Spaziergang mit Löwen

von Redaktion

Mit Löwen durch den Busch spazieren, auf Elefanten im Fluss reiten, beim romantischen Sonnenuntergang einen Drink nehmen – was für eine filmreife Kulisse! Wie im Antilope Park von Simbabwe. Doch Viviane Aicher aus Aschau trieb etwas ganz anderes dorthin.

Rosenheim – Besonderen Tieren in deren Lebensraum begegnen, das findet Viviane Aicher sehr spannend. Dass sie sich kürzlich ihren Traum erfüllte, daran war ein Buch schuld. Denn: In „Frühstück mit Elefanten“ beschreibt die Autorin ihren Weg raus aus Berlin hin zu einer Ausbildung als Safari-Rangerin in Namibia, wo sie auch Praktikanten anleitet.

Viviane Aichers Neugier war geweckt. „Ich mag Tiere generell. Und alles, was mich aus der Komfortzone herausbringt und Grenzen austesten lässt“, sagt die Aschauerin. Sie stieß im Internet auf eine solche Möglichkeit: Als Praktikantin im Antilope Park von Simbabwe intensiv mit Löwen leben – für zwei Wochen. Mit „Tigern“ hatte Viviane Aicher bereits Erfahrung – zwei solcher Stuben-„Tiger“ schnurren bei ihr zu Hause.

Das hier war aber eine andere Nummer. Im Antilope Park hieß es: Löwen-Gehege säubern, wässern und mit Löwenkindern „Gassi“ gehen. Etwa ein Jahr alt waren die zwei bis drei Jungtiere, die mit Viviane Aicher sowie Park-Aufseher (einer pro Tier) durch den Busch streiften, manchmal war eine ganze Gruppe von Praktikanten dabei. „Man muss sich das so vorstellen, als ginge man mit jungen Hunden spazieren.“ Die Löwen laufen frei herum, spielen oder wollen eine Pause machen und legen sich einfach an Ort und Stelle hin. Dann muss man sie geduldig zum Weiterlaufen animieren.

Mit Streicheleinheiten zum Beispiel? „Streicheln darf man, aber nicht am Kopf“, sagt die Aschauerin und weist auf Verhaltensregeln hin, über die bei jedem Ausgang wieder neu informiert werde. Untersagt ist die Kopfberührung, weil der Junglöwe bei einer unkontrollierten Bewegung den Menschen verletzen könnte und sich der Kratzer möglicherweise entzündet – bis hin zur Blutvergiftung. Denn: Löwen sind Aasfresser, die somit entstehenden Bakterien im Tiermaul könnten bei Infizierung Lebensgefahr heraufbeschwören. Auch wichtig: Keine rote Kleidung tragen. Rot verbinden Löwen mit Blut.

Bei der Fütterung der Tiere – einmal pro Woche gab es unter anderem Esel- oder Antilopenfleisch – hielt sich die Aschauerin zurück. „Es reichte, die Reste im Gehege aufzusammeln.“ Eine angenehmere, aber nicht unbedingt gut duftende Seite: Spielzeug für die Löwen basteln, damit ihnen nicht langweilig wird. Elefantendung wurde in Heu eingewickelt und mit etwas Thymian garniert. Das Ganze wurde im Gehege aufgehängt. „Wie wenn Katzen sich mit ihrem Spielzeug beschäftigen, machen das auch Löwen liebend gerne.“

Auswilderung

nur für Flaschenkinder

Es ging im Antilope Park aber nicht nur um einen netten Aufenthalt. Der Park verfolgt ein striktes Auswilderungsprogramm. Löwenbabys, im Gehege geboren, werden ihrer Mutter weggenommen und mit der Flasche groß gezogen. Grund: Gewöhnen sie sich zu sehr an die Käfige, können sie später nicht in die Wildnis entlassen werden. So aber lernen sie auch durch die Spaziergänge Freiheit und Natur kennen. „Und sie folgen von klein auf ihrem Jagdinstinkt. Das war bei unserem Löwen-Walk immer wieder zu beobachten“, sagt Viviane Aicher, die sich auch mit Elefanten anfreundete. Der Park hat ein Extra-Gehege für Waisen-Elefanten. Und auch das stand auf dem „Stundenplan“: „Mit der Machete Bäume stutzen.“

Vor der Reise nach Simbabwe hatte Viviane Aicher einen wahren Impfcocktail über sich ergehen lassen. Etwa gegen Tollwut, auch vorsorglich gegen Gelbfieber, da der Flug über Sambia führte. Das war goldrichtig. Denn der Flieger „ging beim Auftanken kaputt, wir wurden über Nacht in ein Hotel einquartiert“. Am nächsten Tag wäre das Ersatzflugzeug für die Oberbayerin viel zu spät am Flughafen in Harare/Simbabwe gelandet, um – wie verabredet – die Gruppe der Mitreisenden zum Antilope Park zu treffen. Von dort mussten alle eine sechsstündige Busfahrt bis zum Park bewältigen. „Ich habe einen Aufstand in Sambia gemacht, schließlich wurde ich umgebucht und traf rechtzeitig ein.“ Dafür gab´s bei der Ankunft Applaus von der Gruppe.

Viviane Aicher hat schon den nächsten Traum. Zum Beispiel als Praktikantin mit Lemuren leben. Zunächst aber steht der Katamaran-Schein am Gardasee in diesem Jahr an, ein Wunsch des Ehemannes. Er verzichtete auf Simbabwe. „Weil er meint, Urlaub muss entspannend sein. Als er später meine Fotos sah, hat er es doch ein wenig bedauert.“ Andere im Umfeld staunten, dass jemand Geld ausgibt (Flug, Unterbringung und Essen im Antilope Park) und dafür noch (als Praktikant) arbeitet. Der Park hat indes auch ein Community-Programm, in dessen Rahmen die Aschauerin an einem Tag Schulkinder in Lesen und Schreiben unterrichtete. Auf Englisch, der Amtssprache.

Übrigens vergnügten sich die Löwen mit einem Badetuch mit Aschauer Motiven, das Aicher dabei hatte. Für den Leiter der Tourist-Info in Aschau und Sachrang, Herbert Reiter, ein Beweis, „dass das Bankerldorf am Fuße der Kampenwand vielseitig und begehrt ist“.

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