.
An Brennpunkten wie Siegsdorf, Traunstein, Schleching oder Inzell ging es darum, die Verkehrs- und Sicherheitsinfrastruktur wieder herzustellen. Während der Wetterdienst vor weiteren extremen Schneefällen im Kreis Traunstein warnte, räumten die Helfer Hauptverkehrsstraßen, Rettungswege und Hydranten und schaufelten tonnenweise Schnee von den Dächern – unter anderem auf Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen, Feuerwehrhäusern, Rettungswachen, Rathäusern oder historischen Bauernhäusern.
Für die Helfer wurde der tagelange Einsatz zur Belastungsprobe. „Die Leute sind momentan am Ende ihrer Kräfte“, so Manfred Steiner, Kommandant der Feuerwehr Siegsdorf, am Sonntag.
In Siegsdorf-Vorauf mussten mehrere Gebäude evakuiert werden. Betroffen waren rund 200 Bewohner. Das frühere Feriendorf bei Siegsdorf ist inzwischen eine gewöhnliche Wohnsiedlung. Auf den Dächern war von Statikern eine Schneelast – verstärkt durch den Regen – von 300 Kilo pro Quadratmeter gemessen worden. Daraufhin wurde die sofortige Evakuierung der Gebäude angeordnet.
Sofern die Bewohner des Ferienparks nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkamen, wurden sie nach Siegsdorf in die Turnhalle gebracht und dort betreut und versorgt. Auch für eine Übernachtung der Evakuierten bereiteten die Helfer alles vor. Zeitgleich wurde noch am Sonntag mit dem Abräumen der Dächer der akut gefährdeten Gebäude begonnen. In ihre Häuser werden die Betroffenen frühestens am Montagabend zurückkehren können.
Schwerere Verkehrsunfälle blieben am Wochenende zum Glück die Ausnahme. Zwischen Übersee und Grassau kam am Samstagnachmittag ein Lkw von der Staatsstraße ab und landete in den Bäumen. Der Fahrer blieb unverletzt, die Staatsstraße musste zeitweise komplett gesperrt werden.
Das Bürgertelefon im Traunsteiner Landratsamt ist unter 0861/58411 erreichbar.