„Bienenretter“ machen ersten Stich

von Redaktion

18,8 Prozent unterzeichnen Begehren in Stadt und Landkreis Rosenheim

Rosenheim/Traunstein – Das konnte man in dieser Klarheit in der Region nicht erwarten: Fast jeder fünfte Wahlberechtigte hat das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ unterzeichnet: 19,2 Prozent waren es im Landkreis Rosenheim, 17,7 im Kreis Traunstein und 16,8 im Kreis Mühldorf.

In der Stadt Traunstein lag die Quote sogar bei 20,3 Prozent, in Mühldorf bei 18,1 Prozent und in Rosenheim bei 16,9 Prozent. Spitzenreiter: Brannenburg mit 25,3 Prozent. Damit ist klar: Im Ringen um den Königsweg im Kampf gegen das Artensterben haben die „Bienenretter“ den ersten Stich gemacht. Die erforderliche Zehn-Prozent-Hürde wurde locker genommen, der Jubel bei den Initiatoren ist entsprechend groß.

Nun ist der Bayerische Landtag am Zug. Dass die im Volksbegehren vorgeschlagenen Gesetzesänderungen im Maximilianeum durchgewunken werden, scheint eher unwahrscheinlich. Es läuft also auf einen Volksentscheid hinaus. Dabei könnte die Staatsregierung dem Volksbegehren einen eigenen Gesetzesvorschlag entgegensetzen.

Die vielen Landwirte in der Region hoffen nun darauf, dass die Diskussion um die Inhalte des Artenvielfalt-Begehrens weiter intensiv geführt wird und sich die über 235000 Stimmberechtigten in Stadt und Landkreis Rosenheim an der eigenen Nase packen.

Die Rosenheimer Kreisbäuerin Katharina Kern bringt es so auf den Punkt: „Wenn jeder Einzelne sein Alltags-, Kauf- und Freizeitverhalten überdenkt und auf regionale Lebensmittel setzt, dann leistet er einen wertvollen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt, Natur, Kulturlandschaft – und unterstützt damit auch unsere mittelständische und kleinbäuerliche Landwirtschaft.“

Mit seiner Unterschrift die Bienen retten wollen, und dann im Supermarkt zum billigsten Honig aus China greifen – das passe halt nicht zusammen, sagt die Kreisbäuerin aus Oberaudorf. Das sieht der Rosenheimer ÖDP-Kreisvorsitzende und Bündnis-Koordinator Josef Fortner genauso: „Wir haben genügend Imker in der Region. Sie sollte man unterstützen und auch bei Milch und Fleisch auf heimische Produkte setzen.“

Fortner hat den Erfolg des Volksbegehrens mit 50 Bündnis-Mitstreitern schon am Mittwochabend im Rosenheimer Mailkeller gefeiert: „Das Begehren war eine große Anstrengung für uns, mit so einem überwältigenden Zuspruch von fast 20 Prozent hatten wir vor dem Start nicht gerechnet.“

Er macht auf den „alarmierenden Artenschwund“ in Deutschland aufmerksam: die Insektenmasse sei um 75 Prozent geschrumpft, über 300 Bienenarten (über 50 Prozent) vom Aussterben bedroht, viel weniger Schmetterlinge unterwegs – und das in nur 30 Jahren.

Dass das Begehren einseitig den Bauern den Schwarzen Peter zuschiebt, dass der Markt für mehr Bioware nicht da ist – das weist er zurück: „Alle sind gefragt – Bürger, Kommunen, Großhandel, die große Politik.“ Man müsse Flächenprämien und Massenproduktion deckeln oder zurückfahren, stattdessen mittelständische Landwirte mit Ausgleichszahlungen oder Fördergeldern unterstützen.

Kern: „Mir fehlt
die Wertschätzung unserer Arbeit“

„Artenvielfalt und viele Bienen, die unsere Obstbäume bestäuben – das wollen wir Landwirte auch“, betont Katharina Kern. Sie verweist auf 320000 Hektar ökologischen Landbau in Bayern, 200000 Hektar extensive Gründlandbewirtschaftung, 35000 Hektar Streuobstwiesen und 6100 Gewässerrandstreifen von zehn Metern Breite, die es ohne die Anstrengungen der Bauern in Bayern nicht geben würde.

„Da fehlt mir manchmal die Wertschätzung unserer Arbeit“, so die Kreisbäuerin. Sie erwartet nun von der Politik einen Gesetzesentwurf, der den heimischen Landwirten das Überleben ermöglicht. Viele hätten investiert, Kredite aufgenommen – da könne man nicht von heute auf morgen zehn Prozent der Fläche aus der Bewirtschaftung nehmen.

Albaching21216,3 % Amerang59320,5 % Aschau85018,8 % Babensham38016,0 % Bad Aibling300821,6 % Bad Endorf110418,2 % Bad Feilnbach126220,5 % Bernau101720,4 % Brannenburg118625,3 % Breitbrunn30124,3 % Bruckmühl231418,8 % Chiemsee 2817,6 % Edling63218,8 % Eggstätt45620,2 % Eiselfing32713,9 % Feldkirchen-W.189723,7 % Flintsbach45719,8 % Frasdorf36015,7 % Griesstätt33315,6 % Großkarolinenfeld97817,8 % Gstadt16117,6 % Halfing34716,3 % Höslwang17617,7 % Kiefersfelden76615,3 % Kolbermoor232417,4 % Neubeuern71922,2 % Nußdorf40619,8 % Oberaudorf55214,4 % Pfaffing56318,5 % Prien168420,5 % Prutting41018,7 % Ramerberg18718,1 % Raubling144716,4 % Riedering85819,7 % Rimsting65621,7 % Rohrdorf65915,1 % Rosenheim6946 16,9 % Rott59619,1 % Samerberg34816,3 % Schechen54314,3 % Schonstett18017,5 % Söchtenau32215,6 % Soyen47020,5 % Stephanskirchen181423,1 % Tuntenhausen96718,0 % Vogtareuth40217,0 % Wasserburg199222,3 %
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