Rosenheim – Eine ausgezeichnete Sicherheitslage, eine sehr gute Aufklärungsquote und ein transparenter Umgang zwischen Polizei und Bevölkerung – Festredner Innenminister Joachim Herrmann war voll des Lobes für die Arbeit der etwa 2800 Mitarbeiter und der Führungsriege im Polizeipräsidium Oberbayern Süd.
Schon bei der Inbetriebnahme vor zehn Jahren wurde es als „Herzstück“ vorgestellt, die moderne Einsatzzentrale in Rosenheim. Polizeipräsident Robert Kopp verweist auf die hervorragende technische Ausstattung, die grundsätzlich mit dieser Einsatzzentrale eingeleitet wurde. Der Digitalfunk beispielsweise funktioniere auch da, wo der analoge Funk versagt. Fotos könnten direkt und schnell in die Polizeifahrzeuge übermittelt werden, einen Fingerabdruck zu vergleichen brauche nur wenige Minuten.
Ein weiterer Aspekt ist die Schleierfahndung. Hier würden im März 30 Beamte zusätzlich für die Grenzpolizei eingestellt. Das stärke immens das bisherige Erfolgsrezept. In Bayern selbst, so wusste der Polizeipräsident im Gespräch mit unserer Zeitung, würden bis 2023 insgesamt 3500 Stellen für die Polizeiarbeit besetzt.
Eine Weiterentwicklung der Polizeiarbeit in den vergangenen zehn Jahren sieht Kopp in der professionellen, taktischen Ausrichtung, beispielsweise beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau im Jahr 2015. Die Einsatzformen hätten sich sehr verändert. „Stichwort Kräfte-Sammelstelle. Wenn wir 100 Fahrzeuge dort stehen haben, muss alles taktisch ausgerichtet sein.“ Man könne nicht ein Fahrzeug irgendwo und irgendwie aus der Mitte des Autopulks herausfahren, verdeutlicht er.
Als traditionell gut bezeichnet Kopp den Umgang der Polizei mit der Bevölkerung und umgekehrt. Die Offenheit und Transparenz sowie die Erwartung nach mehr Sicherheit sei gewachsen. Ein Beispiel: Die Menschen sahen die Polizei, wenn sie verstärkt etwa bei Volksfesten auftrat, zuvor nach dem Motto „Habt Ihr nichts Besseres zu tun?“. Kopp: „Aber heute können wir gar nicht zu viele sein, ob bei Konzerten oder bei Sportveranstaltungen, die Menschen wollen uns sehen.“ Der Polizeipräsident sieht für diese Haltung verschiedene Ursachen. Terror zum Beispiel, aber auch Wohnungseinbrüche – „die zum Glück in unserem Dienstbereich zurückgegangen sind. Allerdings habe ich noch keine Zahlen für 2018, die kommen im März“. Auch das „optische Straßenbild“ trage zu mehr Empfindlichkeiten und eingetrübtem Sicherheitsgefühl bei.
Präsidium entsteht durch Polizeireform
Der offene Umgang miteinander zeigt sich auch an Reaktionen durch die „Offensive 110“, eine Idee, die Kopp aus seiner Münchner Zeit zum Polizeipräsidium mitbrachte, als er dort die Leitung übernahm. Sie animiert und motiviert den Bürger zur Achtsamkeit. „Wenn sich jemand verdächtig im Hausflur aufhält, eine Scheibe nachts klirrt – man kann zwar für alles eine Erklärung haben, aber uns hier über den Notruf zu verständigen, das ist das Richtige.“ Etwa 170 solcher Anrufe pro Jahr registriert das Präsidium – wobei es laut Kopp auch möglich ist, dass der Anrufer sich ohnehin gemeldet hätte.
Wie entstand das Polizeipräsidium Oberbayern Süd? Am 1. Januar 2009 griff die Polizeireform. Dadurch wurde das damalige Polizeipräsidium Oberbayern (München) aufgelöst und in die Präsidien Oberbayern Nord (Ingolstadt) und Oberbayern Süd in Rosenheim geteilt. Hier wiederum sorgen die 2800 Mitarbeiter für die Sicherheit von 1,3 Millionen Bürgern – in der kreisfreien Stadt Rosenheim sowie in den neun Landkreisen: Rosenheim, Mühldorf, Miesbach, Traunstein, Altötting, Berchtesgadener Land, Weilheim-Schongau, Bad Tölz Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen. Das „Betreuungsgebiet“ umfasst eine Fläche von knapp 9200 Quadratkilometern sowie einen 438 Kilometer langen Grenzbereich zu Österreich. Gerade diese Grenze sei durch die Flüchtlingsströme vor drei, vier Jahren ebenso zu einer großen Herausforderung für die bayerische Polizei geworden, sagte Staatsminister Herrmann, wie Verbrechensbekämpfung, islamistische Terroranschläge zu verhindern und für Sicherheit auf den Straßen zu sorgen. „Polizeiaufgaben sind mehr als spektakuläre Schlagzeilen“, sagte er und dankte der Polizei, und auch den Hilfs- und Rettungskräften, für ihr großes Engagement und ihre Motivation. Die Sicherheit der Bürger, speziell in Rosenheim, thematisierte auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. „Für uns in Rosenheim bleibt die Polizei ein Garant für Ordnung, Sicherheit und Stabilität.“ Das gelte auch für das Netz an Video-Überwachung besonders gefährdeter Areale in der Stadt, das vor allem der Verwahrlosung und dem Vandalismus vorbeugen solle. Es sei immer wieder zu überlegen, wo zum Schutz der Bürger weitere Überwachungskameras sinnvoll und notwendig seien.
Im Vorjahr hatte der Kriminaldauerdienst sein Zehnjähriges begangen, eine Art Feuerwehr der Kriminalpolizei. Sie steht etwa bei Tötungsdelikten und schweren Unglücksfällen wie dem Zugunglück in Bad Aibling in vorderster Reihe, um die ersten wichtigsten Maßnahmen zu treffen. Das furchtbare Zugunglück erforderte dem Minister zufolge einen „gigantischen Einsatz“. Man habe gespürt, welcher Belastung, auch psychischer Art, Polizei und Hilfskräfte ausgesetzt waren. Es sei aber auch ein Zeichen von funktionierender Zusammenarbeit gewesen, dem mancher Schwerverletzte sein Leben zu verdanken hätte.