Raubling/Schwindegg – Schwindegg rückt plötzlich näher an Buchbach heran? Zugleich bekommt Ranoldsberg einen Bahnhof? Das war dann doch zu auffällig. Unbekannte haben sich in der Nacht auf Sonntag einen großen Spaß mit Buchbach, Ranoldsberg und Schwindegg erlaubt: Mehrere Ortsschilder wechselten mal eben in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ihren Standort.
Das Schwindegger Taferl zog nach Steeg um, das wiederum war in Ranoldsberg zu finden und Ranoldsberg eben am Ortseingang von Schwindegg. Dessen Bürgermeister Dr. Karl Dürner reagierte gelassen auf den ersten Anruf. Schwindegg hatte zwar für kurze Zeit keinen Bahnhof mehr, aber Ranoldsberg wurde kurzerhand zum Kleinzentrum.
Auch Buchbachs Bürgermeister Thomas Einwang verbucht die Aktion unter „Faschingsscherz“ – mit großem Aufwand. „Die Schilder sind gut befestigt. Da haben einige wohl ein paar Stunden mit der Aktion verbracht“, vermutet Einwang. Früher habe es ähnliche Scherze immer wieder gegeben, darum will er den Schildertausch nicht überbewerten. Ein Schaden sei nämlich nicht entstanden. „Da hat sich jemand was einfallen lassen und sich damit ganz schön Arbeit gemacht.“
Dürner findet’s lustig, ganz im Gegensatz zu den vielen Zerstörungen, die in den vergangenen Jahren immer wieder im Gemeindegebiet von Schwindegg verursacht wurden. Ein zerstörtes Geländer an der Brücke zur Schule, eine Sitzbank in der Goldach oder abgeschlagene Biberschwanz-Ziegelplatten – immer wieder richteten Unbekannte Schäden in der Gemeinde an. 1000 Euro hatte Dürner damals als Belohnung für einen Hinweis ausgesetzt, gemeldet hatte sich aber niemand. Anzeige bei der Polizei hat der Bürgermeister wegen des aktuellen Schildertauschs nicht erstattet. Die Unbekannten hätten ohnehin strafrechtlich nichts zu erwarten, erklärt Karl Sanladerer von der Polizei Mühldorf. Weil nichts kaputtgegangen sei, werde eine solche Aktion als „grober Unfug“ eingestuft – eine Ordnungswidrigkeit. Einen verkehrsrechtlichen Aspekt hat der Austausch der Schilder nicht. „Eine geschlossene Ortschaft bleibt eine geschlossene Ortschaft – auch wenn der falsche Ort drauf steht.“ Problematisch werde es aber beim Schildertausch zum Beispiel von Geschwindigkeitsbegrenzungen, Überholverboten oder Einbahnstraßen. Käme es dadurch zu einem Unfall, sei nämlich der Schildertausch ursächlich dafür. Nicht zum ersten Mal, dass munter Orte getauscht wurden. Vor zwei Jahren gab es einen Ortsschilder-Ringtausch in und um Wasserburg, der weite Kreise zog. Griesstätt statt Wasserburg, Alteiselfing statt Gammersham, Rott statt Griesstätt oder Evenhausen statt Rott – der Altlandkreis Wasserburg stand einfach mal Kopf. Auch Schnaitsee und Waldhausen wechselten schon mal ihre Plätze. Einen Schilderspaß erlaubten sich wohl auch Fußballer aus Großholzhausen. Zumindest prangte nach einem gewonnenen Gemeindederby gegen die Mannschaft aus Raubling das Schild „Großholzhausen“ am Ortseingang von Raubling.
Die Ortsschilder aus Buchbach und Schwindegg sind mittlerweile an ihre angestammten Plätze zurückgekehrt. Schwindegg hat seinen Bahnhof zurück und Ranodlsberg gehört wieder zur Gemeinde Buchbach.