Miese Zustände und laute Mitbewohner: Bosnier legt Feuer

von Redaktion

26-Jähriger muss sich nach Brandstiftung im Juli 2018 vor dem Landgericht Traunstein verantworten – Urteil am 24. Januar

Rosenheim/Traunstein – Mitten in der Nacht erwachten im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in Rosenheim an der Äußeren Münchener Straße mehrere Bewohner (wir berichteten) – weil sie keine Luft mehr bekamen. Dazu ein Zeuge gestern vor dem Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs: „Ich hatte das Gefühl zu ersticken.“ Verantwortlich für die hochgefährliche Situation für zwei Dutzend Menschen durch giftigen Rauch und zwei Brandlegestellen im Obergeschoss war ein 26-jähriger Bewohner aus Bosnien. Ein Urteil fällt am 24. Januar.

Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner beantragte gestern eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren – wegen versuchten heimtückischen Mords und versuchter Brandstiftung mit Todesfolge, jeweils in zehn Fällen, sowie wegen schwerer Brandstiftung. Der 26-Jährige habe den Tod vieler Menschen in Kauf genommen. Verteidiger Harald Baumgärtl neigte dazu, „eher keinen versuchten Mord anzunehmen“. Sein weder in Deutschland noch in Bosnien-Herzegowina vorbestrafter Mandant sei verärgert, unzufrieden und wohl erheblich alkoholisiert gewesen. Eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als acht Jahren sei tat- und schuldangemessen.

24 Menschen verschiedener Nationen, darunter drei Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren, befanden sich in der Nacht zum 14. Juni 2018 in dem heruntergekommenen Gebäude. Der Angeklagte lebte noch nicht lange in dem Haus. Die miesen Zustände und das Verhalten der Mitbewohner ärgerten ihn, wie er in dem Prozess erklärte. In der Tatnacht zündete er kurz nach 3 Uhr morgens die auf dem Boden liegenden Matratzen in seinem Zimmer im obersten Stockwerk an. Neben der Holztreppe entfachte er ein weiteres Feuer. Dann verschwand er. Das Feuer im Zimmer des 26-Jährigen erlosch von selbst. Den Brand an der Treppe konnten Mieter mit Wasser aus Eimern löschen. Der Tatverdächtige wurde noch am gleichen Tag festgenommen.

Ein Bewohner hatte das Feuer frühzeitig bemerkt. „Ich lag im Bett. Vom Kopf her wurde es mir heiß. Ich habe keine Luft mehr bekommen.“ Der junge Mann erblickte dicken Qualm im Flur: „Alles war komplett voller Rauch.“ Mit anderen Bewohnern ging er hinunter ins Freie. Ein anderer Zeuge kannte den 26-Jährigen von zwei kurzen Begegnungen im Haus. Er berichtete, die Bewohner hätten häufig gewechselt. Wie viele Kinder im Gebäude waren, habe man nie gewusst. An jenem Abend habe er plötzlich dicken Rauch und Brandgeruch bemerkt. Er sei sofort raus aus dem Zimmer, habe zwei Mitmieter geweckt und dann die Feuerwehr verständigt. Die Aussagen der beiden Zeugen deckten sich mit den Beobachtungen anderer Bewohner. Die Angaben mehrerer Personen, deren gegenwärtige Aufenthaltsorte unbekannt sind, verlas das Gericht.

Der psychiatrische Sachverständige bescheinigte dem Angeklagten zur Tatzeit volle Schuldfähigkeit. Eine forensisch relevante Alkoholisierung sei nicht anzunehmen. Kränkungen, Frustrationen und Vergeltungsimpulse seien oft die Motive von Brandstiftern. Das sei hier nicht auszuschließen. Er sei aber „sicher kein klassischer Pyromane“.

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