Bad Feilnbach – Zum Thema „Den Lügnern auf der Spur – aus dem Leben eines Statistikers in Politik und Wirtschaft“ sprach jetzt beim Arbeitnehmerempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Kreisverbände Rosenheim sowie Miesbach und Bad Tölz Professor Dr. Gerd Bosbach von der Hochschule Koblenz vor rund 70 Besuchern.
Bosbach forderte in seinem Referat die Anwesenden auf, Statistiken und Aussagen von Politik und Wirtschaft immer zu hinterfragen. „Meist kann man selbst Statistik-Lügen erkennen, wenn man nur einfach nachdenkt“, stellte der Professor fest. „Schönfärben ist das normalste Ding der Welt“, sagte Bosbach. Bei Statistiken sei immer die Frage, wie sie definiert würden. „So ist statistisch der Vatikan die kriminellste Stadt der Welt“, zeigte Bosbach an einem Beispiel auf, wie wichtig es ist, Daten richtig einzuordnen. So habe der Vatikan zwar nur rund 1000 Einwohner, dafür aber pro Jahr rund 70 Millionen Besucher. Und die von Besuchern begangenen Delikte würden natürlich dort gemeldet. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet sei dann die Kriminalität sehr hoch.
Auch in der Wirtschaft würde laut Bosbach gerne mit Zahlen getrickst. Dort spreche man von einem Gewinneinbruch und wie schlimm dieser wäre. „Sieht man genauer hin, bleibt natürlich immer noch ein Überschuss.“ Die Zahlen eines großen deutschen Konzerns beispielsweise ergaben laut Bosbach trotz Einbruchs immer noch einen operativen Gewinn von vier Milliarden. Der Verlust sei nur aus den konzerneigenen Finanzdienstleistungen entstanden.
In ihren Schlussworten bedankte sich die DGB Kreis- und Stadtverbandsvorsitzende Ingrid Meindl-Winkler bei Professor Dr. Bosbach für dessen Vortrag. „Ab und zu ist das Bauchgefühl wichtig, um die Dinge zu hinterfragen. Gerade für die Gewerkschaften ist es wichtig, getroffene Aussagen aus Politik und Wirtschaft immer auf den Prüfstand zu stellen.“