Hilfeleistungen in der Puppenklinik

von Redaktion

Der historische Stadtkalender „Bilder aus Alt-Rosenheim“ setzt jeden Monat eine historische Aufnahme in einen geschichtlichen Zusammenhang. Das Mai-Blatt des Kalenders 2019 zeigt das Haushalts- und Spielwarengeschäft Spickenreuther in der Münchener Straße, um 1935.

Rosenheim – Das Haus Münchener Straße 22 wurde 1863/64 durch den Baumeister Simon Lutz für Sebastian Fischer aus Prutting errichtet. Es bildete zusammen mit dem Anwesen Nummer 24, erbaut für Sebastian Heliel, Vorarbeiter bei der Rosenheimer Saline, ein Doppelhaus, dessen Hälften identisch gestaltet waren. 1876 war das Haus Nummer 22 im Besitz des Nadlermeisters Josef Leidl. Dieser ließ damals einen Laden im Erdgeschoss einbauen.

Weil die Münchener Straße nach der Verlegung des Bahnhofs in den Südwesten der Stadt als Geschäftsstraße zunehmend an Bedeutung gewann, entstand 1889 in dem Haus ein zweiter Laden, den die Tändlerin Anna Fischer betrieb. Beide Läden wurden 1906 durch den Kurz- und Schnittwarenhändler Willibald Birkmaier zu einem großen Geschäft zusammengelegt. 1908 erwarb Josef Spickenreuther das Haus Münchener Straße 22. Dieser stammte ursprünglich aus der Oberpfalz, war gelernter Hafnermeister und hatte seit 1889 zusammen mit seiner Ehefrau Maria einen Laden für Haushalts- und Spielwaren in der Bahnhofstraße geführt. Nach einem Umbau zog Spickenreuther mit seinem Geschäft in das eigene Haus um. An der Münchener Straße entwickelte sich der Betrieb zu einer ersten Adresse seiner Branche.

Laut Adressbuch von 1926 gab es in Rosenheim damals acht Geschäfte für Haushalts- und Küchenartikel; besonders bekannt waren neben dem Laden der Familie Spickenreuther die Geschäfte Gebhard und Stumbeck am Max-Josefs-Platz, Konrad in der Innstraße und Freilinger in der Riederstraße. Insgesamt fünf Läden führten Spielwaren in Rosenheim.

Sortiment immer weiter ausgebaut

Die Firma Spickenreuther bot auch die Dienstleistungen einer Puppenklinik an, wie die Aufschrift auf der Fotografie aus den 1930er-Jahren zeigt. 1930 hatte Josef Spickenreuther junior das Geschäft von seinen Eltern übernommen. Er ließ 1952 die Schaufensterfront modern erneuern und baute das Sortiment in den folgenden Jahren weiter aus. 1964 konnte die Firma Spickenreuther ihr 75-jähriges Bestehen feiern und warb im Oberbayerischen Volksblatt als „führendes und größtes Fachgeschäft für Hausrat, Glas, Porzellan, Spielwaren“.

In den 80er-Jahren schloss das traditionsreiche Geschäft schließlich und 1988 wurden die Häuser Münchener Straße 22 und 24 abgebrochen. An ihrer Stelle entstand bis 1989 ein neues, viergeschossiges Geschäftshaus.

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