Das Opfer wirkte „ganz normal“

von Redaktion

53-Jährige mutmaßlich von Sohn getötet – Zeugen kamen im Mordprozess zu Wort – Fortsetzung am 28. Januar

Traunstein/Schnaitsee – Im Traunsteiner Mordprozess gegen einen 21-jährigen Altenmarkter, der seine Mutter (53) in der gemeinsamen Wohnung in Altenmarkt brutal getötet und die Leiche in einem Wald bei Schnaitsee vergraben haben soll (wir berichteten), ging es am Freitag um die Persönlichkeit des Opfers. In Vernehmungen hatte der Angeklagte seine Mutter als „Monster“ bezeichnet, ihr psychische Veränderungen bis hin zu Verfolgungswahn unterstellt. Eine 51-jährige Zeugin zeichnete von der Toten vor der Jugendkammer als Schwurgericht gestern ein anderes Bild.

Die Verstorbene war demnach eine Pferdenärrin. Das Wohlergehen ihres Tieres lag ihr sehr am Herzen. Eine andere Zeugin (36) meinte gestern vor der Kammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann: „Es war ihr Heiligtum.“

Ab 2014 hatte die 53-Jährige das Pferd nach und nach in insgesamt acht verschiedenen Ställen in der Region untergebracht. Sie war sehr besorgt um ihren vierbeinigen Liebling, äußerte Kritik, wenn sie Grund dafür sah.

Das betonte gestern die Zeugin, die die Verstorbene seit 2012 kannte: „Sie war sehr nett, freundlich und aufmerksam. Manchmal war sie ein bisschen fahrig. Termine hielt sie superpünktlich ein. Bei ihrem Pferd wollte sie alles ganz korrekt haben. Wenn ihr was nicht passte, hat sie es gesagt. Sie wollte immer das Beste für ihr Pferd. Wenn sie etwas moniert hat, war das berechtigt.“

Einige der Reitställe hätten den Vertrag mit der 53-Jährigen gekündigt. Eine weitere Zeugin – die 36-Jährige war früher bei einem der Reitställe angestellt – schilderte die Getötete hingegen als „von Anfang an schwierig“. Sie habe mit ihr, wie andere Mitarbeiter auch, eine heftige Auseinandersetzung mit der 53-Jährigen wegen deren Pferdes gehabt.

Bereits mehrere Zeugen hatte das Schwurgericht zum Wesen, zur Persönlichkeit des Mordopfers befragt. Unter ihnen war vor acht Wochen eine 54-Jährige. Die Frau erinnerte sich, die Familie habe die 53-Jährige als „krank“ dargestellt. Sie selbst jedoch habe sie „nie als krank empfunden“. Ihre Freundin sei weltoffen gewesen, sei viel gereist, habe gerne getanzt. Mit ihrem Umfeld habe sie sich auseinandergesetzt: „Sie hatte ihre Vorstellungen. Man konnte sie relativ schwer davon abbringen.

Mutter und Sohn hätten ein gutes, ein inniges Verhältnis gehabt. Dem Sohn zuliebe habe die 53-Jährige nicht gearbeitet. „Sie hat ihr ganzes Leben auf ihn abgerichtet“, berichtete die 54-Jährige im November im Zeugenstand.

Auf die 51-jährige Zeugin, so sagte sie am Freitag, wirkte die 53-Jährige nach der Trennung von ihrem Ehemann im Dezember 2016 „angespannter als sonst“: „Aber das ist ja wohl ganz normal.“ Auf ihren Sohn sei die Mutter „ganz stolz gewesen“, sie habe sich sehr um ihn bemüht und ihn viel herumkutschiert.

Eine ähnliche Einschätzung vertraten auch andere Personen, die die Tote gekannt hatten, in dem seit Ende Oktober 2018 unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufenden Verfahren gegen den Sohn wegen heimtückischen Mords sowie wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung.

Der 21-Jährige hat sich bislang nur im Vorfeld zu den Vorwürfen geäußert, dabei allerdings dreimal volle Geständnisse abgelegt. In dem Prozess zog er es vor, zu schweigen. Einzig zu seiner Vita hat er bislang einiges erzählt.

Die Beweiserhebung geht am 28. Januar weiter mit dem Geschäftspartner des Angeklagten und am 15. Februar mit seinem Vater. Die Berichte von Michaela Traud als Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sowie des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Alexander Rieger aus München sollen am 19. und 20. Februar folgen. Wenn sich das Verfahren nicht weiter durch Verteidigeranträge verzögert, könnten Staatsanwalt Markus Andrä sowie die Verteidiger, Dr. Adam Ahmed aus München und Dr. Herbert Buchner aus Traunstein, am 22. Februar ihre Schlussanträge stellen.

Die Urteilsverkündung ist für den gleichen Tag geplant.

Artikel 5 von 11