Rosenheim – Drei der spektakulärsten Fälle, mit denen sich eine Sonderkommission (Soko) des Polizeipräsidiums Süd befassen musste, datieren aus dem Jahr 2014. Die Soko „Amsel“ wurde im Juni gebildet und ging dem Verdacht von Entführung und Doppelmord nach. Dabei hofften die Ermittler 62 Stunden lang, die Opfer lebend zu finden. Aber: Von Anfang an hatte es sich um einen Doppelmord aus Habgier gehandelt.
Der Fall: Der 90-jährige Dr. R. aus Rosenheim und seine 64-jährige Ehefrau werden vermisst. Die Soko fand im Zweitwohnsitz des Paares in Aschau ein Schreiben, das auf eine Entführung hindeutet. Dann wird ein 46-jähriger Tatverdächtigen festgenommen, ausgelöst „aufgrund des Lichtbilds einer Abhebung mit der Debit-Karte des Ehepaares“, wie die Festschrift zum „Zehnjährigen“ des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd berichtet. Der Mann gibt an, eine nächste Abhebung mit Geldübergabe sei im Salingarten in Rosenheim. Dort greift die Soko zu. Der festgenommene 58-Jährige gesteht trotz acht- und sechsstündiger Vernehmungen durch erfahrene Ermittler zunächst nicht, dann aber, dass er das Ehepaar schon Tage zuvor getötet hat. Das Urteil: Lebenslange Haft mit Feststellung der Schwere der Schuld.
Gewaltverbrechen sorgt für neue Taktik
Soko „14. Juli“: Es ist der Tag nach dem WM-Triumph der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. In Bad Reichenhall beendet ein brutales Gewaltverbrechen die euphorische Stimmung. In der Nacht wird ein 70-jähriger Mann auf dem Nachhauseweg von einem unbekannten Täter durch circa 30 Messerstiche, die meisten davon im Kopfbereich, tödlich verletzt. Kurz darauf wird eine 17-Jährige am Ortsausgang auf dem Heimweg in aller Öffentlichkeit mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt. Beide Opfer stehen nicht in Kontakt zueinander. Wochenlang wird gefahndet, von der Operativen Fallanalyse bis zu Netzwerkfahndern des Landeskriminalamtes, von Mordermittlern und Spurensicherern. Etwa 60 Mann ermitteln. Der Durchbruch kommt mit Auffinden der Tatwaffe, einem Kampfmesser der Bundeswehr. Verdächtig: Ein 20-jähriger Bundeswehrangehöriger. R. wird dann in Norwegen festgenommen und von Kriminalbeamten der Inspektion Traunstein vernommen. Er schweigt jedoch, wie auch während des Gerichtsprozesses. Urteil nach Jugendstrafrecht: 14 Jahre Haft wegen Mordes und Schwerer Körperverletzung. Die schwierigen, aber letztlich sehr erfolgreichen Ermittlungen der SOKO „14. Juli“ bringen wertvolle Erkenntnisse für die SOKO-Arbeit nicht nur in Oberbayern Süd, sondern auch für die Bayerische Polizei. So ist der Einsatzabschnitt „Taktische Betreuung“ nunmehr Standard in den Soko-Konzepten.
Soko „Höfen“: Es ging in Königsdorf-Höfen im Februar 2017 um Raubmord. Zwei Menschen werden auf brutale Weise getötet und eine Person lebensgefährlich verletzt. 59 Mann stark ist die Soko der Kriminalpolizeiinspektion Weilheim und der Kriminalpolizeistation Garmisch-Partenkirchen in Spitzenzeiten, dazu kommen 15 Unterstützungskräfte aller Kriminal-Dienststellen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Die Tat wird aus vielen Mosaiksteinchen rekonstruiert. Eine Pflegekraft weiß um die Vermögenswerte im Haus der Opfer und informiert ihren schwer kriminellen Bruder. Ihr Sohn und ein Freund beteiligen sich am „Beutezug“. Sie schlagen mit massiver Gewalt eine Bewohnerin bewusstlos, die vermutlich noch in der Tatnacht verstirbt und stürzen sich auf die 78-jährige Hauseigentümerin sowie einen 81-jährigen Bekannten. Bei den brutalen Schlägen verwenden sie auch einen großen Schraubenzieher, eine Stabtaschenlampe und ein circa ein Kilogramm schweres Uhrengewicht. Auch der 81-jährige Mann verstirbt vermutlich noch in der Tatnacht, die Frau wird in letzter Sekunde aus der Lebensgefahr gerettet. Die drei Haupttäter werden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, die Hinweisgeberin erhält acht Jahre Haft.