„Bienen retten wollen wir alle“

von Redaktion

Landfrauentag in Rosenheim: Bäuerinnen wehren sich gegen Rolle des Sündenbocks

Rosenheim – Sich Zeit nehmen, miteinander reden, aber auch aktuelle Aspekte nicht aus den Augen lassen. Das war das Motto des Rosenheimer Landfrauentages. Dabei ging es viel um das aktuelle Volksbegehren „Rettet die Bienen!“. Bei einem sehr eindringlichen Referat von Anton Kreitmair, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), war das Motto „Im Dialog bleiben“. Teil der Veranstaltung waren auch Ehrungen für junge Meisterinnen.

Würdigung der Traditionspflege

„Die Rosenheimerinnen und Rosenheimer wissen ganz genau, wie wertvoll eine funktionierende Landwirtschaft für unsere Stadtgesellschaft ist“. bekräftigte Rosenheims Zweiter Bürgermeister Anton Heindl. Die Bevölkerung schätze regionale Produkte, die die beste Ökobilanz aufweisen würden. „Lebensqualität und bäuerliche Landwirtschaft – diese beiden Begriffe sind für mich nicht zu trennen“, fand er. Dabei würdigte er die Leistungen der Betriebe bezüglich Traditionspflege, Bewirtschaftung der Kulturlandschaft und Tourismus.

Das Volksbegehren bewegte die BBV-Vertreter. Eine tiefe Sehnsucht gebe es in der Bevölkerung nach einer besseren Umwelt, konstatierte der stellvertretende Kreisobmann Klaus Gschwendtner. Dabei habe man gleich Schuldige ausgemacht: die Bauern. Schließlich würden sie 40 Prozent der Flächen bewirtschaften. Sie wären jedoch garantiert nicht allein verantwortlich.

Der Flächenverbrauch durch großen Zuzug nach Bayern fordere seinen Tribut – mit Bebauung, privat wie öffentlich, Freizeitraumbedürfnissen und enormem Wasserverbrauch. „Dass die Landwirtschaft so an den Pranger gestellt wird, trifft uns sehr“m meinte Gschwendtner.

Betroffen vom Volksbegehren zeigte sich auch Kreisbäuerin Katharina Kern. Sie sah es als „von Marketingexperten geschickt verpackt“ an. Es gehe nun um die Existenz und Zukunft der Landwirte. „Bienen retten wollen wir alle,“ versicherte sie. Dafür würden seitens der Landwirtschaft bereits viele freiwillige Leistungen erbracht. Das Volksbegehren sei einseitig beleuchtet gewesen, Aspekte wie Verkehr oder Industrie seien nicht betrachtet worden.

Außerdem solle es für Importwaren dieselben Standards geben wie für hiesige Produkte, forderte Kern. Natürlich gebe es in jedem Bereich „Baustellen“, aber man sei seitens der Bäuerinnen und Bauern bereit, an diesen zu arbeiten.

Dass man hierfür und auch im alltäglichen Miteinander „Im Dialog bleiben“ müsse, fand Kreitmair. Dabei war er persönlich sehr offen. Vor zwei Jahren sei ihm eine Krebsdiagnose mit sehr geringen Überlebenschancen gestellt worden, erklärte er. Er habe die Krankheit überstanden, überlebt. Heute sehe er einiges anders.

Der Dialog sei das Wichtigste: in der Familie, zwischen den Generationen, mit Wertschätzung und Zeit. Zeit, die man abseits der Arbeit finden solle. Dabei betonte er auch die Wichtigkeit von Bildung – im klassischen Sinne, genauso aber Herzensbildung. Man solle auf Leute zugehen. Nicht nur im eigenen Bekanntenkreis. So könne der Horizont erweitert werden. „Man muss nicht mit jedem auskommen, aber muss man das ausspielen?“, war Kreitmairs Frage. Statt Antagonismus wäre doch ein Nebeneinander gut, besser ein Miteinander in den Dörfern und am besten ein Füreinander mit gegenseitiger Anteilnahme und Hilfe.

Der aktuellen Diskussion um den Artenschutz entzog sich der Referent nicht. Die Landwirtschaft biete den Dialog an. „Aber wenn das Ziel die Zerstörung der Betriebe ist, kann ich den Weg nicht mitgehen“, forderte er eine faktische Sicht auf die Realität. „Ich bin überzeugt, uns gehört die Zukunft. Wir müssen sie mitgestalten, im Dialog, auch mit den Verbrauchern“, war sich Kreitmair sicher.

Im Anschluss gab es für Bildungsengagement beim Landfrauentag Ehrungen. Eine Würdigung erhielten die neuen Meisterinnen der Hauswirtschaft: Anna Theresia Berger (Babensham), Theresia Maria Buchner (Vogtareuth), Magdalena Gebhart (Bad Feilnbach), Elfriede Kollmannsberger (Prien), Theresia Narrath (Amerang), Franziska Sigl (Amerang), Stephanie Wimmer (Babensham) und Judith Hilverkus (Rosenheim).

Ebenso die Dorfhelferinnen Christina Bauer (Samerberg), Anna Baumann (Bad Aibling, mit einem Meisterpreis unter den drei Besten in Neuburg), Elisabeth Kiener (Schechen) und Anna Stephan (Bad Endorf). Genauso geehrt wurden natürlich die Betriebswirtinnen für Ernährungs- und Versorgungsmanagement – Anna Eder (Bad Feilnbach), Martha Sophia Hirzinger (Söllhuben), Monika Lechner (Lauterbach) und Eva Schweinsteiger (Kolbermoor).

Auszeichnung für Unterrichtstätigkeit

Einen Dank für ihr Engagement erhielten auch Anneliese Furtner für ihre 19-jährige Unterrichtstätigkeit in der Landwirtschaftsschule, Anneliese Riepertinger als Seniorenbeauftragte im BBV Rosenheim, Chorleiterin Heidemarie Hauser und Ehrenlandesbäuerin Annemarie Biechl, mit Gratulationen zu ihrem 70. Geburtstag. „Danke. Was ich gemacht habe konnte ich nur machen, weil ich von euch allen die Unterstützung hatte“, sagte die Jubilarin gegenüber der Versammlung.

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