Rosenheimer Pay-TV-Hacker: Jetzt sind auch seine 461 Käufer dran

von Redaktion

Carsharing ist eine feine Sache. Für Cardsharing, eine neue Masche von Pay-TV-Hackern, gilt das nicht. Im Gegenteil: Wer mit den manipulierten Karten entschlüsselte Zugänge zum Bezahlfernsehen billig im Internet verscherbelt, macht sich strafbar. Und nicht nur er. Auch die Käufer sind dran.

Rosenheim/Landkreis – Das Cardsharing ist nur eine von vielen Facetten von Internetkriminalität, mit der es die Kripo-Fahnder des Kommissariats K11 in Rosenheim zu tun haben. So groß wie das Deliktsfeld ist auch die Dunkelziffer. Die Zahl der Betroffenen wächst. Deshalb rückt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd jetzt das Thema Cybercrime in den Vordergrund. Eines der Ziele: Die Menschen dazu zu bringen, sich so gut wie möglich vor Betrug, Datenklau oder sonstigen bösen Überraschungen zu schützen (siehe Infobox).

Zumal sich Käufer von dubiosen Angeboten im Internet unter anderem selbst strafbar machen. So geschehen im Mammutverfahren gegen einen 27-jährigen Mann aus dem südlichen Landkreis Rosenheim, der an mehrere Hundert Kunden illegal TV-Signale verkauft hat. Der Fall sorgte im Mai 2018 deutschlandweit für Aufsehen. Reich geworden ist der 27-Jährige dabei nicht, weil er seine Abnehmer zum Schnäppchenpreis mit den illegalen Zugängen oder manipulierten Receivern ausstattete. Den betroffenen TV-Anbietern ist dadurch aber ein enormer Schaden entstanden. Nach aktuellem Ermittlungsstand sind es rund 770000 Euro.

Der Großteil der bislang ermittelten 461 Käufer – private und gewerbliche Abnehmer, darunter zahlreiche Wirte – stamme aus der Region, weil Mundpropaganda und Whatsapp bei dem „Geschäftsmodell“ eine große Rolle spielten.

Auch die Nutzer müssen jetzt mit einem Verfahren rechnen. Wer sich nur das IPTV-Signal fürs Internetfernsehen gekauft hat, ist wegen Urheberverletzung dran. Bei den Käufern, die sich ihre Wunschsendungen direkt per manipuliertem Receiver vom Pay-TV-Anbieter auf ihr Gerät holten, kommt auch noch Computerbetrug dazu.

Polizeipräsident Robert Kopp und der Rosenheimer Kripo-Chef Bernd Hackl gaben gestern Einblicke in den spektakulären Fall und die gewaltige Dimension der Verfahren. So waren bei der Großrazzia, die im Mai 2018 zur Festnahme des 27-Jährigen führte, rund 50 Beamte und 14 forensische Sachverständige im Einsatz. Sichergestellt wurden unter anderem fünf Server, 135 Receiver, zehn Computersysteme und 40 Mobiltelefone. Seither ist die vierköpfige Ermittlungsgruppe „Streams“ im K11 noch immer dabei, 100 Terrabyte an Daten auszuwerten. Das sind 100000 Gigabyte – ein unendliches Datenmeer.

Dabei verfolgen die Ermittler ein großes Ziel: „Wir wollen an die zwei Hintermänner herankommen, die die Receiver zur Verfügung gestellt haben“, sagt Hackl. Polizeipräsident Kopp ist zuversichtlich, dass das gelingt. Er sieht die Polizei im südlichen Oberbayern gut aufgestellt. Seit März 2017 verfügen alle drei Kripo-Standorte (Rosenheim, Traunstein, Weilheim) über ein Kommissariat Cybercrime. Zu den Ermittlerteams gehören auch immer mehr sogenannte IT-Kriminalisten: Informatiker mit abgeschlossenem Studium, die eine einjährige Polizeiausbildung hinter sich haben.

Eselsbrücken und das BSI helfen

Phishing, Datenleaks, Datendiebstähle, Internetmobbing und so fort. Gefahren im Netz gibt es viele. So wie man sein Zuhause mit gut gesicherten Türen und Fenstern vor Einbrechern schützen kann, so kann man es auch Computer- und Internetbetrügern schwer machen, an persönliche Daten heranzukommen. „Man sollte sich zum Beispiel bei den achtstelligen Kennwörtern Eselsbrücken bauen und sie regelmäßig ändern“, rät Kripo-Chef Bernd Hackl. Wo gibt es weitere Verhaltenstipps? Christian Langenmair, Präventionsbeauftragter des Polizeipräsidiums, verweist auf die Internetseite des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): „Die kann ich den OVB-Lesern nur wärmstens empfehlen.“

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