Zellerreit/Grafing – Der vergangene Montag ist nur ein Auszug aus Bauers 25-jähriger Pendler-Laufbahn – dennoch steht er exemplarisch für die Missstände, die der 56-jährige seit etwa einem Jahr beim Meridian bemerkt. Zugausfälle, überfüllte Züge und neuerdings sogar Ohnmachtsfälle.
So wie am Montag. Als Bauer um kurz nach sieben Uhr morgens den Grafinger Bahnsteig betritt, ahnt er es bereits: Auch heute wird der Zug wieder aus allen Nähten platzen. „In den vergangenen drei Wochen bin ich jeweils fünf Tage mit diesem Zug gefahren. Viermal wurden kurze Züge eingesetzt“, erzählt er. Schon für sich allein genommen ein Ärgernis. Als der Zug einfährt, traut Bauer seinen Ohren nicht. „Der Zugführer hat die Fahrgäste per Durchsage gebeten, die S-Bahn zu nehmen. Sonst würde er aus Sicherheitsgründen nicht weiter fahren.“
Das Problem: Die S-Bahn fährt deutlich mehr Haltestellen an, als der Meridian und braucht damit auch deutlich länger. Die logische Konsequenz: Die Durchsage des Zugführers zeigt keine Wirkung, die Pendler steigen trotzdem ein. „Wir standen dicht gedrängt, wie die Ölsardinen“, sagt Bauer.
Die Konsequenzen ereilen wenig später eine junge Frau. „Sie ist zusammengeklappt und war auch bewusstlos“, erinnert sich Bauer. Weil sich die Frau nur sehr langsam erholt, verständigen Fahrgäste den Lokführer. Der wiederum beordert einen Notarzt zum Ostbahnhof. Die junge Frau hat Glück im Unglück: Während der Fahrt zum Ostbahnhof wird sie von einer anderen Frau versorgt. „Sie hat einen sehr professionellen Eindruck gemacht“, sagt Bauer. „Ich nehme an, sie war Ersthelferin.“ Als der Zug schließlich am Ostbahnhof einfährt, warten bereits acht Mitarbeiter des Rettungsdiensts.
Das Schlimmste aus Bauers Sicht: Der Vorfall vom Montag ist kein Einzelfall. „Das war jetzt schon der dritte Ohnmachtsfall in diesem Zug.“ Zumindest der dritte, den Bauer selbst miterlebt hat. Ein Bekannter habe einen weiteren Ohnmachtsfall miterlebt. „Da war es im Zug aber so eng, dass die Frau keinen Platz hatte, umzufallen.“
Die Lösung liegt auf der Hand: mehr Kapazitäten. Nun stellen sich viele die Frage: Warum setzt der Meridian nicht einfach längere Züge ein? Eine Sparmaßnahme? „Es handelt sich definitiv nicht um eine Sparmaßnahme“, sagt Unternehmenssprecherin Anna Graser.
„Wir sind uns der Auswirkungen der Schwächungen durchaus bewusst.“ Allerdings befänden sich derzeit einige Fahrzeuge in der Werkstatt und stünden damit nicht für den Fahrbetrieb zur Verfügung. Die Folge: „Wir müssen derzeit leider gelegentlich einzelne Verbindungen schwächen. Wir arbeiten intensiv daran, die Fahrzeugverfügbarkeit zu verbessern.“
Offenbar handelt es sich also um ein zeitlich begrenztes Problem – inzwischen scheint auch Besserung in Sicht. „Am Dienstag und am Mittwoch waren jeweils längere Züge unterwegs“, sagt Bauer zu den OVB-Heimatzeitungen. Ob das auch so bleibt? Graser: „Insofern die Fahrzeugverfügbarkeit gegeben ist, ja.“