Rosenheim – „Reicht das, was wir in puncto Jugendarbeit machen, aus? Müssen wir neue Wege gehen, um die Jugendlichen zu erreichen? Was können wir tun, um die jungen Menschen in den Gemeinden zu halten?“ Das waren die zentralen Fragen des sechsten Neujahrsempfanges der Kommunalen Jugendarbeit des Landkreises Rosenheim.
Sabine Stelzmann, die den Fachbereich Kommunale Jugendarbeit seit 2006 geleitet hat, stellte bei dieser Gelegenheit ihre Nachfolgerin Michaela Truß-Bornemann vor, die den Abend moderierte. Dabei bezeichnete der stellvertretende Landrat Josef Huber die Jugendarbeit als eine der größten Aufgaben des Landratsamtes. Vor allem in der Altersgruppe zwischen 13 und 16 Jahren sei es schwierig, die Jugendlichen zu erreichen – ganz besonders, wenn sich diese nicht in Vereinen oder Verbänden engagieren. „Wir müssen den Jugendlichen einerseits etwas bieten, ihnen aber andererseits auch die Möglichkeit geben, selbst etwas zu schaffen. Wenn wir die Jugend verlieren, haben wir verloren“, sagte Huber.
Auch Michaela Truß-Bornemann empfahl, die Jugendarbeit in den Kommunen mit etwas Abstand zu betrachten: „Welche Rahmenbedingungen brauchen junge Menschen, damit sie sagen, das ist ein Ort, an dem mir etwas geboten wird?“ Die Kommunale Jugendarbeit gehe mit dem Medienprojekt „aROund“ bereits neue Wege. Hier arbeiten Jugendliche aus der Region an einer Informationsplattform für Jugendliche. Ein weiteres neues Format sei „Ja Real“, mit dem die Kommunale Jugendarbeit an die Realschulen im Landkreis Rosenheim gehe. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Truß-Bornemann. Das bestätigte ihr auch der Referent des Abends Günter Katheder-Göllner. Der Jugendhilfeplaner des Landkreises Augsburg sprach in seinem Vortrag zum Thema „Jugend möglich machen – ein Plädoyer für eine offensive Jugendpolitik“ und machte gleich zu Beginn deutlich: „Der Landkreis Rosenheim hat in vielem die Nase vorn.“ Dennoch gingen die Zeichen der Zeit auch am Landkreis Rosenheim nicht vorbei. Der demografische Wandel sei für viele Jugendliche ein Thema. Dazu komme das Phänomen der sogenannten „Schwarmstädte“. Das heißt: Viele Jugendliche verlassen ihre Gemeinden und „schwärmen“ in die Städte, um zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Und natürlich „schwärmen“ sie vor allem in die Städte mit einem vielfältigen und attraktiven Freizeitangebot. Der ländliche Raum hingegen verliere junge Menschen. „Natürlich werden Gemeinden im Landkreis Rosenheim nie das bieten können, was Großstädte wie München anzubieten haben. Dafür sind die Mieten bei ihnen billiger, sie haben die Seen und Berge“, sagte Katheder-Göllner. Familie, Freunde und Heimat: Das seien für Jugendliche die Gründe, in ihren Gemeinden zu bleiben oder dahin zurückzukehren. Hier müsse die Jugendarbeit ansetzen, sagte Katheder-Göllner.
Für die musikalische Umrahmung sorgte die Band Offroad Acoustics, die alkoholfreien Cocktails an der „Sansibar“ mixten Jugendliche aus dem Jugendtreff Brannenburg. re