Samerberg – Mit dem Ruhestand – das sagt schon der Name – beginnt die entspannte Phase des Lebens. Normalerweise. Christoph Mayer aus Samerberg gestaltet seinen Start ins Rentnerdasein etwas anders. Der 65-Jährige, der die vergangenen acht Jahre als Geschäftsführer für die Brückner Group China in Suzhou verbracht hat, befindet sich derzeit auf dem Heimweg, zurück nach Deutschland. Mit dem Fahrrad. „Ich habe schon sehr früh den Wunsch entwickelt mich aufs Fahrrad zu setzen und heimzuradeln, wenn ich beruflich aufhöre“, sagt Mayer.
Seit dem 2. Januar ist er unterwegs. Schon auf der ersten Tagesetappe offenbaren sich die Herausforderungen, mit denen er die nächsten zehn Monate zu kämpfen haben wird. Es geht durchs Stadtgebiet von Suzhou, entlang des Tai Hu Sees und endet nach 85 Kilometern in Nanxun. „Es ist schon gewöhnungsbedürftig, mit gut 30 Kilogramm Gepäck Radl zu fahren“, schreibt Mayer im Blog auf der eigens für die Tour eingerichteten Homepage mit dem Namen „Hoamzua“. Kein Problem, als ehemaliger Geschäftsführer denkt man lösungsorientiert. „Man darf nur nicht anhalten, wenn’s mal dahinrollt.“
Zumindest während der ersten zweieinhalb Monate rollt Mayer nicht alleine – Ehefrau „Ibo“ Ingeborg begleitet ihren Abenteurer. „Wir wollen noch einmal gemeinsam viele dieser wunderbaren Orte, die wir bereits bereist haben, sehen und erleben.“ Bis in die abgelegensten Regionen des Landes nahe Laos und Myanmar sowie an die nordkoreanische Grenze hat es die Mayers schon verschlagen. Mit dem Auto, aber auch mit dem Drahtesel. Mayer hält es da wie der ehemalige US-amerikanische Jurist und Politiker Claude Pepper: „Leben ist wie Radfahren, du fällst nicht, solange du indie Pedale trittst.“ Bis November wird der 65-Jährige also ganz sicher nicht fallen.
Bei Verabschiedung fließen die Tränen
Den Silvesterabend verbringen die Mayers noch in China. Die Wohnung ist zu diesem Zeitpunkt schon fast vollständig ausgeräumt, die Fahrräder stehen abfahrtsbereit auf dem Firmengelände. Dann wird es emotional: Bei der Firmen-Abschiedsfeier schmettern die Mitarbeiter in der Eingangshalle „Go West“ von den Village People, es fließen Tränen. „Wir waren tief beeindruckt.“ Dann brechen die Mayers auf: aus dem Konfettiregen ins größte Abenteuer ihres Lebens.
Zunächst, im Januar, 1800 Kilometer von Suzhou bis Longsheng, im Februar 1600 Kilometer bis Lijiang. Die Nächte verbringen die Mayers in Hotels, die Tage im Sattel. Für Ende Mai ist die Ankunft in Kasachstan geplant, von dort geht es weiter nach Kirgisistan. Von da an reist Mayer wieder in Gesellschaft. „Es werden zwei Freunde dazukommen. Einer für etwa vier Wochen, der andere auf unbestimmte Zeit.“ Der zumindest in Teilen gemeinsame Weg führt dann über Turkmenistan, den Iran und die Balkanroute nach Deutschland. Das ist jedenfalls die Planung: „Wenn ich alles fahren kann, wenn nicht politische oder sonstige Gründe die Routenwahl beeinflussen.“
Sobald Mayer wieder europäischen Boden betritt, soll auch das Wiedersehen mit der Ehefrau erfolgen. „Sie kommt mir entgegen, um den letzten Monat dabei zu sein.“ Noch einmal gemeinsam strampeln, dann dürfen die Mayers ihren tatsächlichen Ruhestand genießen.