Rosenheim – „Der Meridian – Fahrgastseite“ heißt die Facebook-Gruppe, die immerhin knapp 800 Mitglieder zählt. Täglich gibt es dort aktuelle Meldungen über Zugausfälle, Engpässe und Verspätungen. Für Pendler ein wahrer Schatz. Die Meldungen waren oft aktueller und genauer als die offiziellen Beiträge des Unternehmens. Nachdem der Ton in der Facebook-Gruppe auch aufgrund vieler Ausfälle und Zugkürzungen (wir berichteten) – zusehends rauer geworden ist, haben die Erfinder jetzt kurzzeitig sogar überlegt, ihr Engagement einzustellen.
Denn hinter der informativen Gruppe steckt nicht etwa das Mutterunternehmen Bayerische Oberlandbahn. Stattdessen gründete ein Team aus aktuellen und ehemaligen Meridian-Mitarbeitern den Service vor einigen Jahren. Sie betreiben die Gruppe in ihrer Freizeit. Weil sie Spaß daran haben, weil einige finden, dass die Kunden-Kommunikation der BOB ausbaufähig ist und weil sie stolz auf ihren Meridian sind. Neben aktuellen Streckenmeldungen teilten sie Bilder von ihrer täglichen Arbeit und vom Meridian. Früher gab es dafür viele Likes. Heute wird auch geschimpft.
Ein Administrator der Gruppe wendete sich nun mit einer emotionalen Nachricht an alle Mitglieder. „Es wird erst mal keine weiteren Posts geben“, schreibt er. Das Team bedauere das. „Aber wir müssen auch mal Konsequenzen ziehen.“ Es habe zuletzt häufig „Unverständnis und Unfreundlichkeiten“ gegeben. Zu viel, um sie einfach wegstecken zu können.
Die Reaktionen auf diese Ankündigungen ließen nicht lange auf sich warten. Einige Gruppenmitglieder reagierten mit Verständnis, viele mit Unverständnis und Unfreundlichkeiten. So viele, dass sich der Admin gezwungen sah, die Kommentarfunktion unter jenem Post zu schließen.
„Unsere Mühe wurde nur noch mit bösen Kommentaren belohnt“, sagt ein Administrator, der nicht namentlich genannt werden will. „Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte die Gruppe ganz gelöscht.“ Er könne den Frust der Pendler verstehen. Nur die Macher der Gruppe können dafür wenig, sagt der Administrator. „Das sind doch auch nur Menschen.“
Von ihren Chefs brauchen die Mitarbeiter wohl eher nicht auf Unterstützung hoffen. Bei der BOB selbst sieht man derartige Engagements auf Facebook sowieso kritisch: „Das ist ein privates Engagement von Mitarbeitern, von dem wir uns als Unternehmen klar distanzieren“, sagt Anna Graser, Marketing-Chefin der BOB. Für alle, denen das noch nicht deutlich genug war, fügt sie hinzu: „Wir fänden es schöner, wenn sich unsere Mitarbeiter auf ihre Kernaufgaben fokussieren.“
BOB, Meridian und BRB verfügten über einen professionellen Social-Media-Auftritt. Und dort sollten die Kunden auch landen. Nicht auf irgendwelchen privaten Gruppen. Doch das sehen die Macher der Meridian-Facebook-Gruppe anders. „Die Kommunikation von Störfällen durch die BOB ist mehr als ausbaufähig“, sagt der Administrator. Deshalb habe er die Gruppe auch nicht gelöscht – und mittlerweile die kurze Überlegung, die Gruppe einzustellen, auch revidiert. „Wir haben uns entschieden, diese Gruppe weiterzuführen“, teilte einer der Administratoren gestern mit. Allerdings werde das Team zunächst keine Zugstärken und -ausfälle melden. Stattdessen verwies der Administrator auf die offiziellen Unternehmensadressen, an die Kunden „Beschwerden, aber auch positives Feedback offiziell einreichen können“.