So „gendern“ unsere Behörden

von Redaktion

Ein Leitfaden der Stadt Augsburg sorgt bayernweit für Aufsehen. Darin werden Mitarbeiter angehalten, geschlechtersensible Sprache zu verwenden. Eine Neuerung, die auch auf die Behörden in der Region zukommt?

Rosenheim – Fachkraft statt Fachmann, Teamleitung statt Teamleiter und Teilnehmende statt Teilnehmer – Angestellte der Stadt Augsburg unterliegen in ihrer Wortwahl künftig einem Gender-Regelwerk. Wie berichtet, sind in der sogenannten „Arbeitshilfe für die Verwendung geschlechtssensibler Sprache“ beispielhaft Formulierungen aufgeführt, die künftig vermieden werden sollen. Sinnvoll oder Schwachsinn?

Bürgermeister amüsiert sich

Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo (SPD) kann es nicht glauben: „Ja, ist denn heute Faschingsdienstag?“, fragt er gegenüber unserer Zeitung und lacht schallend. Nein. „Der 1. April?“, fragt er weiter. Denn an diesem besagten Tag wäre der Rathauschef für alle Späße zu haben. Kloo kann es nicht fassen: „Also mit so einem Blödsinn kann und möchte ich mich nicht beschäftigen“, sagt er und deshalb komme die „gendergerechte Sprache“ auch nicht ins Kolbermoorer Rathaus. Allerdings erinnert er sich an eine Diskussion im Stadtrat, als die Gender-Diskussion aufkam: „Damals schlug eine Dame vor, nicht ausschließlich vom Kriegerdenkmal zu sprechen.“ Sie setzte sich für „Krieger- und Kriegerinnendenkmal“ ein. Gegenwind erhielt sie allerdings nicht von den Herren, sondern von den Stadträtinnen.

Auch im Bad Aiblinger Rathaus steht das Thema aktuell noch nicht auf der Agenda. „Das müsste erst einmal intern besprochen werden. Bestrebungen, sich den Modellen aus Hannover oder Augsburg anzuschließen beziehungsweise einen Sprachleitfaden zu erlassen gibt es im Moment nicht“, sagt Geschäftsführer Jürgen Stadler.

„Divers“ in Ausschreibungen

Im Wasserburger Rathaus sind die Verantwortlichen bereits einen Schritt weiter. Zwar gibt es bislang keine verbindliche Anweisung zu bestimmten Begriffen wie Fachmann beziehungsweise Fachkraft. Aber: „Wir bemühen uns schon lange, möglichst geschlechtsneutral zu formulieren“, sagt Bürgermeister Michael Kölbl. „Das Gender-Sternchen gibt es bei uns nicht.“ Bei Stellenausschreibungen der Stadt heißt es längst w/m/d, also weiblich, männlich und divers.

Genauso verfährt die Gemeinde Bernau. Sowohl was das „d“ bei Stellenanzeigen angeht, als auch hinsichtlich der Wortwahl. „Es werden bereits geschlechterneutrale Formulierungen verwendet“, teilt Bürgermeister Philipp Bernhofer auf Anfrage mit. Zur Einführung des Gendersterns gebe es bislang keine Überlegungen.

Beim Landratsamt Rosenheim wird statt des „d“ das sogenannte Gender-Gap verwendet. „Damit möchten wir möglichst alle Menschen einbeziehen und ansprechen“, sagt Pressesprecherin Ina Krug. „Also auch diejenigen, die sich nicht in das übliche Zwei-Geschlechter-Modell einordnen, die zwischen oder jenseits einer reinen Frau-Mann-Einteilung leben.“

Was den Sprachgebrauch innerhalb der Rosenheimer Kreisbehörde angeht, so gibt es bislang kein umfassendes Gender-Regelwerk. Noch nicht: „Natürlich werden auch wir uns in nächster Zeit intensiver mit dem Thema beschäftigen“, sagt Krug. „Möglicherweise wird es hier auch Vorgaben von den vorgesetzten Stellen, wie der Regierung von Oberbayern oder dem Ministerium geben, welche wir für das Landratsamt übernehmen können.“

„Nicht allen Trends hinterherlaufen“

Ein Regelwerk gibt es auch in Rosenheim noch nicht, dennoch achtet die Stadt laut Pressesprecher Christian Schwalm seit Langem auf eine diskriminierungsfreie Sprache. Etwa Studierende, Teilnehmende, Beschäftigte und Fachkräfte. Eben dann, wenn es für sinnvoll erachtet wird. „Wir sind überzeugt davon, dass sich in Rosenheim Männer nicht vom hergebrachten Begriff „Mütterberatung“ diskriminiert fühlen“, sagt Schwalm. Das „d“ bei Stellenanzeigen wird bereits seit Jahresbeginn systematisch angewandt.

Gleichzeitig mahnt der Pressesprecher: „Man sollte nicht allen aktuellen Modetrends in der Aufstellung bürokratischer Regeln hinterherlaufen.“ Schwalm zitiert in diesem Zusammenhang einen Kommentar von Aglaja Adam in der gestrigen Ausgabe der OVB-Heimatzeitungen: „Eine Sprachlenkung von oben beseitigt keine Vorurteile und sexistischen Denkmuster“.

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