Der Wettlauf gegen den Regen

von Redaktion

Schneechaos 650 Einsatzkräfte in Aschau und Sachrang – Evakuierung

Rosenheim/Traunstein – Schaufeln, was Oberarme und Handgelenke hergeben: Auch am Samstag und Sonntag lieferten sich Tausende Einsatzkräfte in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein einen kräftezehrenden Wettlauf gegen die Zeit. Größere Unfälle, Schäden oder gar Katastrophen blieben bis gestern Abend zum Glück aus. Aber der Regen hat am Sonntag die Lage verschärft. Die bange Frage: Werden die Dächer der gewaltigen Nassschneelast standhalten?

Einsatzschwerpunkt waren im Kreis Rosenheim Aschau und Sachrang – und dort vor allem der völlig im Schnee versunkene Ort Innerwald. Dort gab es kaum ein Dach, das nicht von den Einsatzkräften freigeschaufelt werden musste (siehe unten).

In Sachrang mussten gestern Abend Bewohner von mehreren Gebäuden in der Spitzsteinstraße kurzfristig umziehen. Die Eigentümer hatten sich laut Landratsamt erst am Sonntag bei der Feuerwehr gemeldet. Eine Überprüfung am Nachmittag ergab, dass mit einer Schneelast von 300 Kilogramm und höher pro Quadratmeter die erlaubte Dachlast um ein Drittel überschritten ist.

Betroffen waren 14 mehrstöckige Gebäude, die zum Teil unbewohnt sind. In einer Besprechung mit Mitgliedern der Gemeindeverwaltung wurde vereinbart, dass die Dächer heute gewerblich geräumt werden. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Sie konnten die Nacht in einer Ferienwohnanlage in Aschau verbringen. Bis Sonntagabend nahmen 15 Personen dieses Angebot wahr.

Die Schulen in Stadt und Landkreis Rosenheim bleiben auch heute, Montag, geschlossen. Das beschloss die Lokale Koordinierungsgruppe Schulausfall am Sonntagmittag. Eine Betreuung der Schüler in den Grund- und Mittelschulen sei sichergestellt. Wie es am Dienstag weitergeht, wird am Montagmittag entschieden. Im Kreis Traunstein blieb es dabei: Bis einschließlich Mittwoch gibt es keinen Unterricht. Auch die Landwirtschaftsschule Holzkirchen bleibt am Montag zu.

In Aschau und Sachrang erhöhte sich die Zahl der eingesetzten Kräfte am Sonntag laut Kreisbrandrat Richard Schrank von 450 auf 560. Neben den Dächern von Häusern wurden Gullys geräumt, um auf mögliche Überflutungen durch Tauwetter vorbereitet zu sein.

Schon am Freitagabend wurde in Aschau das Dach des Mutter-Kind-Kurhauses der Klinik Sonnenbichl vom Altschnee befreit, am Samstagmorgen ging das große Schaufeln dort weiter. Auch die Koordinierungsgruppe im Landratsamt war seit 7.30 Uhr wieder im Dienst.

Die Lage am Morgen: Die Dächer von 68 Gebäuden waren in Sachrang zu räumen, in Aschau wurden 15 Gebäude gezählt. „Das Arbeiten wird gefährlicher“, sagte Schrank in einer Lagebesprechung im Landratsamt, „weil nun auch mit dem Abrutschen der Schneemengen von den Dächern gerechnet werden muss.“

Die neue Situation am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr: Mehr als 110 Dächer in Aschau und Sachrang waren vom Schnee befreit. Auf weiteren 40 Dächern waren die Kräfte noch beschäftigt. Obwohl rund 650 Helfer an die Grenzen des Machbaren gingen, rechnete man in der Koordinierungsgruppe damit, dass es bis Sonntagabend nicht mehr gelingen würde, alle Dächer freizubekommen. Auf 17 Dächern, zwölf davon in Sachrang, hatten die Räumarbeiten noch nicht begonnen. Tatsächlich musste dann noch evakuiert werden.

Der verantwortliche Örtliche Einsatzleiter Johann Huber freute sich aber darüber, dass sich bis gestern Abend niemand von den Einsatzkräften verletzte. Zudem lobte er die Bevölkerung, die zum Teil die Helfer nach Kräften unterstützte. Erfreulich sei auch gewesen, dass es einem THW-Team gelang, alle Gullys in Sachrang vom Eis zu befreien. Tauwasser könne damit abfließen.

Die Staatsstraße von Aschau nach Sachrang wurde gesperrt, um eine Behinderung der Einsatzkräfte zu vermeiden. Zudem gab es in Sachrang wegen der Schneemengen keine Parkplätze. Die Zufahrt von Tiroler Seite war ebenfalls nicht möglich.

Das Bürgertelefon im Landratsamt ist unter 08031/3925555 zu erreichen.