„Dachten, er ist nicht der Typ dafür“

von Redaktion

Prozess um Mord an 53-Jähriger: Arbeitskollege des Angeklagten im Zeugenstand

Schnaitsee/Traunstein – Der 22 Jahre alte Geschäftsführer einer Internet-Firma wusste nicht, dass einer seiner beiden Kompagnons dem zweiten bei der Beseitigung von dessen toter Mutter geholfen hatte. Das schilderte der Zeuge im Prozess der Jugendkammer Traunstein als Schwurgericht gegen einen 21-jährigen, der seine Mutter (53) in Altenmarkt ermordet und mithilfe des dritten Geschäftspartners (20) in einem Wald bei Schnaitsee vergraben haben soll. Der 20-Jährige hatte vor Gericht seinen Tatbeitrag gestanden und war schließlich Anfang Dezember freigesprochen worden (wir berichteten).

Gemäß Staatsanwalt Markus Andrä soll der Sohn seine Mutter am 15. September 2017 nach einem Biss in den Mund massiv gewürgt und später mit einem Zimmererhammer erschlagen haben. Zwischendurch soll er versucht haben, der 53-Jährigen das Genick zu brechen. Nach den todbringenden Schlägen soll er der Sterbenden eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt haben. Beim Verpacken der Leiche mit Kunststofffolien, beim Transport mit einem Pkw und beim Vergraben der Toten nachts im Wald half der 20-jährige Trostberger. Der 21-Jährige meldete seine Mutter damals als vermisst. Die Leiche fanden spielende Kinder am 22. November 2017 zufällig im Wald.

Etwa Mitte 2017 hatten die drei jungen Männer ein Internet-Unternehmen gegründet. Das Studio lief träge an. Seit eineinhalb Jahren entwickelte es sich etwas „produktiver“, wie der 22-Jährige am gestrigen elften Verhandlungstag in der nach wie vor nichtöffentlichen Sitzung informierte. Derzeit sei er Geschäftsführer und habe ein Team von Mitarbeitern aufgebaut: „Der Angeklagte macht natürlich nicht mehr mit.“

Mutter war

„eine sehr nette Frau“

Der Zeuge hatte den 21-jährigen Geschäftspartner zu Lebzeiten der 53-Jährigen mehrfach zu Hause besucht, war der Mutter dabei selten begegnet. Sie sei „eine nette Frau“ gewesen, habe sie einmal zu einem gemeinsamen Urlaub gefahren, habe sie aber auch gelegentlich angeschnauzt. Das Verhältnis des 21-Jährigen zu der Mutter habe „normal“ gewirkt: „Dass sich das Verhältnis geändert hätte, ist an mir vorbeigegangen.“ Dass die 53-Jährige ab Mitte September 2017 vermisst wurde, habe er aus den Medien erfahren, betonte der Zeuge. Anfangs habe man sich weniger Sorgen gemacht. Auf die Frage, ob die Mutter wieder aufgetaucht sei, habe der Angeklagte lapidar erwidert: „Ich weiß es nicht. Ja, wo bleibt sie denn?“ Wie nebenbei habe er erwähnt, sie habe Geld abgehoben und sei anschließend damit „abgehauen“. Das Thema sei jedoch schnell „abgehakt“ worden, erinnerte sich der junge Geschäftsführer.

In der Zeit zwischen Verschwinden und Entdecken des Leichnams verhielt sich der Sohn „ganz normal“, fuhr der 22-Jährige fort. Vom Bruder des 20-Jährigen habe er gehört, dass die Polizei den Angeklagten abgeholt habe. „Dann kam immer mehr heraus. So etwas hatte ich nicht vermutet. Keiner hatte mir etwas gesagt.“

Zeuge: Sohn war

nicht der Typ dafür

Er und seine Umgebung hätten das Geschehen zunächst „nicht wahrhaben wollen“: „Wir dachten, er ist nicht der Typ dazu, so etwas zu machen.“ Er sei geschockt gewesen, als ihm der 20-Jährige alles bestätigte, was er bis dahin gehört hatte. „Mit der Zeit hat er mich aufgeklärt.“ Wie genau die 53-Jährige zu Tode kam – darüber habe man nicht gesprochen, beteuerte der Geschäftsführer.

Der Vater des mutmaßlichen Täters – er hatte früher drei volle Geständnisse abgelegt, schweigt aber in dem Verfahren – reagierte nach Worten des 22-Jährigen „kühl und abgeklärt“: „Er sagte, es stimmt schon so … Ja, das hat er gemacht. Er muss ins Gefängnis … Er ist sowohl Opfer wie er Täter ist. Dafür muss er geradestehen.“

Der Vater selbst tritt am 15. Februar in den Zeugenstand. Nach aktuellem Stand sind für 22. Februar die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sowie das Urteil vorgesehen.

Artikel 3 von 11