Rohrdorf – Die Düngeverordnung, ein heißer und trockener Sommer oder die Inflation in der Türkei: Die Viehzüchter haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Das zeigte sich auch beim Züchtertag der Viehzuchtgenossenschaft (VZG) Rosenheim im Zuchtverband Miesbach, der im Gasthaus zur Post in Rohrdorf stattfand. Georg Lechner, der Vorsitzende der VZG Rosenheim, begrüßte im vollen Festsaal auch zahlreiche Ehrengäste.
Stellvertretende Landrätin Alexandra Burgmaier lobte den guten Zusammenhalt im Verband. Er sei eine gute Basis, um die Ziele der Viehzüchter gut zu vertreten. Mit durchschnittlich 50 Kühen im Betrieb sei man hierzulande noch weit weg von einer industriellen Landwirtschaft. Mit dieser „gesunden Größe“ könnten die Landwirte das Beste für das Vieh und die Kulturlandschaft leisten.
Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner zeigte sich beeindruckt von der steigenden Zahl an jungen Landwirten in der Region. Das zeige, dass die Landwirtschaft im Landkreis Zukunft habe. Er machte außerdem darauf aufmerksam, dass das Stimmungsbild in der Gesellschaft nicht immer den Fakten entspreche, aber dennoch einen großen Einfluss auf die Landwirtschaft habe.
Hans Rauchenberger, Vorsitzender des Zuchtverbands Miesbach, gab einen Rückblick über das abgelaufene Jahr. Durch die Düngeverordnung seien einige Landwirte gezwungen gewesen, Vieh abzubauen. Die Hitze und Dürre des Sommers führe zu Preissteigerungen beim Futter und Stroh. Der Kursverfall in der Türkei sorgte dafür, dass der Export dorthin „eigentlich gar nicht mehr läuft“. Dazu kämen hohe Auflagen beim Export durch die Veterinärämter. Der Vorsitzende konnte aber auch ein erfreuliches Ereignis ankündigen: So findet am 23. und 24. März die Bundesfleckviehschau in der Oberlandhalle in Miesbach statt.
Insgesamt, so das Resümee, seien die Zahlen im Großviehmarkt gesunken. Der Stiermarkt in Miesbach sei allerdings einer der besten in Bayern. Beim Kälbermarkt konnte man stabile Auftriebszahlen verzeichnen, hier wies der Vorsitzende auf die Notwendigkeit einer frühen und sachkundigen Enthornung hin.
Geschäftsführer Christian Preßlaber gab einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Verbandes. Er zählte das Jahr 2018 trotz einiger Rückgänge zu den erfolgreichsten Vermarktungsjahren nach einem Rekordjahr in 2017. Insgesamt wurden im Verband 32497 Kälber (157 weniger als in 2017) und 2948 Stück Großvieh (81 weniger als in 2017) vermarktet. Großvieh und Kälber erbrachten im Wirtschaftsjahr 2018 rund 19,5 Millionen Euro. Der Zuchtverband kann damit einen Jahresüberschuss von über 92000 Euro verbuchen. Das Anlagevermögen beträgt rund 8 Millionen Euro.
Johann Niedermaier, Fachberater Rinderzucht, präsentierte Zahlen zur Vermarktung. Demnach wurden in der VZG Rosenheim, der größten im Zuchtverband mit 280 Betrieben, unter anderem 34 Stiere und 305 Jungkühe, insgesamt 614 Stück Großvieh (54 weniger als in 2017) verkauft.
Preßlaber gab einen Überblick über den Kälbermarkt. In der VZG Rosenheim wurden demnach in 2018 insgesamt 6654 Kälber vermarktet (263 mehr als in 2017). Allgemein habe es insbesondere wegen der Futterknappheit Probleme gegeben, sodass die Preise in den Keller sanken. Ein Dauerthema im Verband ist die Enthornung. Preßlaber berichtete von einer Petition norddeutscher Viehhändler, die nur noch enthornte Kälber ankaufen wollen. Während in den Nachbargebieten die Enthornungsquote bereits bei rund 80 Prozent liege, betrage sie im Zuchtverband Miesbach kaum 50 Prozent. Um sich Märkte zu sichern, müsse es gelingen, mehr Kälber enthornt oder natürlich hornlos anzubieten.
Amtstierarzt Dr. Michael Helbing gab einen Überblick über den Status der Blauzungenkrankheit. Der Typ 8 sei in Baden-Württemberg nachgewiesen, dort gebe es daher Einschränkungen bei der Vermarktung. Das Restriktionsgebiet der Ausbreitung betreffe Bayern nicht – das könne sich aber jeden Tag ändern. Die Durchführung einer Impfung sei nur eine Empfehlung. Wenn die Krankheit aber nach Bayern komme, sei eine Vermarktung ohne Grundimmunisierung nicht möglich.
In der abschließenden Diskussion ging es den anwesenden Landwirten insbesondere um den Sinn und den Nutzen der Kälberenthornung.